Frauengesundheit und COVID-19: Was du wissen solltest

Ist bei Schwangerschaft mit einem schweren COVID-Krankheitsverlauf zu rechnen? Und wie sieht es aktuell mit Vorsorgeuntersuchungen aus?

Frauengesundheit und COVID-19: Was du wissen solltest

Die Erkenntnisse zu COVID-19 werden mit jedem Tag mehr. So können wir mittlerweile etwas besser abschätzen, für wen eine COVID19-Infektion ein besonderes Risiko darstellt (wenngleich sich die Situation durch Mutationen des Virus immer wieder ein wenig ändert) und wissen, dass die Impfung wirkt.

In Bezug auf die Gesundheit von Frauen kommen allerdings immer noch viele Fragen auf: Was sollten Schwangere beachten? Wie sieht es mit Impfungen bei Kinderwunsch aus? Können Vorsorgeuntersuchungen wie etwa Mammographien momentan ganz normal wahrgenommen werden? Viele konkrete Studien zum Thema COVID-19 und Frauengesundheit/Schwangerschaft gibt es zwar noch nicht, erste Anhaltspunkte allerdings schon:

Vorsorgeuntersuchungen wie üblich wahrnehmen

"Mit Frauengesundheit ist nicht nur die Verhütung und Behandlung von Krankheiten gemeint, die nur Frauen betreffen können, wie Gebärmutterhalskrebs sowie die Betreuung im Falle von Schwangerschaft und Mutterschaft, sondern ganz generell die Selbstbestimmung von Frauen in allen gesundheitlichen Belangen sowie genderspezifische Aspekte der Vorsorge und Versorgung. Diese darf auch während der Pandemie nicht zu kurz kommen", erklärt Dr.in Juliane Bogner-Strauß, Landesrätin für Bildung, Gesellschaft, Gesundheit und Pflege in der Steiermark.

Bogner-Strauß rät, Vorsorgeuntersuchungen unbedingt auch während der Pandemie wahrzunehmen. Dazu gehört unter anderem das Brustkrebsscreening. Denn: "In Österreich erkranken jährlich rund 5.500 Frauen an Brustkrebs, etwa 1.600 sterben an den Folgen der Krankheit."

Mag.a Renée Gallo-Daniel, Präsidentin des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller. ergänzt: "Generell ist zu empfehlen, alle Routine-Untersuchungen beim* bei der Frauenärzt*in, also dem* der Hausärzt*in der Frauen, unbedingt weiter wahrzunehmen und sich über alle Aspekte der Frauengesundheit inklusive der Impfungen regelmäßig beraten zu lassen."

Ärztekammerpräsident Dr. Thomas Szekeres bittet, das große Ganze im Blick zu behalten: "Bei all der medialen Aufmerksamkeit für die COVID-19-Pandemie dürfe man die Krankheiten abseits von Corona nicht außer Acht lassen." Denn der Lockdown hatte zur Folge, dass Patient*innen aus Angst vor Ansteckung Vorsorge- und Routineuntersuchungen, sowie Termine für Impfungen nicht wahrgenommen haben. Das bedeute vor allem für die Patient*innen einen unnötig höheren Leidensdruck. In zweiter Linie bedeute es eine zusätzliche Belastung der Spitäler, die nicht notwendig gewesen wäre und damit verbunden höhere Kosten für das Gesundheitssystem. Alle Beteiligten würden also entscheidend davon profitieren, Routine- und Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig wahrzunehmen.

Verlauf bei Schwangeren etwas schwerer

Während man am Anfang der Pandemie noch angenommen hatte, dass Schwangere von einer Corona-Infektion nicht schwerer betroffen sind als andere Personen, wurde dies mittlerweile leicht revidiert. "Nach aktuellem Kenntnisstand sind schwere Verlaufsformen von COVID-19, die zu einer stationären Aufnahme oder einer intensivmedizinischen Versorgung führen, bei Schwangeren im Vergleich zu Nicht-Schwangeren um etwa das Zweifache erhöht. Das entspricht ungefähr den Werten, die man von der Influenza kennt", berichtet Dr.in Petra Pateisky, Fachärztin an der Abteilung für Geburtshilfe und feto-maternale Medizin an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, MedUni Wien.

"COVID-19 in der Schwangerschaft könnte auch mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Präeklampsie (einer speziellen Form von Bluthochdruck, Anm.) einhergehen", so die Gynäkologin. Studien zufolge sei auch das Gesamtrisiko für eine Frühgeburt im Vergleich zu Schwangeren ohne COVID-19 etwa um das Dreifache erhöht.

Impfung bei Kinderwunsch grundsätzlich möglich

Damit Schwangere nicht an COVID-19 erkranken, sollte auf jeden Fall das Umfeld (Partner*in, eventuell zukünftige Großeltern) geimpft werden, rät Pateisky. Was die Impfung der Schwangeren betrifft, erklärt sie: "Die Impfung von Schwangeren selbst ist grundsätzlich möglich, allerdings außerhalb der Zulassung aller bisher verfügbaren Impfstoffe." Bei allen Zulassungsstudien seien Schwangerschaften zwar ausgeschlossen gewesen, dennoch sei es zu einigen Schwangerschaften gekommen. "Bisher sind keine negativen Auswirkungen bekannt".

Hinsichtlich Kinderwunsch ist die Empfehlung schon etwas deutlicher: "Frauen mit Kinderwunsch, die derzeit die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen, sollten dies auch tun, empfiehlt Kinderwunsch-Expertin Miriam Mottl von der Klinik für Gynäkologie, Geburtshilfe und Gynäkologische Endokrinologie am Kepler Universitätsklinikum Linz. Bei Kinderwunschbehandlungen ist es auf jeden Fall sinnvoll, die individuelle Vorgangsweise mit der eigenen Klinik zu besprechen.

 

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