Gegen sexualisierte Gewalt: Kampagne #ausnahmslos startet

Dutzende Frauen schreiben einen offenen Briefen an Politik, Medien und Gesellschaft.

Nach der Silvesternacht und den schweren sexuellen Übergriffen in Köln, melden sich jetzt hunderte Frauen zu Wort und fordern ein Ende der Vermengung von Rassismus und sexueller Gewalt an Frauen:

"Wir fordern, dass den Betroffenen jetzt alle Unterstützung und Hilfe zukommt, die sie benötigen. Wir stehen solidarisch mit all denjenigen, die sexualisierte Gewalt und Belästigung erfahren und erfahren haben."

Die Petition kann online unterzeichnet werden


Auf der Seite ausnahmslos.org fassen die Unterzeichnerinnen ihre Forderungen zusammen - darunter etwa die Schließung der Schutzlücken im Straftatbestand der sexuellen Nötigung/Vergewaltigung. JedeR kann die Kampagne mit einer Unterschrift unterstützen.

Die Erstunterzeichnerinnen schreiben über ihr Anliegen: "Es ist für alle schädlich, wenn feministische Anliegen von Populist_innen instrumentalisiert werden, um gegen einzelne Bevölkerungsgruppen zu hetzen, wie das aktuell in der Debatte um die Silvesternacht getan wird." Sexualisierte Gewalt dürfe nicht nur dann zum Thema werden, wenn die Täter "fremd" sind. "Der Einsatz gegen sexualisierte Gewalt muss jeden Tag ausnahmslos politische Priorität haben, denn sie ist ein fortwährendes Problem, das uns alle betrifft", heißt es weiter.

Forderungen an die Politik


Die Kampagne stellt auch konkrete Maßnahmen vor, mit denen gegen sexuelle Gewalt an Frauen vorgegangen werden kann. Erstens solle die Arbeit der Beratungsstellen gestärkt und ihr Angebot ausgebaut werden. So müsse etwa die Arbeit von Frauenhäusern gestärkt werden - und das Angebot für alle Frauen zugänglich sein.

Das ist in Österreich nicht der Fall: die Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser Maria Rösslhumer beklagt, dass Asylwerberinnen in 6 von 9 Bundesländern keinen oder nur sehr erschwerten Zugang zu Frauenhäusern haben. "Auch Asylwerberinnen haben einen legalen Aufenthaltsstatus in Österreich und haben ein Recht auf Schutz und Sicherheit, genauso wie andere Frauen", sagt sie im Interview mit der WIENERIN.

Außerdem fordern die Unterzeichnerinnen von #ausnahmslos, dass sexuelle Belästigung zur eigenständigen Straftat in Deutschland wird (in Österreich ist das seit 1.1.2016 der Fall). Eindringlich warnen die Aktivistinnen vor einer Täter_innen-Opfer-Umkehrung, wie in Form von Verhaltensregeln für Betroffene. Weitere Maßnahmen: Sensibilisierungsarbeit in Schulen, Polizei und Justiz, Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit.

Kritik an sexistischer und rassistischer Medienberichterstattung


Dazu gehört auch die mediale Berichterstattung. Diese dürfe die "Opfer nicht verhöhnen und die Taten nicht verschleiern". Täter sollten nicht als „Sex-Gangster” oder „Sex-Mob” beschrieben – da sexualisierte Gewalt nichts mit Sex zu tun hat – und häusliche Gewalt nicht als „Familien-” oder „Beziehungsdrama” verharmlost werden.

Die Bildsprache müsse frei von rassistischen und sexistischen Klischees gehalten werden - was etwa dem "Focus" und der "Süddeutschen Zeitung" mit ihren Titelbildern, für die sie viel Kritik einstecken mussten, alles andere als gelungen ist.

Die "Süddeutsche" illustrierte eine schwarze Hand im Schritt einer weißen Frau, während der "Focus" schwarze Hände auf einer nackten weißen Frau als angemessenes Coverbild erachtete:

Der "SZ"-Chefredakteur entschuldigte sich schließlich für die schwarze Männerhand zwischen zwei weißen Frauenbeinen. Der "Focus" hingegen rechtfertige sein Titelbild.

 

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