Gebt den Frauen endlich eine Telefonnummer, die sie sich merken können!

Angesichts von vier Frauenmorden kündigt Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß eine neue Frauennotrufnummer an - die bisherige zehnstellige Helpline könne sich schließlich niemand merken. (Kommentar)

Wenn Frauen- und Familienministerin Juliane Bogner-Strauß mit der Tatsache konfrontiert wird, dass in einer Woche vier Frauen ermordet wurden, denkt sie zuerst einmal praktisch. Vielleicht spielt sie im Gedanken durch, was man so macht, wenn einen der ehemalige oder aktuelle Partner angreift – aha, Notrufnummer, da war doch was. Vielleicht googelt sie schnell und findet zuerst den 24-Stunden-Frauennotruf der Stadt Wien – nein, von Wien nehmen wir nix. Sie scrollt ein wenig weiter und findet die Frauenhelpline gegen Gewalt mit der Nummer 0800/222 555. Eine Hotline, die seit 20 Jahren besteht. Pfau, denkt sich Bogner-Strauß gleich, das ist aber lang, das merkt sich doch niemand! Da brauchen wir was Knackigeres! Etwas Dreistelliges, wie bei der Polizei! Und: Tadaa, eine wirkungsvolle Maßnahme gegen Gewalt gegen Frauen ist geboren.

Vielleicht überlegt die Ministerin weiter: Jetzt brauchen wir nur noch einen guten Reim, damit man sich die neue Nummer gut merken kann. Sowas wie "122 – Feuerwehr herbei, 133 – kommt die Polizei, 144 – die Rettung, die ist hier"! Weil die Mädchen müssen sich das schon merken können, Präventionsarbeit muss schließlich in der Schule anfangen, weiß die Ministerin. Wenn du als Mädchen schon weißt, wen du anrufst, wenn dich später mal dein Freund schlägt, bist du gut geschützt. Genau da müssen wir ansetzen. Vielleicht 555, wie in den Hollywoodfilmen, da fangen die Telefonnummern immer so an.

Bogner-Strauß: Scheinmaßnahmen auf Kosten von Frauenleben

Während man also im österreichischen Frauen- und Familienministerium (So praktisch, dass wir das zusammengelegt haben, denkt sich vielleicht die Ministerin, laut Statistik ist die Familie ja der gefährlichste Ort für Frauen und Kinder! Das haben wir echt gut gemacht!) nach einer Notrufnummer sucht, die Frauen sich leicht merken können, sieht die Realität immer noch so aus:

2018 wurden 41 Frauen getötet.
2018 kürzte Bogner-Strauß mehreren Initativen die Förderungen, unter anderem dem Verein „One Billion Rising Austria“, der sich im öffentlichen Raum für ein Ende der Gewalt an Frauen und Mädchen einsetzt (wir berichteten). Im Vergleich: Die Förderungen für Burschenschaften wurden nicht gekürzt (siehe Kommentar von WIENERIN-Redakteurin Jelena Gu
čanin).
2018 kürzte Innenminister Herbert Kickl die Fallkonferenzen, eine gemeinsame Präventionsmaßnahme von Interventionsstellen und Polizei zur Sensibilisierung letzterer in Bezug auf Gewalt gegen Frauen.

2019 wurden bisher vier Frauen getötet, alle innerhalb einer Woche.

In der ÖVP/FPÖ-Regierung konzentriert man sich auch im neuen Jahr darauf, Morde an Frauen für populistische, rassistische Politik zu verwenden, als tatsächliche Politik für Frauen und gegen Gewalt gegen Frauen zu machen. Als endlich damit anzufangen, die Themen toxische Männlichkeit und patriarchale Gewalt anzusprechen. Stattdessen werden wieder Migration und Asyl als Gründe für Frauenmorden propagiert. Das ist alles andere als lustig, es ist zum Schreien, im schlimmsten aller Sinne. Und vor allem: Es kostet Menschenleben.

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