Frida Gold über ihr Nacktvideo und Sexismus im Musik-Business

Das deutsche Pop-Duo hat sich mit seiner Sensations-Nummer "Langsam" splitternackt zurückgemeldet. Die WIENERIN traf Alina zum Interview.

Alina Süggeler und Andi Weizel, besser bekannt als Frida Gold und seit ihrer Single "Langsam" nicht nur wieder in den Top-Charts, sondern durch das Nacktvideo zum Song auch Gesprächsstoff in viele Internetforen. Warum macht Alina das, wieso muss sich eine Frau schon wieder ausziehen um Aufmerksamkeit zu erregen? Auch die WIENERIN hat versucht das im Interview rauszufinden.

Nürnberg, 18 Uhr, an einem Donnerstag. In ein paar Stunden werden Frida Gold beim Thomas Sabo-Dinner im Rathaus der Stadt einen fulminanten Unplugged-Gig spielen, denn sie sind die neuen Markenbotschafter des schicken Schmuck-Lables. Jetzt sitzen sie in einem Extraraum des Hotels und das hervorstechendste als ich reinkomme ist Alinas unfassbar hässliche Fellmütze, die aber vermutlich extrem kultig ist.

Barbara Haas und Alina Süggeler

Das Selfie mit ihr entstand nach dem Konzert - dazwischen hatte sie einen Turban am Kopf. Man sieht schon, die Dame mag es gern extravagant. Wir fangen in unserem Interview mit dem Schmuck an, kommen aber sehr bald auf die wesentlichen Dinge des Lebens: Wahrhaftigkeit, Weiblichkeit, Macht und Feminismus. Aber sachte, was Alina über Schmuck sagt, ist auch schön, also los geht's.

Alina und ihr fehlendes Urvertrauen


WIENERIN: Ihr seid beide neue Markenbotschafter von Thomas Sabo - was bedeutet denn Schmücken für dich, Alina?

Alina Süggeler: Mit Schmücken verbinde ich nicht unbedingt was Positives. Schmücken ist immer ein bisschen aufgesetzt, von außen drauf. Ich mag das lieber, wenn ich mich mit den Dingen, die ich trage verbinde.

WIENERIN: Du trägst auch gerne eine Wurzelchachra Kette, das Chakra steht für Stabilität und Sicherheit. Ist das ein Thema für dich?

Alina:Ja, Urvertrauen vor allem. Weil ich das Gefühl habe, dass mir das fehlt. Ich glaube an die Kraft von dieser Symbolik und es ist auch einen Erinnerung, so wie auch meine Tätowierungen ebenfalls kleine Notes für mich sind.

Warum ein Nackt-Video?


WIENERIN: Man hat irgendwie das Gefühl, dass es bei deiner und eurer Musik auch um ein Verschieben von Grenzen geht - das aktuelle Video von "Langsam" geht in diese Richtung. Du bist ganz nackt zu sehen, dass du dich den Betrachtern so zugemutet hast, hat für viele Reaktionen gesorgt. Wie wichtig war es denn für dich, dass eine Frau hier Kamera geführt hat?

Alina: Das war sehr wichtig und es ging eigentlich nur so. Es waren ganz viele Frauen in der Ideenentwicklung dabei und auch Leute, die mir nahe sind - wie etwa mein Bruder. Aber dass hier viel Weiblichkeit dabei war, war entscheidend.

Frauen sehen Frauen anders und suchen nicht nach der nächsten brisanten Einstellung.
von Ailina über die Kamerafrau

WIENERIN: Warum?

Alina: Weil ich glaube, dass wir einen anderen Blick auf uns Frauen haben. Da geht es eben nicht nur darum, wo draufzugucken, oder die nächste brisante Einstellung für die Kamera zu suchen. Ich hab mir von dem Video gewünscht, dass man sich involviert fühlt. Das ist - denke ich - auch passiert.

Menschlichkeit ist wichtiger als Feminismus


WIENERIN: Das bringt mich zum Thema Sexismus, denn irgendwie scheint es, als würde er gerade wieder ziemlich Aufwind kriegen, unter anderem durch Spitzenpolitiker wie den neuen US-Präsidenten. Braucht es wieder mehr feministischen Pop, der hier klar Stellung bezieht?

Alina: Ich finde, was es braucht ist Menschlichkeit. Ich bin keine Frau, die unbedingt für das Thema Feminismus aufsteht, aber ich glaube ganz fest an dieses "von Mensch zu Mensch" und daran, dass man als Mensch den Weg zu sich gehen muss um gefestigt zu werden. Und daran, dass dann alles möglich ist. Aber es stimmt schon, dass das Thema Sexismus zugenommen hat. jetzt schaut da halt jeder hin, aber mir begegnet das Thema echt tagtäglich.

WIENERIN: Wirklich?

Alina: Klar, als Frau im Musikbusiness. Ich bin involviert in unsere ganzen Businessstrukturen und es ist erstaunlich, wie schnell da jemand den Finger drauf halten möchte um mich wieder ruhig zu kriegen. Weil ich eine Frau bin. Und zwar oft einfach aus Bequemlichkeit, weil ich eben oft diejenige bin, die Dinge anzweifelt, die will, dass die Arbeit eine emotionale Dichte hat. Das ist für die meisten einfach viel zu anstrengend.

WIENERIN: Kommen wir noch mal zu Thomas Sabo. Der gebürtige Österreicher hat ein Schmuckimperium geschaffen und ist sich dabei immer treu geblieben, hat auf seine Fähigkeiten vertraut. Wie ist das für dich mit dem Vertrauen ins eigene ich?

Alina: Das ist ein großes Thema, denn so hat unser Weg angefangen. Und wir müssen uns immer wieder daran erinnern: Welche Vision, welche Kraft und welche Gedanken waren das? Und diesen Gedanken muss man wahrhaftig werden lassen.

WIENERIN: Kostet es viel Energie, bei dir bleiben zu können?

Alina: Absolut, aber auch viel Erinnerung. Immer wieder für sich selbst ein Spiegel zu sein. Wir sitzen da auch oft zusammen (deutet auf Andi) und versuchen da hinein zu fühlen. Warum haben wir angefangen, was wollten wir erreichen?

WIENERIN: Habt ihr die Vision von damals noch?

Alina: Wir haben die noch. Uns ging es immer um Begegnung auf der einen Seite und auf der anderen Seite darum, etwas möglich zu machen. Um auch Grenzen zu verschieben.

 

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