Frauen in Oberösterreich wollen auch ein Stück vom Kuchen

Wie gerecht werden unsere Steuerbeiträge verteilt? Profitieren Frauen wie Männer gleichermaßen?

Die parteiunabhängige Plattform#OhneUnsVielSpaß fordert in einer Petition an die Landesregierung, im Sinne von „Gender Budgeting“ die Gerechtigkeit der Verteilung unserer Steuer-Beträge zu untersuchen und im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit zu optimieren (Link zur Online-Petition).

Die UnterzeichnerInnen fordern den oberösterreichischen Landtag auf, Gender Budgeting im Budget des Landes umzusetzen und eine jährliche Wirkungskontrolle vorzunehmen. Die Ergebnisse sollen für alle leicht zugänglich online veröffentlicht werden und bei der Arbeit des Landes berücksichtigt werden.

"Eine Politik machen, die allen Geschlechtern zugute kommt"


Dabei ginge es nicht darum, "mehr Geld für Frauen zur Verfügung zu stellen", stellt eine der Initiatorinnen, Elisabeth Leitner-Rauchdobler, im WIENERIN-Gespräch klar. "Es geht darum, sich zu fragen, welche Auswirkungen budgetpolitische Maßnahmen auf Frauen und Männer haben. Um eine Politik zu machen, die allen Geschlechtern zugute kommt." Auch Ursula Matthey stellte bei der heutigen Pressekonferenz klar: "Es geht um die Erweiterung traditioneller Budgetgestaltung um die Geschlechterperspektive. Frauen und Männer sollen den gleichen Zugang zu Ressourcen haben, dieselben Möglichkeiten sollen ihnen offenstehen. Die unterschiedlichen Lebenssituationen beider Geschlechter müssen in budgetpolitische Entscheidungen integriert werden."

Die Fragen sind: wie gerecht werden unsere Steuerbeiträge verteilt? Profitieren Frauen wie Männer gleichermaßen? Das erste politische Bekenntnis zu einer gerechten Verteilung des oberösterreichischen Landesbudgets stammt bereits aus dem Jahr 2004. "Getan hat sich seither wenig", kritisiert Leitner-Rauchdobler.

"Oberösterreichische Frauen betreuen ihre Kinder lieber selbst"


Dabei gäbe es genug Baustellen. So benutzen Frauen etwa mehr öffentliche Verkehrsmittel als Männer - also sollten nicht ausschließlich Investitionen in den Straßenbau getätigt werden. Auch das Thema Sozialpolitik ist geschlechtsspezifisch relevant. "Frauen sind die Hauptleidtragenden bei einer Kürzung der Mindestsicherung", stellt Leitner-Rauchdobler fest.

Auf die Frage, ob Oberösterreich ein "frauenfreundliches Land" sei, meint Leitner-Rauchdobler: "Wir sind in vielen Bereichen im Rückstand. Das geht von der Repräsentation in der Politik bis hin zum Gender Pay Gap, der in Oberösterreich nach Vorarlberg am höchsten ist."

Dass der Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) kürzlich sagte, Oberösterreicher (!) würden ihre Kinder lieber selbst betreuen, anstatt sie in professionelle Betreuungseinrichtungen zu geben, helfe der Sache natürlich nicht. "Wir leben im Jahr 2016 - solche Aussagen sind ewiggestrig. Kindererziehung ist eine Aufgabe von Frauen und Männern. Aber in dieser Hinsicht denkt Oberösterreich noch sehr traditionell", so Leitner-Rauchdobler.

Über die Initiative


#OhneUnsVielSpaß ist eine stetig wachsende Plattform, in der sich Frauen parteiunabhängig gesellschaftspolitisch für die Anliegen der Frauen in Oberösterreich engagieren. Die Gruppe ist Mitglied des Bündnis 8. März, in dem sich 31 Frauenorganisationen in Oberösterreich zusammengeschlossen haben mit dem Ziel, Frauenpolitik sichtbar zu machen. Weltanschauliche, religiöse und politische Grenzen treten zurück und das gemeinsame Anliegen steht im Vordergrund. www.ohneunsvielspass.at

Link zur Petition

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