Freiheitstraining

Kampfkunst ist nur etwas für Männer? Von wegen! Immer mehr Frauen trainieren nach der Shinergy-Methode und lernen dabei zu kämpfen, um eigentlich nur sich selbst zu besiegen.

Sich aus Fremdbestimmung lösen und richtig frei leben – dazu soll das Shinergy-Training führen. Das Konzept, das auf asiatischen Kampfkunsttechniken basiert, hat Ronny Kokert schon vor einigen Jahren entwickelt. Jetzt ist die ganzheitliche Methode, zu der auch Meditationselemente gehören, ausgereifter denn je und legt den Fokus noch stärker auf die mentale Ebene, um fit für den Alltag zu machen. Ob das der Grund ist, dass immer mehr Frauen zum Training kommen? Wir wollten es genauer wissen und haben WIENERIN-Redakteurin Ursula Neubauer zum Shinergy geschickt.

Körper und Geist fit machen

„... drei, vier, fünf ...“, in Gedanken zähle ich von eins bis zehn und soll dann wieder bei eins anfangen. Wir, eine Gruppe mit je fünf Frauen und Männern, sitzen auf Turnmatten und zählen. Simpel? Ja eh, bis man halt merkt, dass man bei 37 ist und mit den Gedanken ganz woanders war ...

Diese Aufgabe am Anfang zeigt gleich, worum es auch nachher bei den Abwehr-, Schlag- und Kicktechnikübungen gehen wird: darum, sich komplett in die Gegenwart zu holen. „Nur wenn du den Augenblick als einzigartig erkennst und deine Bewegung ihm anpasst, kannst du flexibel reagieren“, erklärt Ronny Kokert. Auch im Alltag, wenn es um Herausforderungen auf mentaler Ebene geht.

Generell werden bei Shinergy Konflikte ins Außen, in einen echten Gegner projiziert, um zu üben, seinen eigenen Freiraum zu verteidigen und die Kraft des Gegners zu nutzen. Meine wechselnden Partner bzw. Kontrahenten beim Training sind in Wahrheit natürlich ganz lieb und helfen, wenn meine linke Faust ausholt, obwohl die rechte dran ist. Und besiegen muss ich eigentlich sowieso nur mich, denn: „Ein äußerer Konflikt spiegelt immer einen inneren Widerstand“, sagt Kokert. „Dich selbst zu besiegen bedeutet letztendlich, deine Freiheit in dir selbst zu finden.“

Das Training

Die Shinergy-Übungen basieren auf drei Säulen, die in Einheiten à 90 Minuten trainiert werden.

Erkenne dich selbst. Der Fokus liegt auf der Gegenwärtigkeit. Meditatives wie das Zählen im Sitzen (siehe oben), die Konzentration auf die Körperhaltung (Becken nach vorn, Brustbein nach oben) und ein Warm-up (Knie und Füße kreisen, leicht laufen etc.) bilden die Grundlage für Bewegungen voller Leichtigkeit.

Erkenne den Gegner. In Partnerübungen werden Grundtechniken zur Abwehr trainiert – heißt konkret: Abwehr-, Schlag- und Kicktechniken werden mit Schlagpölstern gemeinsam erlernt und geübt. Tipp von Ronny Kokert: „Stell dir vor, du schlägst durch den Schlagpolster durch. So werden deine Kicks und Schläge gleich viel kräftiger.“

Erkenne dich im Gegner. Im Zweierteam wird geübt, die Kraft des Gegners zu nutzen. Wer sich z. B. in Angriffsrichtung mit seinem Kontrahenten mitbewegt, kann ihn mit einem gezielten Konter auf seine vitalen Punkte (z. B. Handfläche von unten gegen Kinn) deutlich schwächen.

Lesen Sie das Interview mit Ronny Kokert auf Seite 2!

Bei Shinergy kann man jederzeit einsteigen. In Österreich gibt es viele Studios, die die Kampfkunst anbieten. Kurse mit Ronny Kokert gibt’s in der Shinergy-Base in 1080 Wien. Infos: shinergy.com.

Als ganzheitliches Trainingskonzept hat Ronny Kokert Shinergy entwickelt und hält es für aktueller denn je.

Shinergy ist kein reines Fitnesstraining – worauf zielt es ab?

Ziel ist, Körper und Geist fit für alles zu machen, was einem im Alltag begegnet. Die Menschen sollen lernen, sich zu verteidigen, in Stress- oder Angstsituationen gelassen zu reagieren. Sie sollen ihre Bedürfnisse kennen lernen und Zugang zu ihrem vollen Potenzial, ihrer persönlichen Freiheit erfahren. Gerade zurzeit, wo wir alle so eingespannt sind, ist das wichtig.

Das klingt mehr nach Persönlichkeitstraining, weniger nach Sport ...

Wir versuchen die Philosophie by doing zu vermitteln – wie du dich bewegst, so denkst du und umgekehrt. Deshalb kann man über körperliches Training, über die Freiheit in der Bewegung auch diese mentalen Inhalte trainieren.

Für wen ist Shinergy geeignet?

Bei uns trainieren viele Menschen, die in einer Veränderung stecken oder die einfach nicht mehr fremdbestimmt leben wollen. Unsere Trainierenden brauchen ein bisschen Mut, sich auch mit unangenehmen Dingen zu konfrontieren, denn jeder Konflikt, mit dem man kämpft, kommt aus einem selbst. Dem muss man sich auch stellen wollen.

Warum machen das immer mehr Frauen?

Wir sind stolz, dass rund die Hälfte unserer ­Shinergy-Sportler weiblich ist. Ich denke, Frauen mögen es, weil unsere Kampfkunst sehr elegant ist und gar nicht auf brachiale Gewalt baut. Und ich glaube, sie sind ganz froh, auch dieses Kämpfen als Teil ihrer Persönlichkeit einmal ausleben zu dürfen.

Frauen und Männer trainieren gemeinsam, welche Vorteile hat das?

Kampfkunst ist weder männlich noch weiblich. Männer und Frauen profitieren im gemeinsamen Training stark voneinander: Frauen lernen mit der Kraft und der körperlichen Überlegenheit der Männer umzugehen, und umgekehrt schauen sich die ­Männer etwas von der Eleganz der Frauen ab. Das funktioniert wunderbar.

Faktbox (d8f447ea)

 

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