Frauenvolksbegehren: Für mich kämpfen?

WIENERIN Chefredakteurin Barbara Haas darüber, warum das Frauenvolksbegehren nicht für sie gemacht wird. Und warum es sie trotzdem etwas angeht.

Für wen wird eigentlich das Frauenvolksbegehren 2.0 gemacht? Tja, sicher nicht für mich. Ich habe eine Karriere, Kinder, die ich extern betreuen lassen kann, aber auch einen Mann, der das macht. Ich habe mein selbst verdientes Geld am Konto, und davon werde ich zwar keine Millionärin, aber das hat eher mit der Berufswahl zu tun: Wäre ich Brokerin oder Consulterin geworden, würde ich ein Vielfaches verdienen. Trotzdem: Mein Gehalt ist ordentlich, den Gender Pay Gap sehe ich in vielen anderen Berufen weitaus dramatischer. Ich lebe ein selbstbestimmtes Leben – sexuell und ökonomisch. Warum also sollte ich das Frauenvolksbegehren unterschreiben?

Genau diese vermeintlich fehlende direkte Betroffenheit der Engagierten wird dem Feminismus heute oft um die Ohren gehaut. Motto: „Ihr kämpft doch nicht für euch selbst, ihr seid doch superprivilegierte Hashtag-Feministinnen; unglaubwürdig, unwissend, unempathisch. Kein Vergleich mit der Frauenbewegung in den 1970er-Jahren, da kämpften die Frauen noch selbst für ihr Leben, ihre Rechte, ihren Schutz vor Gewalt!“

Und? Stimmt das? Also ich wurde tatsächlich noch nie von einem Mann geschlagen – aber ich weiß, wie es Frauen in Frauenhäusern geht, ich glaube Frauen, die mir erzählen, wie sich sexuelle Übergriffe anfühlen, und bin fassungslos, dass die meisten immer noch reflex­artig denken: „Vielleicht war ich selbst schuld?“

Also für mich wird das Frauen­volksbegehren sicher nicht gemacht. Aber geht es mich deshalb auch nix an?

Die genauen Zahlen zum Gender Pay Gap können sicher unterschiedlich interpretiert werden, aber es ist eine Tatsache, dass die Gestalter samt hoher Gehälter in diesem Land mehrheitlich männlich sind. Und gleichzeitig beteuern alle Studien dieser Welt, dass vor allem gemischtgeschlechtliches Führen nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg und mehr Achtsamkeit für unseren Planeten bringt – ein Fokus, den wir echt dringend brauchen können. All diese Ideen haben mit Gleichberechtigung zu tun, und damit, wie sehr wir uns dafür engagieren wollen – auch, wenn wir es subjektiv gut erwischt haben.

Der erste Schritt dazu ist, wieder ernsthaft über Frauenpolitik zu verhandeln. Dazu muss klar sein, dass diese Verhandlung gewünscht wird, weil man die Stärkung von Frauen wirklich will. Und das geht nur mit Unterschreiben! Von 1. bis 8. Oktober in ganz Österreich.

 

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