Fundamental unterrepräsentiert: 2018 arbeiten immer noch kaum Frauen beim Film

Hollywoods Bekenntnis zur Gleichstellung sei nicht mehr als ein Lippenbekenntnis, kritisiert eine neue Studie. Zurecht!

Es ist nicht alles schlecht: Immer mehr Frauen arbeiten als Produzentinnen und in der Postproduction - Jobs, die jahrzehntelang stark männlich geprägt waren. Viel mehr Gutes gibt es allerdings nicht zu sagen über die Chancen, die Frauen auf eine Karriere im Filmbusiness haben. Zumindest, wenn sie hinter der Kamera stehen wollen.

Mit "Celluloid Celing" ist kürzlich eine umfassende Studie der San Diego State University über die Arbeitsbedingungen von Frauen, die im Film hinter den Kulissen arbeiten, erschienen. Und sie spart nicht mit Worten harscher Kritik: Hollywoods Bekenntnis zu Gleichstellung und Diversität nach #metoo und #TimesUp sei nicht mehr als ein Lippenbekenntnis, solange die Industrie nicht transparenter werde.

"Es gibt keine Beweise dafür, dass die Mainstream-Filmindustrie diesen umfassenden Wandel, den viele vorausgesagt haben, tatsächlich durchgemacht hat. Es ist unwahrscheinlich, dass diese fundamentale Unterrepräsentation [von Frauen] von ein paar Individuen oder einem einzelnen Filmstudio behoben werden kann", sagt Studienautorin Dr. Martha Lauzen, die auch das Center for the Study of Women in Television and Film an der San Diego State University leitet. Ohne groß angelegte Bemühungen der HauptakteurInnen - von Studios, über Agenturen bis hin zu Gilden und Vereinigungen - werde es keine bedeutende Veränderung geben. Nur acht Prozent der erfolgreichsten 250 Filme aus 2018 hatten etwa eine Regisseurin - der Unterschied zu "etwas, das auch nur annähernd Gleichheit ist", sei viel zu groß, um einfach so zu verschwinden.

Lauzen ist überzeugt, dass es vor allem einen Willen zur Veränderung in der Branche geben muss. Dazu gehöre, dass sich die großen Studios des Problems annehmen, Ziele setzen und transparent in der Umsetzung sind. Bis jetzt sei das noch nicht geschehen. Und die Zahlen geben Lauzen Recht: Insgesamt haben 2018 3.076 Frauen an den 250 erfolgreichsten Filmen gearbeitet. Das heißt:

  • Nur 20 Prozent aller Beschäftigten waren Regisseurinnen, Drehbuchautorinnen, Produzentinnen, Kamerafrauen oder Cutterinnen. Das ist ein Plus von 2 Prozent im Vergleich zu 2017.
  • Bei nur einem(!) Prozent der Filmproduktionen waren mindestens zehn Frauen beschäftigt. Zum Vergleich: 74 Prozent der Produktionen beschäftigten zehn Männer oder mehr.
  • Nur 8 Prozent der Filme hatten eine Regisseurin. Das sind drei Prozent weniger als 2017. Und tatsächlich auch ein Prozent weniger als 1998, also vor zwanzig Jahren.

Zusammengefasst bedeuten diese Zahlen auch: 92 Prozent der Filme hatten keine Regisseurinnen, 73 Prozent keine Drehbuchautorinnen, 74 Prozent keine Cutterinnen, 69 Prozent keine Produzentinnen und 96 Prozent keine Kamerafrauen. Die Filmindustrie ist also nach wie vor männlich geprägt. Allen Hashtags zum Trotz.

 

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