Geliebte im Visier der Detektive

Muss die Geliebte dafür zahlen, dass sie mit dem Mann einer anderen Frau ins Bett gestiegen ist? Rechtsanwältin Katharina Braun klärt auf, wann man für die Detektivkosten verantwortlich gemacht werden kann.

Also das war nun wirklich die Höhe. Nicht nur, dass ihr Geliebter sie immer wieder damit hingehalten hatte, seiner Ehefrau endlich reinen Wein einzuschenken und dieser zu erzählen, dass er sich in eine andere Frau verliebt hat, bekam Frau K. nun auch noch ein Schreiben des Rechtsanwalts der Ehefrau. Mit diesem forderte der Advokat sie auf, die Kosten des Detektivs zu bezahlen, welcher offenbar sie und ihren (verheirateten) Freund wochenlang beschattet hatte.


Ist das überhaupt möglich, dass von einem Geliebten mit Erfolg Detektivkosten eingefordert werden?


Ja, und zu derartigen Prozessen kommt es in der Praxis immer wieder. Nicht nur vom betrügenden Ehepartner sondern auch vom Geliebten können daher die Detektivkosten eingefordert werden. Bei Gericht wird jedoch hinterfragt ob der Einsatz des Detektivs überhaupt notwendig war und die Kosten angemessen sind. So war die Observation dann nicht erforderlich, wenn in etwa die Geliebte im Vorfeld ohnedies der Ehefrau schon die Liaison eingestanden hat.
Wenn sich der Geliebte bzw. die Geliebte aber ohnedies im Vergleich mit einer „Maßstabfsfigur“ (darunter verstehen Juristen einen mit Werten verbundenen Durchschnittsmenschen) korrekt verhalten hat, dann wird dieser nicht die Kosten zu ersetzen haben.


Frau wusste nicht dass ihr Freund verheiratet ist


So wurde eine Geliebte in folgendem Fall von den Kosten freigesprochen:


Eine Frau lernte einen Mann kennen und lieben, der ihr perfiderweiser seinen Ehestatus verschwiegen hatte. Als sie ihm auf die Schliche kam, stellte sie ihm ein Ultimatum nach dem Motto: “ Entweder Du lässt Dich scheiden oder ich bin weg.“ Als der Scheidungstermin „platzte“, zog sie die Reißleine und beendete die Beziehung.
Die Ehefrau hatte jedoch in der Zwischenzeit einen Detektiv beauftragt, Kostenpunkt um die Euro 10.000. Nachdem ihm die Geliebte abhanden gekommen war, hat sich der Mann wieder mit seiner Ehefrau zusammen getan und die beiden kamen überein, dass eine Lösung für die entstandenen Detektivkosten doch die sein könnte, diese eben bei der Geliebten einzufordern. Hier erkannte der Oberste Gerichtshof jedoch, dass man der Geliebten diese Kosten nicht anlasten könne. Denn diese habe sich nichts zu Schulden kommen lassen. Denn zuerst hatte sie ja gar nicht gewusst, dass ihr Prinz verheiratet war und dann, als aus der Scheidung nichts wurde, auch sofort die Beziehung beendet. In diesem Fall hat der Mann ein „doppeltes falsches Spiel“ getrieben, er hat nicht nur seine Frau, sondern auch die Geliebte betrogen.


Keine Nachforschungsverpflichtung auf Facebook


Auch in diesem Fall war die Einforderung beim Geliebten nicht erfolgreich:


Ein Mann lernt eine Frau kennen und wird mit dieser intim. Auf Fragen nach ihrem Beziehungsstatus gibt ihm diese immer wieder nur ausweichende Antworten. Es stellt sich heraus, dass die Frau tatsächlich verheiratet war und der (wider Willen) Geliebte sah sich mit der Betreibung von Detektivkosten durch den Ehemann konfrontiert. Hätte der Mann auf den Facebook-Account seiner Herzdame geblickt, wäre ihm wohl aufgefallen, dass diese einen Ehegespons hat. Jedoch auch hier erkannte der Oberste Gerichtshof, dass die Verweigerung der Antworten durch die Frau keine Nachforschungspflicht beim Mann ausgelöst hat. Die Frau hat auch nie einen Ehering getragen. Es gibt - so die höchstgerichtliche Rechtsprechung - keine generelle Pflicht den Beziehungsstatus seines Sexualpartners auf Facebook zu checken.


Prüfung ob die Kosten des Detektiveinsatzes der Höhe nach angemessen sind


Wenn der Einsatz notwendig war, kann es jedoch sein, dass die Kosten nicht der vollen Höhe nach zu ersetzen sind. Dies in etwa dann nicht, wenn bereits gleich am ersten Tag der Observation vom Detektiv (meistens kommen pro Observation zwei Detektive zum Einsatz) eindeutige Indizien auf das Fremdgehen festgestellt werden konnten und dann noch – wodurch die Kosten in die Höhe getrieben werden - munter viele weitere Tage mit der Beobachtung fortgesetzt wird. Die über den ersten Einsatztag (wobei selten mit einem Observationstag das Auslangen gefunden werden kann) hinausgehenden Kosten werden vom betrügenden Partner und dem Liebhaber/lLiebhaberin dann nicht einforderbar sein. Zu einer Reduktion des Kostenersatzes wird es auch dann kommen, wenn die Kosten des Detektivs marktunüblich sind und auch mit niedrigeren Kosten der Einsatz hätte durchgeführt werden können.


Kein Schmerzensgeldanspruch vom Geliebten


Grundsätzlich entfaltet eine Ehe keine Außenwirkung. Nur ausnahmsweise können gegen dritte Personen (Geliebte/Geliebter) Schadenersatzansprüche geltend gemacht werden und zwar eben (und nur dann) wenn sich diese/ dieser rechtswidrig verhält. Einen Schmerzensgeldanspruch kann man für das durch den Seitensprung entstandene Leid gegen den Geliebten - und hierzu gibt es höchstgerichtliche Rechtsprechung - nicht durchsetzen.


Frau will wissen wie die Geliebte ihres Mannes ausschaut


Detektive kommen meistens bei solchen Scheidungen zum Einsatz, wo sich aufgrund der Einkommensunterschiede einer der Eheleute ein ordentlicher Ehegattenunterhalt errechnet. Denn um sich in einem Scheidungsverfahren einen solchen Anspruch erfolgreich zu erkämpfen, ist es erforderlich dem anderen das Verschulden an der Zerrüttung der Ehe nachweisen zu können. Oft ist die Entscheidung zur Beauftragung eines Detektivs eine stark emotionale; dann in etwa wenn es dem Betrogenen darum geht zu wissen, bei wem es sich um den Geliebten/ Geliebte handelt und das Aussehen/Alter dieser Person zu kennen.


In Österreich gibt es grundsätzlich keine Beweisverwertungsverbote. So sind Detektivberichte neben Screenshots von Social Media-Profilen, Emails, SMS-Korrespondenz und Zeugen in einem Scheidungsverfahren durchaus übliche Beweismittel.


Die in diesem Artikel erwähnten Gerichtsentscheidungen:


Frau wusste nicht, dass Mann verheiratet ist 3 Ob 232/11f).
Keine Nachforschungspflicht auf facebook 6 Ob 216/12a
Kein Schmerzensgeld vom Geliebten 1 Ob 134/12f

 

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