Freunde = Family

Bekanntlich kann man sich die eigene Familie nicht aussuchen, Freundschaften hingegen, funktionieren ganz anders. Hier erfahren Sie, wieso der Freundeskreis immer mehr zur zweiten Familie wird.

Freunde sind die Familie des 21. Jahrhunderts, zumindest sind viele Leute dieser Meinung. Wir sind nicht mehr auf die Familie angewiesen, das Familienleben an sich ist heut zu tage Auslebungssache und jeder kann sein Leben so gestalten wie er oder sie möchte. Das sind nur die Grundpfeiler dieser neuen Generation, in der Freunde meist wichtiger erscheinen als die eigenen Onkel und Tanten. Denn: Niemand kennt Sie so gut wie Ihre engsten Freunde und bleibt Ihnen trotzdem immer treu, trotz Makel und Fehler.

Außerdem macht die Brüchigkeit von Partnerschaften und die Vereinsamung durch die Singlekultur Freundschaften immer bedeutender. Wissenschaftler behaupten auch, dass die Fähigkeit, soziale Bindungen zu knüpfen die wichtigste Voraussetzung für ein erfolgreiches Leben ist.

Auch Darmbakterien haben Freunde. Amerikanische Forscher kippten nahezu aus den Schuhen, als sie 2010 die Entdeckung machten, dass diese niedrigen Wesen Werte wie Treue und Kameradschaft hochhalten. Und noch mehr: Sie setzen für das Gemeinwohl sogar ihr Leben aufs Spiel. Bei einem Antibiotika-Versuch reagierten einzelne Bakterienhelden, indem sie Informationen über Antibiotika-Resistenzen abgaben. Dieser Einsatz schwächte sie zwar, aber machte den Rest des Stamms gegenüber den Medikamenten resistent.

So bedrohlich Antibiotika für Darmbakterien ist, so schrecklich ist die Einsamkeit für den Menschen.

Zwar suchen wir noch immer vorrangig nach einer Liebesbeziehung, doch gleichzeitig hat das kollektive Vertrauen in das Prinzip Zweierbeziehung drastisch abgenommen. Diese Werteverschiebungen lassen der Freundschaft zunehmend wieder große Bedeutung aufkommen.

Die Brüchigkeit von Beziehungen und die Zweifel an der Institution Familie, verändern auch die sozialen ­Bedürfnisse. Diese sind zum Beispiel, der Drang sozial unter Gleichgesinnten verankert zu sein. Jeder sucht nach Freunden, die Denkweisen, Charakterzüge und Hobbies teilen. Freunde und enge soziale Beziehungen rangieren bei der jüngsten „Wohlstandsfaktoren"-Studie des Salzburger Zentrums für Zukunftsstudien nach Gesundheit, Frieden und einem sicheren Einkommen als wichtigste Voraussetzung für ein erfülltes Leben.

Schon Carrie in Sex and the City wusste, dass Freundinnen die Familie des 21. Jahrhunderts sind. Es stellte in der Serie das verlässlichste und strapazierfähigste Überlebensmodell dar.

Die aktuelle Forschung geht davon aus, dass ein Mensch durchschnittlich sechs wirklich enge Freunde hat. Frauen zählen durchschnittlich 6,5 Geschlechtsgenossinnen zu ihrem engsten Umfeld, während Männer mit 5,5 nahen Kumpels ihr Auslangen finden.
 

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