Gedanken lesen

Warum tun Sie’s dann nicht einfach? Das Rüstzeug dazu haben Sie nämlich bereits. Wir verraten Ihnen, wie Sie in jeden Kopf hineinschauen können - ganz ohne Hokuspokus.

Sie wollen einmal bezaubernde Jeannie spielen und wissen, was in "Masters" Kopf vorgeht? Einmal mit dem Finger schnippen und schon geht´s ... oder mit diesen Tricks:

1. Spiegeln Sie!

Im Grunde besitzen Sie bereits alles, um Uri Geller und Co beim Gedankenlesen Konkurrenz zu machen: Spiegelzellen im Gehirn. Die sind u. a. dafür verantwortlich, dass wir unbewusst das Verhalten anderer nachahmen und uns so in sie einfühlen können. Gähnt unser Tischnachbar, gähnen wir mit. Greift er zum Brotkorb, tun wir es auch. Wenn Sie also wissen wollen, was in Ihrem Gegenüber vorgeht, müssen Sie: 1. Hinschauen. 2. Nachahmen (Haltung, Tonfall, Mimik). 3. Erspüren, wie es sich anfühlt, was der andere da gerade macht: verschlossen oder offen? Konstruktiv oder destruktiv?

Tipp: Nehmen Sie die typische Körperhaltung des Menschen ein, den Sie durchschauen möchten. Keine Angst, Ihr Gegenüber wird sich nicht veralbert fühlen. Er wird Ihre „Anteilnahme“ sehr genießen, was der Kommunikation förderlich ist. Die Theorie dahinter: In Gesprächen gibt es immer einen, der vorgibt – und einen, der folgt. Wer den anderen lange genug „spiegelt“, kann selbst die Führung übernehmen und „vorgeben“, was der andere (Ihnen gegenüber) fühlen soll.

2. Was sagt der Körper?

Profis setzen neben dem gekonnten „Spiegeln“ auch auf das Lesen der Körpersprache. Baut der andere etwa Distanz auf, indem er die Arme verschränkt, wegschaut oder den Oberkörper abwendet, dann bedeutet das: Er relativiert das Gesagte oder übt Kritik. Weicht er körperlich zurück, dann distanziert er sich auch von Ihnen oder dem Gesprächsinhalt.

Noch mehr als die Gestik verrät aber die Mimik. Denn die Gesichtsmuskeln können nicht alle bewusst kontrolliert werden. Vor allem Mikroregungen – ein Wimpernschlag, ein Zucken um den Mund – verraten den wahren mentalen Zustand. Ein Lächeln etwa, bei dem die Muskeln um die Augen starr bleiben, ist nicht echt.

Merke: Im oberen Teil des Gesichts zeigen sich eher die „ursprünglichen“, unverfälschten Emotionen. Um den Mund herum finden sich eher „sozial erwünschte“ Gefühlsreaktionen. Das Ganze erfordert allerdings viel Training! Studien, haben gezeigt, dass Ungeschulte einander nur mit einer Erfolgsquote von 20 Prozent richtig „lesen“ können.

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3. Distanzieren!


Die größte Hürde beim Gedankenlesen ist nicht das Gegenüber, das seine Gefühle zu verbergen sucht. Das größte Hindernis sind wir selbst. Genauer: Unsere vorgefassten Meinungen oder Vorurteile, die uns Situationen falsch interpretieren lassen. Wer etwa mit der „Thomas ist ein Gentleman“- Einstellung an sein Gegenüber herantritt, der wird sich schwer tun, die Distanz zu wahren, die es zum Gedankenlesen
braucht. Alles, was Sie dann noch lesen können, lesen Sie nämlich durch eine von Ihren Einstellungen getönte Brille.

Die Folge: Wir verlieben uns in Mr. Wrong oder werden von den Intrigen der „netten“ Kollegin völlig überrascht. Auch unsere Stimmungen und Gefühle stehen im Weg.

Ein Beispiel: Sind Sie gestresst, nimmt Ihr Partner das automatisch auf – und umso schwieriger wird es, seine Gedanken zu lesen. Auch Mitleid ist der Sache nicht förderlich. Weil diese Emotion oft in „Das habe ich auch schon erlebt …“-Ratschläge mündet. Und schon hat man die eigenen Erinnerungen auf das Gegenüber übertragen.Profi-Gedankenleser holen sich deshalb Feedback. Fragen auch Sie Ihr Gegenüber ab und zu: „Verstehe ich richtig, dass …?“

4. Geheimsignale


Professor William Ickes, Autor des Bestsellers Everyday Mind Reading, kennt die wichtigsten Werkzeuge professioneller Gedankenleser. Er verrät, ... ... woran Sie einen Lügner erkennen: „Stellen Sie Fragen zur Geschichte. Fällt es dem Gegenüber schwer, konkret zu antworten und erzählt er die Story Wort für Wort noch mal, lügt er höchst-wahrscheinlich.“

... ob ein Mann Sie begehrt: „Mimik und Gestik kann er kontrollieren – seine Pupillen nicht! Weiten die sich trotz gleichbleibender Lichtverhältnisse, ist das ein Zeichen dafür, dass sein Interesse (und mehr) geweckt ist.“

... wann Ärger droht: „Das Gegenüber fällt in den Freeze- Modus und erstarrt in einer Haltung, die es größer erscheinen lässt. Jetzt hilft nur flüchten – oder besänftigen.“ Manchmal, sagt Ickes, ist es aber besser, dem (Gesprächs-) Partner seine Geheimnisse zu lassen. „Wenn jemand abblockt, dann sollten Sie das respektieren. Ansonsten könnten Sie vielleicht Gedanken lesen, von denen Sie lieber nichts gewusst hätten, weil sie verletzend sind.“

 

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