Geburtstagseinladung von Eltern sorgt für Spott und Hohn

Eltern überschlagen sich gerne dabei, den ersten Geburtstag des Nachwuchses zu planen. Man kann es aber auch übertreiben, wie eine Einladung, die im Internet kursiert, zeigt. Was das Geburtstagskind dazu wohl sagen würde, könnte es schon sprechen? WIENERIN-Chefredakteurin Barbara Haas spielt Übersetzerin.

In einer Email an die ausgewählte Gästeschar haben die Eltern eine lange Wunschliste versendet - kein Geschenk soll dem Zufall überlassen werden, nichts Unnützes soll dem Geburtstagskind am Tag präsentiert werden.

Einladung Geschenkliste Kindergeburtstag

Deshalb gibt es für Freunde und Familie eine genaue Anleitung: keine Bücher (das einjährige Geburtstagskind hasst es, vorgelesen zu bekommen), keine selbstständig ausgesuchten Geschenke ohne Rechnung (wegen der Umtauschmöglichkeit - sollte das Präsent nicht gefallen, kann man für das Geld wenigstens Babymilch kaufen) und schon gar keine personalisierten Geschenke - denn Kleidung mit aufgesticktem Namen ist den Eltern zufolge der erste Schritt zur Kindesentführung.

Die detaillierte Wunschliste erntet auf Online-Foren wie Twitter oder reddit.com unter dem Titel "Einladung aus der Hölle" ordentlich Spott und Hohn.

Wie viel Planung braucht ein Kindergeburtstag?

So wenig wie möglich - vor allem, wenn's der erste ist, meint WIENERIN-Chefredakteurin Barbara Haas, selbst Mama von zwei Kindern. Und ist sich sicher, dass besagtes, einjähriges Geburtstagskind ganz ihrer Meinung wäre.

Der Einjährige und seine durchgeknallten Eltern – ein Hilferuf!

Hurra, endlich werde ich ein Jahr alt. Aber: Wie ist es, Geburtstag zu feiern? Keine Ahnung, das letzte Mal wurde ich an diesem Tag ja erst geboren. Verheerend dabei ist, dass ich offenbar zwei durchgeknallte Elternteile bekommen habe, die einen Geburtstags-Super Gau für mich planen. Und mich - noch ehe ich einen geraden Satz sagen kann - zum kompletten Deppen machen. Weltweit. Vielen Dank auch. Was ist passiert?


Mami und Papi haben…

1) … eine Party mit anderen Kindern und deren Eltern geplant – was völlig sinnlos ist, denn ich kann mir gerade einmal merken, wer Mama und Papa sind. Andere Kinder gehen mir definitiv am Arsch vorbei. Andere Erwachsene noch viel mehr. Sorry, ist aber so.

2) … nicht genug damit, dass hier lauter Gesichter auftauchen werden, die ich nicht kenne, haben Mami und Daddy auch noch eine völlig bescheuerte Geschenke-Liste ausgeschickt. Kein Wunder, dass die jetzt schon überall als das „Einladung aus der Hölle“ läuft. Im Großen und Ganzen ist davon die Rede, was ich unbedingt will, was auf gar keinen Fall, welche Bücher sicher nicht und wie man sich dem Geschenks-Faschismus meiner Eltern unterzuordnen hat. Ich darf jetzt schon anfangen, meine Therapeuten-Stunden zusammen zu zählen, wenn ich groß bin. Das wird teuer. Und nur zur Info: Ja, ich will mir aktuell nichts vorlesen lassen, wie es Mami im Mail geschrieben hat. Hängt aber damit zusammen, dass ich derzeit mit anderen Dingen beschäftigt bin. Etwa, endlich aufrecht gehen zu lernen.

3) Das mit dem Geschenke-Terror ist aber noch nicht genug. Es gibt auch einen mehrstufigen Exit-Plan, falls jemand das eine oder andere Geschenk nicht auftreiben sollte. Alle werden meine Eltern komplett irre finden, ihren ganzen Zorn aber auf mich projizieren wenn sie zu Besuch kommen – weil ich ja noch so klein bin und sicher was tue, was komisch ist. Weinen zum Beispiel, weil ich keine Sau kenne, die hier herumsteht.

Ich möchte hier aber trotzdem was sagen…

1) Bereits eine brennende Kerze auf der Torte wird mich an meinem Geburtstag ziemlich aus der Bahn werfen. Sollte es sogar noch eine Spritzkerze sein, wird die nächste Nacht für mich und mein Verarbeitungszentrum anstrengend genug.

2) Sollten mehr als drei Menschen um mich einen immer enger werdenden Kreis bilden und ein sicher zu lautes „Happy Birthday“ grölen, kann ich für ebenso lautes Schreien garantieren. Das wäre dann eine ehrliche – und sogar eine persönliche - Reaktion auf diesen Affentanz.

3) Ich bin ein Jahr alt. Ich kacke in meine Windeln, ich kann noch nicht viel mehr außer Mama sagen, gehe wie ein Besoffener (falls ich das überhaupt schon schaffe) und weiß noch nicht mal, dass ich ein eigener Mensch bin. Aktuelle fühle ich immer noch, ich würde ein Teil von Mama sein. Keine extra schmeichelhafte Vorstellung im Moment übrigens…

4) Ach ja, noch was: Man darf mir auch kein Kapperl mit meinem Namen schenken, weil das ja scheinbar das Risiko für Kidnapping steigert.
Ich habe für meinen Geburtstag nur einen Wunsch: ein Kapperl mit meinem Namen. Bitte bitte!

 

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