Freundinnen sind Drama-Queens

Beste Freundinnen haben Stress. Vor allem, wenn das Drama abflacht. Denn das geht gar nicht.

Also, wir hatten einen lustigen Abend, tanzten uns gerade den Alkohol wieder raus. Aber es war noch nicht mal 5 Uhr morgens, der DJ hatte demnach die letzte Nummer noch gar nicht gespielt. Und trotzdem stand er plötzlich da. Der Typ, ihr Freund. Der Schreckliche. Ja, natürlich war es spät geworden und ja, so richtig ausgemacht war es auch nicht, dass wir überhaupt aus waren (also vor allem sie). Aber: Wir waren alle erwachsen, sogar schon älter als 20 Jahre. So ein Tamtam aufzuführen war schlichtweg eine Frechheit.

Ein kompletter Macho und Idiot

Auch nüchtern und Tage später gab es dazu nur eine ­Ansage: Er hatte sich daneben benommen, ein kompletter Macho und Idiot. Ich wusste es ja schon immer, sie eigentlich auch: Den Typ musste man loswerden. Schleunigst. Als es dann tatsächlich passierte, war niemand mehr groß überrascht, sie zog bei mir ein und malte die Wände meiner Küche apfelgrün an. Alles war schön, wir hatten Zeit und malten gemeinsam S., den Schrecklichen, in den dunkelsten Farben aus. Was dabei nie fehlen durfte: Prosecco. Und Zigaretten. Ein paar Wochen später war S. schon Schnee von gestern und wir bereit fürs nächste Drama.

Wir blasen die Sache auf

Ein Ding, das zwischen besten Freundinnen oft sehr sorgsam gepflegt wird, ist also das Drama. Die Idee: Grundsätzlich ist jedes Dilemma etwa dreimal so groß wie in Wirklichkeit, jede Falte dreimal so tief, jedes Schuh-/Geld-/Job-Problem (in der Reihenfolge) dreimal so unlösbar. Freundinnen sind wie gute Boulevard-Journalisten. Sie blasen die Sache einfach auf. Beide wissen es, beide lieben es. Der Grund: Nur so ist es möglich, auch in harten Zeiten zu lachen. Übertreibung verschafft uns den Kick, das Drama hüllt uns in Glamour. Wer das nicht verstehen kann, ist vermutlich ein Mann.


Der Clou daran: Wenn es wirklich ernst wird, können wir sofort den Schalter umlegen. Nie würde eine beste Freundin auf die Idee kommen, sich über ein existenzielles Problem lustig zu machen. Ist das der Fall, wird einfach geholfen. Schnell und unbürokratisch, wie man so schön sagt. Aber wenn sich die Lage beruhigt, das Konto saniert, der Job gerettet ist, darf wieder gelacht werden. Nicht umsonst haben Millionen von Frauen Bridget Jones gelesen und sich verstanden gefühlt oder mit den vier Mädels in Sex and the City bei ihren verpatzten Dates und scheinbar tragischen Zukunftsperspektiven mitgelacht.


Das Drama ist die Tür zum Erfolg. Denn sie ist die Tür, durch die man lachend und in schönen hohen Schuhen geht. Am liebsten mit der besten Freundin. Und einem Glas Prosecco.

 

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