Freispruch, weil der Vergewaltiger keinen Spaß hatte

Ein skandalöses Urteil erschüttert gerade die Welt. Weil der Angeklagte in einem Vergewaltigungsprozess seine Tat nicht genossen hat, ist er von einem Richter freigesprochen worden.

Geschichten über Vergewaltiger und wie glimpflich sie davonkommen, gibt es (leider) zuhauf. Doch ein aktuelles Urteil aus Mexiko ist derart absurd, dass es sicherlich in die Top-Liga jener Urteile aufsteigt, die die Opfer verhöhnen.

Täter wurde angeklagt, dann freigesprochen

Daphne F. war zum Tatzeitpunkt 17 Jahre alt. Sie feierte im mexikanischen Boca del Rio ins neue Jahr hinein. Nach der Silvesterparty wurde sie von Diego Cruz und drei weiteren Mitschülern in ein Auto gezerrt und vergewaltigt. Nachdem sich die Schülerin ihrer Schwester anvertraut hatte, erstattete sie im April 2016 Anzeige.

Vor einem mexikanischen Gericht wurde Cruz angeklagt, das Mädchen an den Brüsten berührt und sie mit den Fingern penetriert zu haben.

Dieser Vorwurf wurde zwar bestätigt. Dennoch sprach Richter Anuar González den 21-Jährigen frei. Die Begründung liest sich dabei wie ein schlechter Scherz: der Angeklagte habe laut Richter ohne "sexuellen Vorsatz" gehandelt. Das heißt: die Vergewaltigung habe dem Angreifer keinen Spaß gemacht.

Außerdem sei das Mädchen zu keinem Zeitpunkt "hilflos" gewesen. Das dürfte so jedoch nicht stimmen, da das Opfer behauptet, ihr Handy wurde ihr von den anderen Mitschülern weggenommen. Zwei der mutmaßlichen Mittäter sollen das Mädchen ebenso vergewaltigt haben.

"Ich habe kurze Röcke getragen"

Der Freispruch sorgt vor allem bei mexikanischen Frauenrechtsaktivistinnen für Empörung. Denn er zeige auf, dass in Mexiko jeder, der über genug Geld und gute politische Kontakte verfügt, glimpflich davonkommt. Und dass Opfer sexueller Gewalt noch immer keine Gerechtigkeit erfahren.

"Er hat sie sexuell berührt, aber weil er keinen Spaß hatte, ist es kein sexueller Missbrauch?", sagt die Frauenrechtlerin Estefanía Vela Barba, die im "Guardian" zitiert wird. "Auch wenn kein Vergnügen dabei war, war es doch ein bewusster Akt der Demütigung."

Das Urteil sei deshalb verheerend, weil der Richter damit aussagt, dass eine Berührung ohne beiderseitiges Einverständnis kein Missbrauch ist.

15 Monate nach der Vergewaltigung schrieb Daphne F. ein Facebook-Posting über das, was ihr passiert ist: "Ich bereue nichts. Ich habe getrunken. Ich bin zu Parties gegangen. Ich habe kurze Röcke getragen. So wie viele Mädchen in meinem Alter. Und dafür werde ich verurteilt? Deswegen habe ich verdient, was mir passiert ist?"

Update: Der Richter wurde suspendiert und der Fall wird weiter untersucht. In der Zwischenzeit sitzt Cruz im Gefängnis, wie die Associated Press berichtet.

 

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