Frauen schreiben über Autoren, wie sonst nur Männer über Autorinnen schreiben

Der Hashtag #dichterdran offenbart auf Twitter seit ein paar Tagen, wie sexistisch über Autorinnen geschrieben wird - wenn die Kritik von Männern kommt.

#dichterdran: Frauen schreiben über Autoren, wie Männer über Autorinnen

Wie "ein aufgeschrecktes Reh mit sinnlichen Lippen" sehe sie aus. Der ältere Journalist, der in der schweizer Zeitung "Tagesanzeiger" das Buch einer jungen Frau rezensierte, kommt in seinem Text nicht ohne Kommentare zum Aussehen der Autorin Sally Rooney aus. Die 28-jährige Irin ist ja auch "nur" eine mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnete Bestseller-Autorin. Was soll man also schon über Rooney sagen, außer etwas über sinnliche Lippen und große Rehaugen? Achja: Man kann ihre Leistung noch ein bisserl kleinreden!

Die Journalistin und Literaturwissenschafterin Nadia Brügge kritisierte die betreffende Rezension auf Twitter und fragte, warum Rezensionen von Autorinnen nicht ohne unnötige Sexualisierungen und "großväterliche" Schmälerung der Leistung funktionieren. In der folgenden Diskussion begann Brügge dann, gemeinsam mit der Journalistin und Autorin Simone Maier und der Regisseurin Güzin Kar, so über Autoren zu schreiben, wie Männer das so häufig mit Autorinnen machen: überheblich, paternalistisch und immer auch auf die Optik und die gesellschaftliche Rolle bedacht.

Und die Twitter-Community antwortet - und zwar wie! Berühmte Autoren aus Literaturgeschichte und Gegenwartsliteratur bekommen ihr Fett weg.

Wie so oft bei sexistischen Strukturen, offenbart sich die Absurdität dann so richtig, wenn Praktiken und Sachverhalte schlicht umgedreht werden. Das schafft auch #dichterdran: Ist es plötzlich der männliche Autor, der belächelt und reduziert wird, dessen Leistung nie für sich stehen, sondern immer nur eine Nebenrolle spielen dürfen, kommt uns das komisch vor. Für Frauen ist es die Welt, in der sie leben - jeden Tag, egal was sie leisten. Darüber sollten wir nachdenken.

 

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