Frust und Überforderung: Der Aufstand der #coronaeltern

Ein Hashtag, der eine Social-Media-Aufstand angezettelt hat: In der Corona-Krise stoßen Eltern an ihre Belastungsgrenzen. Sie fordern Perspektiven und mehr Unterstützung - nicht nur in der aktuellen Ausnahmesituation.

Eltern können es schon gar nicht mehr hören: Home Office, Kinderbetreuung, Home Schooling, dazu Haushalt, Kochen und dabei nicht verrückt werden. Und das alles ohne Perspektive, ohne Aussicht auf Lösungen für die kommenden Wochen und Monate. Mit einem Tweet und dem Hashtag #coronaeltern hat Mareice Kaiser, Chefredakteurin der deutschen Plattform EditionF.com, einen Social-Media-Aufstand angezettelt: Auf ihr Posting reagierten tausende Eltern und schilderten, wie sehr sie aktuell an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stoßen.

#coronaeltern fordern einen Plan und mehr Unterstützung von der Politik

Ein weiterer Schlag ins Gesicht war die Empfehlung der deutschen Akademie der Wissenschaften, der Leopoldina, die Kindergärten erst mit 1. August 2020 wieder geöffnet werden sollten – was weitere dreieinhalb Monate Doppelbelastung für Eltern bedeutet. Wichtiges Detail am Rande: Das Gremium der Leopoldina besteht aus 24 Männern und gerade einmal zwei Frauen, alle sind über 50 Jahre alt. Nicht nur Eltern kritisieren also am Leitpapier, dass die deutsche Kanzlerin Angela Merkel für ihre weitere Vorgehensweise in der Krise heranziehen will, dass die Realitäten von Eltern, Frauen und marginalisierten Gruppen viel zu wenig berücksichtigt wurden.

Nicht nur in den sozialen Netzwerken, auch politisch werden nun einige Eltern aktiv. In Berlin haben sie sich mit einem offenen Brief an Bundesfamilienministerin Franziska Giffey gewandt: "Wir Eltern empfinden die Empfehlung der Leopoldina sowie den vom Berliner Senat gesetzten Zeitpunkt der Kita-Öffnungen – den 1. August 2020 – als inakzeptabel. Fünf Wochen war es uns einigermaßen möglich, Job und Kinder zuhause zu vereinbaren. Weitere 3,5 Monate aber – also insgesamt 5 Monate – ist die Betreuung zuhause bei gleichzeitiger Berufstätigkeit aus unserer Sicht nicht möglich", heißt es dort. Die Eltern fordern von der Politik eine möglichst schnelle Öffnung der Kitas.

Fehlender Plan zu Schulen und Kindergärten auch in Österreich – Lösung in Sicht?

Am gestrigen Dienstag kündigte Bundeskanzler Sebastian Kurz einen Plan für die österreichischen Schulen und Kindergärten an – endlich, wie viele Eltern auch hierzulande finden. Am kommenden Freitag will Bildungsminister Heinz Faßmann in einer Pressekonferenz das weitere Vorgehen verkünden, vorab hieß es, dass eine schrittweise Öffnung der pädagogischen Einrichtungen mit 15. Mai geplant sei.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Schon vor der Corona-Krise eine Herausforderung

Die vergangenen sechs Wochen seit Start der Ausgangsbeschränkungen haben gezeigt, wo es im System hakt: War es für Familien schon davor schwierig, ohne ausreichende Kinderbetreuung Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen, kamen viele jetzt an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Wurde Arbeit, die zu Hause gemacht werden muss, schon vorher nicht als „richtige Arbeit“ gewertet, war es vielen jetzt unmöglich, neben der Kinderbetreuung auch noch Home Office zu leisten. Konnten Alleinerziehende den Spagat zwischen Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung davor nur mit Hilfe eines persönlichen Netzwerkes schaffen, ist deren Lage durch das Wegfallen eben dieses um ein Vielfaches prekärer.

Während es also akut und schnell klare Lösungen und Perspektiven für Eltern in der Corona-Krise braucht, könnte die aktuelle Lage auch Gradmesser dafür sein, was – nicht nur – Menschen mit Kindern brauchen.

 

Aktuell