Gebt diese Broschüre jedem Mädchen, das sich im Internet bewegt

Weil Mädchen selbstbestimmt und frei von Gewalt leben sollen. Auch im Netz.

Marie, 15, ist nach dem Umzug mit ihren Eltern die Neue in der Klasse. In ihrer alten Schule war sie sehr beliebt, an der Neuen findet sie nur schwer FreundInnen. Als sich Lukas, ein beliebter Skater, für sie interessiert, scheint sich das Blatt zu wenden. Schon nach kurzer Zeit tauschen sie täglich Snapchat-Nachrichten aus und like ihre Instagram-Posts. Als Lukas Marie um ein sexy Bild bittet, ist sie verunsichert. Sie kennt Geschichten von anderen Mädchen, deren Bilder in der Schule weiterverbreitet und im Internet veröffentlicht wurden - Slutshaming halt. Nun hat Marie Angst, dass ihr das auch passieren könnte. Gleichzeitig will sie Lukas nicht verlieren.*

Die Geschichte von Marie steht stellvertretend für die Geschichte vieler jungen Mädchen. Ein Leben ohne Internet ist - vor allem für junge Menschen - heute kaum noch vorstellbar. Doch mit dem Online-Sein sind auch einige Gefahren verbunden, von denen vor allem Frauen und Mädchen betroffen sind. Denn sie werden häufiger Opfer von Gewalt im Netz. Sexistische Übergriffe und Mobbing im Netz sind eine Form von Gewalt, die ohne Hemmschwelle agiert.

Aus diesem Grund hat die Stadt Wien nun eine Broschüre mit dem Titel "Mädchen im Netz - Ein Leitfaden zum Umgang in den (a)sozialen Medien" (HIER online abrufbar) herausgebracht. Neben der Erklärung von Begriffen wie "Rape Culture", "Slut Shaming" und "Mansplaining" enthält der Leitfaden vor allem praktische Tipps, wie Mädchen mit Cyber-Mobbing & Co. umgehen können.

Anlässlich der Präsentation der Broschüre sagt Frauenstadträtin Sandra Frauenberger: "Mädchen sollen sicher, selbstbestimmt und unabhängig leben können. Dazu gehört maßgeblich ein gewaltfreies Leben." Ricarda Götz, eine Autorin der Broschüre, weiß: "Man darf nicht alles im Internet sagen und tun. Wir wollen Mädchen darin bestärken, sich nicht aus dem Netz vertreiben zu lassen." Das Heft soll dabei als "kleine Freundin" dienen, die unterstützt und begleitet.

Aufpassen beim Verschicken von Nacktfotos


Auch das Thema "Sexting" - also das Verschicken von intimen und erotischen Selfies übers Internet oder mit dem Handy - ist Thema in der Broschüre. "Sexting ist nicht per se etwas Schlechtes", sagt Claudia Throm, Mitautorin des Leitfadens. "Aber es ist wichtig, dass sich Mädchen die Frage stellen, wem sie diese Fotos schicken, wie gut sie die Person kennen und ob sie ihr vertrauen." Medienpädagogin Elisabeth Eder-Janca weist darauf hin, dass es keine wirklich sichere Form von Sexting gibt. Man hat aber die Möglichkeit, die Bilder so zu gestalten, dass das Gesicht nicht zu sehen ist.

*Aus: "Mädchen im Netz - Ein Leitfaden zum Umgang in den (a)sozialen Medien", MA 57 Frauenabteilung der Stadt Wien

 

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