Frauen in der Welt der Videospiele

Vor der Konsole sind wir alle gleich: Immer mehr Frauen nehmen den Controller in die Hand und mischen die Männerdomäne der Computergames auf.


Am Anfang steht der Gameboy. Für Kinder ist der kleine Konsolen-Klassiker der erste Kontakt mit der wunderbaren Welt der Computerspiele. Jungs steigen irgendwann auf PC oder Konsolen um, für Mädchen bleibt es dann auch meist bei einem kurzen Abenteuer mit Tetris und Super Mario. Anna-Maria, Lisa, Conny, Katharina und Fiona sind die Ausnahme: Die fünf jungen Frauen haben den Gameboy seit ihrer Kindheit nicht mehr aus der Hand gegeben und sich in der Gaming-Szene erfolgreich unter die Männer gemischt.

„Wir spielen nicht nur ‚Singstar‘“

Auch Lisas Liebe zum Gaming begann mit einem Nintendo Gameboy. Mittlerweile besitzt die 21-jährige Studentin an die zehn Konsolen und hat sich ihren Platz in der bis dato eher männlich dominierten Szene erfolgreich erkämpft: „Ein leider weit verbreitetes Vorurteil unter Gamern ist, dass Frauen nur „harmlose“ Spiele wie „Sims“ oder „Singstar“ spielen würden, während sich Männer eher für Shooter oder Actiongames interessieren. Viele glauben, man hätte keine Ahnung vom Videospielen – fängt man aber dann mit den Männern zu diskutieren an, sind die schnell positiv überrascht!“

Für mich waren Computerspiele nie etwas, dass nur Männer machen.
von Conny, 23


Die 23-jährige Conny kann da nur zustimmen: „Ich wurde von Spielern noch nie belächelt, eher waren sie überrascht und erfreut. Männer mögen Frauen, die sich auch dafür interessieren.“ Diese Erfahrungen hat auch Anna-Maria gemacht: „Die Männer reagieren meist überrascht, das ich mich so für das Spielen begeistere und dann redet man schnell stundenlang über diverse Games. Für mich waren Computerspiele nie etwas, dass nur Männer machen.“

Die steigende Zahl weiblicher User bleibt auch den Spieleherstellern nicht verborgen. Eigene „Frauenspiele“ hält Eugen Knippel vom Spieleentwickler Ubisoft trotzdem nicht für sinnvoll: „Das wäre kontraproduktiv, denn wir wollen Symbiose statt Abgrenzung. Jeder Mensch hat verschiedene Vorlieben, was Spiele angeht: Manche mögen Action, andere Strategietitel und wieder andere tanzen und singen gern. Egal, ob Mann oder Frau.“ Trotzdem lässt sich natürlich ein Trend unter den Usergruppen ablesen: „Wir wissen, dass zum Beispiel Ego-Shooter eher von Männern nachgefragt werden, Spielereihen wie ‚Just Dance‘ hingegen vorrangig von Frauen. Sie verbinden Spaß, Bewegung und das Miteinander perfekt.“

Mann oder Frau - Eine Community

Um das Miteinander geht es auch bei Cosplay. In der Szene, die Comic- und Game-Figuren in die wirkliche Welt holt, haben vorwiegend Frauen die Hosen an. Für Fiona, 21, ist Cosplay ein kreatives Ventil: „Nähen, Rüstungen bauen, Make-up, Perücken. Es gibt so gut wie keine Grenzen und endlose Möglichkeiten, sich auszuleben.“

In die Vorbereitungen stecken die Frauen einen Großteil ihrer Freizeit – für das Gefühl, einen Tag der Held eines Spiels zu sein. Ebenso wichtig wie das – oft handgemachte – Kostüm ist da der Name: Fiona tritt bei Conventions als „Fae La Blanche“ auf, die 25-jährige Studentin Katharina nennt sich „Haruhiism“. Ob Frauen in die Welt der Videospiele passen? Die Frage stellt sich für beide nicht: „Wir teilen die gleichen Interessen, ob Mann oder Frau ist im Prinzip doch egal. Was zählt, ist der Spaß!“ Für Fiona sitzen alle im selben Boot: „Gaming im Allgemeinen muss sich immer wieder gegen eine abschätzige Betrachtungsweise durchsetzen.“

Cosplay
Frau oder Mann, Gaming oder Cosplay, die Stärke der User-Community ist für Eugen Knippel klar: „Männer waren hier lange ‚unter sich‘, und haben doch recht markige Sprüche untereinander ausgetauscht. Aber in letzter Zeit wird der Anteil an Frauen immer größer, Diskriminierungen auf Grund des Geschlechts werden immer öfter verurteilt. Denn die Community hat sich schon immer durch eine extrem große Verbundenheit und Hilfsbereitschaft ausgezeichnet, online genauso wie auf Conventions. Wenn es drauf ankommt, halten alle zusammen.“

 

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