Geht der Vater lange in Karenz, fällt der Wiedereinstieg für die Frau leichter

Das Wiedereinstiegsmonitoring der AK zeigt: Über sechs Monate Väterkarenz machen die Rückkehr in den Beruf für die Mutter deutlich einfacher. Allerdings bleibt kaum ein Mann so lange daheim.

Vater passt auf Kinder auf

"Nur ein bisserl Väterkarenz bringt’s nicht“, erklärt Ingrid Moritz, Leiterin der Abteilung Frauen und Familie in der Arbeiterkammer Wien, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz, wie die APA berichtet. In einem Wiedereinstiegsmonitoring der AK zeigte sich, dass Väter ihren Frauen mit einer längeren Karenz den Wiedereinstieg in den Beruf deutlich erleichtern – so sind die Chancen zweieinhalbmal größer als im Durchschnitt, wenn der Vater mindestens ein halbes Jahr in Karenz geht.

Das Problem: Kaum einer macht‘s

Klingt ja eigentlich super. Der Haken an der Sache: Bei nur einem (!) Prozent der Paare geht der Vater tatsächlich länger als sechs Monate in Karenz. Auch bei einer Beteiligung zwischen drei und sechs Monaten schaut’s nicht wirklich besser aus: Hier sind es gerade mal zwei Prozent. Der Großteil der Väter geht – wenn überhaupt – unter drei Monate in Karenz.

Kürzere Karenz sogar hinderlich

Besser ein bisserl Karenz als gar keine? Hmm, nicht unbedingt. Die Erhebung der AK zeigt, dass eine kurze Karenz (also weniger als drei Monate) des Vaters sogar einen Nachteil für den Wiedereinstieg der Mutter bedeutet. Woran liegt’s? Moritz vermutet, dass es hier in erster Linie nur um das Einkassieren des Geldbetrags gehe – sonst lebe man das Ernährermodell.

Arbeitswelt muss familienfreundlich werden

Wir wissen: Ein Kind zu bekommen ist der häufigste Grund, weshalb Frauen ihren Job unterbrechen – was wiederum die Lohnschere auseinanderklaffen lässt. Für AK-Präsidentin Renate Anderl ist klar: "Männer müssen mehr eingebunden werden“. Damit sich tatsächlich was ändert, sei ein Umdenken in unserer Gesellschaft notwendig: So dürften Väter, die längere Zeit in Karenz gehen nicht als Hausmänner belächelt werden.

Auch liege es an den Unternehmen bessere Möglichkeiten für Väterkarenzen zu schaffen. "Wenn Väter in Karenz oder Teilzeit gehen wollen, darf das beruflich keine Nachteile haben“, erklärt Anderl gegenüber der APA. Die AK verlangt neben einer allgemein familienfeindlicheren Arbeitswelt auch eine Erhöhung des Partnerschaftsbonus von 500 auf 1000 Euro – auf diese Weise soll die Karenz für Väter noch attraktiver werden.

Alte Daten - altmodische Politik

Darüber hinaus will die Arbeiterkammer, dass sich Österreich an der EU-weiten Zeitverwendungsstudie beteiligt, damit aktuelle Daten zu (un-)bezahlter Arbeit von Frauen und Männern generiert werden können – die letzten Daten sind mittlerweile nämlich über zehn Jahre alt.

 

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