Fußballtrainer filmte Sportlerinnen heimlich beim Duschen und bleibt straffrei

Obwohl ein Fußballtrainer in Niederösterreich die Frauen heimlich beim Duschen filmte, drohen ihm keine Strafen, da er die Videos nicht veröffentlichte. Rechtsanwältin Katharina Braun über einen Fall, der aktuell für Empörung sorgt.

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Der 27-jährige Trainer hatte über einen längeren Zeitraum wiederholt sein Handy in der Umkleidekabine eines Fußballvereins im niederösterreichischen Mostviertel versteckt und damit Videoaufnahmen der Sportlerinnen gemacht – beim Duschen und Umziehen. Der junge Mann war Co-Trainer und Vertrauensperson der jungen Frauen. Eine von ihnen hatte zufällig das Mobiltelefon des Mannes, versteckt unter einer Jacke, gesehen und festgestellt, dass es 20 Minuten lang mitgefilmt hatte, als sie mit einer Kollegin unter der Dusche stand, berichtet kurier.at.
Die jungen Frauen leiden seit dem Bekanntwerden unter massiven Schlaf- und Anpassungsstörungen.

Heimliche Filmaufnahmen in Österreich nicht strafbar

Nach einer Hausdurchsuchung gestand der Verdächtige, die Mädchen die letzten drei Jahre über gefilmt zu haben. Der Mann wurde vom Verein sofort suspendiert und aller Ämter und Funktionen enthoben. Obwohl die Staatsanwaltschaft St. Pölten wegen pornogragraphischer Darstellung Minderjähriger und wegen Datenverarbeitung in Gewinn- und Schädigungsabsicht ermittelt, blieb die Anzeige erfolglos. Der Grund: Die Aufnahmen wurden vom Trainer zu „rein privaten Zwecken“ verwendet, womit er nicht gegen das Strafgesetzbuch verstößt. Unerlaubte Filmaufnahmen ohne pornographischen Inhalt stellen, anders als in Deutschland, in Österreich keinen Straftatbestand dar. Heimliches Filmen ist also erlaubt, wenn kein pornografischer Inhalt vorliegt. Aktuell soll aber über einen Fortführungsantrag noch einmal geprüft werden, ob gegenständlich nicht doch der Tatbestand einer Körperverletzung vorliegt. Das endgültige Ergebnis bleibt hier also noch abzuwarten.

Es meldeten sich bereits etliche Politiker zu Wort, dass für ein derartiges Verhalten ein eigener Straftatbestand eingeführt werden sollte, sodass heimliches Filmes auch strafrechtlich sanktioniert werden kann. SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim sprach von einer Gesetzeslücke, die es zu schließen gelte: „Es kann nicht sein, dass es strafrechtlich folgenlos bleibt, wenn man so in die Intimsphäre eines Menschen eingreift – auch wenn die Aufnahmen nicht veröffentlich wurden. Einen Menschen nackt ohne dessen Einwilligung zu filmen oder zu fotografieren, ist ein massiver Eingriff in die Selbstbestimmung.“

Möglichkeit auf Schadenersatz für psychische Folgen der Frauen

Mag dieser Tatbestand derzeit in Österreich keinen Straftatbestand erfüllen, so können sich die Frauen gegen den Trainer jedoch auf zivilrechtlicher Ebene zu Wehr setzen. Denn das Filmen stellt eine Verletzung in die persönliche Integrität dar (§ 1328 a ABGB). Möglich sind eine Klage auf Unterlassung und die Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen. Auf zivilrechtlicher Ebene kann es daher zu einer Abgeltung auch der psychischen Schäden der jungen Frauen kommen.

Katharina Braun Anwältin WIENERIN Kolumne

Kolumne: Frag' die Braun!

Mag. Katharina Braun ist Rechtsanwältin und spezialisiert auf Ehe- und Familienrecht, also die Themen Ehevertrag, Scheidung, Obsorge, Unterhalt, Besuchsrecht und Lebensgemeinschaft. Für die WIENERIN berichtet sie aus ihrer Praxis und erklärt anhand konkreter Fälle rechtliche Möglichkeiten.

www.rechtsanwaeltin-braun.at

Zu allen bisher erschienenen Artikeln von Katharina Braun.

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