Frauenpolitik ist in Österreichs Medien Nebenschauplatz

Frauen und frauenpolitische Themen sind in Österreichs Medien stark unterrepräsentiert, wie eine aktuelle Studie in konkreten Zahlen vorlegt. Daran ändern auch Statements am Weltfrauentag nichts.

Der Weltfrauentag ist ein Garant für mehr Frauen und Frauenpolitik in den Medien. An den restlichen 364 Tagen des Jahres bleiben der weibliche Teil der Bevölkerung und klassische frauenpolitische Themen jedoch ein politischer und medialer Nebenschauplatz. Maria Pernegger hat in einer breit angelegten Studie die Sichtbarkeit und Darstellung von Frauen in Medien und Politik im Jahr 2017 untersucht und eindeutige Ergebnisse vorgelegt.

Frauenpolitik ist Thema - aber nur, wenn sie polarisiert

Das Positive: Im Jahr 2017 waren gesellschaftspolitische Themen, die unmittelbare Auswirkungen auf Frauen haben, die mitunter stärksten Themen in diesem Kontext. Allen voran: Die sogenannte Burka-Debatte und die #metoo-Bewegung. Zwei Themen, die es „bis an die Stammtische des Landes geschafft haben“, wie Studienautorin Maria Pernegger treffend formuliert. Dass genau diese beiden Themen so stark von Politik, Gesellschaft und Medien aufgegriffen worden, ist Pernegger zufolge leicht erklärt: Berichtet wird, gerade im reichweitenstarken Boulevard, was bei den Leserinnen und Lesern ankommt. „Das sind wenig überraschend (…) Themen, die polarisieren, einen negativen Kontext aufweisen, aufregen oder im weitesten Sinn mit Sex zu tun haben“, erläutert die Studienautorin. Sowohl Burka-Debatte, an sich kein klassisches „Frauenthema“, als auch #MeToo erfüllen diese Anforderungen. Darüber hinaus lässt sich letztere medial gut vermarkten, weil es prominente Opfer und Täter gibt und nicht zuletzt das Argument „Sex Sells“ greift.


Das Negative: Überschattet von diesen „Aufregerthemen“ bleiben jene Punkte, die für eine tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen sorgen würden und direkt auf die Lebensrealitäten der Bürgerinnen einwirken. Das sind etwa Gewalt gegen Frauen, Frauenpensionen oder die stärkere Einbeziehung von Vätern bei der Beanspruchung von Karenzzeiten. Diese Themen wurden im Jahr 2017 sogar noch seltener angesprochen als 2016. Warum schaffen es diese Themen nicht in die öffentliche Debatte? „Schafft es ein Thema nicht, zu polarisieren – oder wird ein Thema nicht vehement von der Spitzenpolitik verfolgt (und damit ist nicht ausschließlich die Frauenministerin gemeint!), bleibt es in der Regel ein politisches und mediales Nischenthema“, erklärt Maria Pernegger in der Studie.

Themenführerschaft im frauenpolitischen Kontext, Top-Themen 2017

Warum Frauenpolitik nicht nur ins Frauenministerium gehört

Wenig förderlich ist auch die Tatsache, dass Frauenpolitik stets als von allen anderen politischen Teilbereichen losgelöstes Thema gesehen wird: Dafür ist das Frauenministerium zuständig, im breiten politischen Diskurs – und damit auch von männlichen Politikern an der Spitze der Regierung – wird Frauenpolitisches ausgeklammert. Maria Pernegger: “Innerhalb der Parteien sollen auch klassische frauenpolitische Inhalte nicht vorwiegend in den Zuständigkeitsbereich der Frauenministerin/Frauensprecherinnen fallen. Je breiter das Thema personell getragen wird, umso mehr Gewicht wird dem Thema auf politischer Ebene und in der Öffentlichkeit beigemessen."

Im Hinblick auf den kommenden Weltfrauentag am 8. März und die zu erwartenden Social-Media-Postings mit Blumenstrauß-Bild und „Danke, dass es euch gibt“-Grüßen verweist Maria Pernegger auf konkrete Maßnahmen: „Abseits vom Weltfrauentag erfordert die frauenpolitische Kommunikation anderen und vor allem auch kreativere Vorgehensweisen als lediglich Presseaussendungen zum Thema zu verfassen.“ Die Politik verliere ihre Glaubwürdigkeit, wenn am Weltfrauentag „Worthülsen und Versprechen in großem Stil produziert werden, die dann nicht eingelöst werden."

Zur kompletten Studie "Frauen-Politik-Medien" von Mag.a Maria Pernegger, unterstützt durch Arbeiterkammer Wien und Journalistinnen Kongress.

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