Gabaliers Trachtenkollektion wirbt mit schwulen Männern – und löst so Shitstorm aus

Das Internet kommt mit einem Sujet, das händchenhaltende Männer in Lederhosen zeigt, scheinbar nicht zurecht: Die Facebook-Seite des Versandhauses Otto erntet homophobe Reaktionen.

Man hat’s nicht leicht als Andreas Gabalier: Da lebt man eh schon in einer „genderverseuchten Gesellschaft“, in der man es schwer hat, wenn man als „Manderl noch auf ein Weiberl steht“ und dann erntet auch noch die eigene Trachtenkollektion einen Shitstorm. Und das ausgerechnet, wo man sich doch dieser „genderverseuchten Gesellschaft“ gebeugt hat und mit einem gleichgeschlechtlichen Pärchen wirbt, obwohl man sich in der Vergangenheit über das Abbilden von homosexuellen Personen in Medien oder der Werbung beschwerte.

„In Österreich wird derzeit so viel Traditionelles abgewertet oder sogar verboten. (…) Auf der anderen Seite zeigen wir in Wien Plakate von pudelnackten Transgender-Menschen mit Brüsten und Zippel. Das ist dann das Normale?“, hat sich der Sänger etwa in einem Interview gegenüber der Welt gefragt und war sich sicher: „Von jenen, die da groß Toleranz vertreten und einfordern, wird auch viel geheuchelt. Alles, was nicht deren Sicht entspricht, wird in niveauloser Art und Weise attackiert und verteufelt. (…) Man muss doch nicht jeden Tag schmusende Männlein in der Zeitung oder auf Plakaten drucken.“

Ausgerechnet seine AnhängerInnen sind es jetzt, die ein Werbesujet seiner Trachtenkollektion aktuell attackieren. Kein Wunder, dass das Volksrock’n‘ Roller-Manderl jetzt die Welt nicht mehr versteht – wobei sich das Internet nicht sicher ist, ob „Österreichs Homophober Nr. 1“ überhaupt von dem Werbesujet, das ein schwules Paar zeigt, wusste. (Wir haben bei Otto Versand nachgefragt, eine Antwort blieb bis zum Erscheinen dieses Artikels bisher aus – wird aber ergänzt, sobald eine Stellungnahme erfolgt ist.)

UserInnen finden das Sujet „widerlich“ und zum Kotzen

Zum Hintergrund: Andreas Gabalier hat sich nach seinem Design-Debüt vor fünf Jahren erneut als Modedesigner versucht. In Kooperation mit dem Versandhaus Otto hatte Gabalier letzte Woche eine Trachten-Kollektion präsentiert. Der Kollektionsstart legte nach eigenen Angaben sogar die Otto-Server lahm, nun erntet allerdings das aktuelle Werbesujet Kritik. Zwei händchenhaltende Männer in Tracht stoßen dem Internet seit vergangener Woche sauer auf und haben zu extremen Reaktionen geführt. Unter dem am Donnerstagnachmittag veröffentlichten Posting mit dem Slogan „Egal auf wen du stehst, #trachtgehtimmer“ finden sich nicht nur viele lobende Worte für die Kampagne, sondern auch zahlreiche homophobe Reaktionen – von „widerlich“, über „abartig“ bis hin zu kotzenden Emojis und GIFs.

Social-Media-Team muss trotzdem moderierend eingreifen

Otto musste am Freitag in den Kommentaren unter dem Sujet moderierend eingreifen. Man stehe für die Akzeptanz aller Menschen, egal welcher politischen Richtung, Religion oder Sexualität, so Otto. Geschäftsführer Harald Gutschi betonte gegenüber Futurezone auch, dass die Kampagne und die Reaktionen doch nur zeigen, dass „wir bei Otto Österreich genau richtig liegen, weil wir eben die Buntheit dieser Welt abbilden. Ich bleibe dabei: Trachten sind ein verbindendes Element.“ Immerhin würde man die Leute doch zusammenbringen, wenn sich die links der Gesellschaft stehenden über Gabalier aufregen und die rechts der Gesellschaft über die Männer-Trachtenkampagne, so Gutschi.

Kotzende Emojis sind laut Otto-Österreich-Geschäftsführer keine „menschenverachtenden Kommentare“

Otto Österreich Geschäftsführer Harald Gutschi ist auf Nachfrage von Futurezone auch fest davon überzeugt, dass das „natürlich keine angenehmen, aber sicherlich auch keine menschenverachtenden Kommentare“ sind. Deshalb werden die negativen Kommentare auch sicher nicht gelöscht werden. Von Futurezone auf die Verantwortung, die die Otto Facebook-Seite inne hat, angesprochen, verwies Gutschi auf die Eigenverantwortung, die jeder auch auf Social-Media-Plattformen habe. Wer sowohl das Sujet, als auch negative Reaktionen wie ein kotzendes Emoji nicht sehen wolle, müsse dies auch nicht tun, so der Geschäftsführer. Und wenn Gabalier künftig sexistische Scheiße von sich gibt, hören wir also einfach nicht hin. Lalalalalalala.

 

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