Frauen verdienen um 38 Prozent weniger als Männer

Eine aktuelle Analyse der Statistik Austria liefert erschreckende Zahlen zum Gender Pay Gap.

Die Lohnschere zwischen Männern und Frauen klafft weiterhin auseinander - und eine aktuelle Analyse der Statistik Austria anlässlich des Weltfrauentags zeigt, dass sie größer ist als gedacht. Der Unterschied zwischen den mittleren Bruttojahreseinkommen von Frauen und Männern liegt bei ganzen 38 Prozent.

Das heißt: Unselbständig beschäftigte Frauen verdienten im Jahr 2016 mit 20.706 Euro um 37,9% weniger als Männer mit 33.350 Euro brutto. Berücksichtigt man die Unterschiede im Beschäftigungsausmaß (Teilzeit, unterjährige Beschäftigung) und beschränkt den Vergleich auf ganzjährig Vollzeitbeschäftigte, dann lagen die Bruttojahreseinkommen der Frauen (36.120 Euro) immer noch um 15,9% unter jenen der Männer (42.964 Euro).

Sieht man sich die durchschnittlichen Bruttostundenverdienste in der Privatwirtschaft an, hat sich der Gender Pay Gap in Österreich im Vergleich zu 2006 (25,5 Prozent) auf 20 Prozent (2016) verringert. Er liegt damit trotzdem deutlich über dem EU-Durchschnitt von 16,2 Prozent.

Besonders erschreckend ist die hohe Teilzeitquote unter Frauen in Österreich. Im Zehnjahresvergleich hat sich die Teilzeitquote der Frauen von 40 Prozent (2006) auf fast 48 Prozent (2016) erhöht. EU-weit ist das der zweithöchste Wert, nach Deutschland. Zum Vergleich: Bei den Männern nahm die Teilzeitbeschäftigung von 6,6 Prozent (2006) auf 11,8 Prozent (2016) zu.

Gründe für Teilzeit

Betreuungspflichten für Kinder oder pflegebedürftige Erwachsene waren für 37,5 Prozent der Frauen der Grund für die Teilzeitarbeit. 49 Prozent aller Mütter mit Kindern unter 15 Jahren arbeiten in Teilzeit, 17 Prozent in Vollzeit, 24 Prozent sind nicht erwerbstätig oder arbeitslos und zehn Prozent in Elternkarenz. Bei Vätern sieht das Ganze anders aus: Nur sechs Prozent mit Kindern unter 15 arbeiten in Teilzeit.

Die Folge ist meist Altersarmut. Kindererziehung wird zwar für die Pensionsberechnung angerechnet, aber schon eine zweijährige (!) Teilzeit senkt die Durchschnittspension um 1,7 bis 2,1 Prozent. Wird mehr als die Hälfte des Erwerbslebens 20 Stunden gearbeitet, so fällt das Lebenseinkommen gegenüber 30 Stunden um bis zu 30 Prozent geringer aus.

Gender Pay Gap: Der Faktor Geschlecht bleibt immer übrig

Außerdem hat sich die Statistik Austria für Österreich angesehen, welche Faktoren den Gender Pay Gap beobachtbar beeinflussen. Basis sind die Daten aus dem Jahr 2014. Gemessen an den Bruttostundenverdiensten in der Privatwirtschaft lag der Gender Pay Gap bei insgesamt 22,2%. Berücksichtigt man Merkmale wie Branche, Beruf, Bildungsniveau, Alter, Dauer der Unternehmenszugehörigkeit, Vollzeit/Teilzeit, Art des Arbeitsvertrags, Region und Unternehmensgröße, dann reduziert sich der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern auf 13,6%.

Konkret heißt das aber: mehr als die Hälfte des Gender Pay Gaps bleiben auch unterBerücksichtigung aller genannten Faktoren unerklärt. "Die vorliegenden Ergebnisse bestätigen somit vorhergehende Analysen, wonach der Gender Pay Gap in Österreich nur zu einem Teil auf beobachtbare Unterschiede zurückgeführt werden kann, während der Großteil unerklärt bleibt", so die Statistik Austria.

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