Frauen an der Macht

Drei Politikerinnen verraten, ­warum sie ihren Job für nichts in der Welt eintauschen würden und was es als Frau braucht, um ganz nach oben zu kommen.

Es beginnt mit dem Traum, etwas zu ändern. Und endet mit 24-Stunden-Tagen und jeder Menge Kritik. Drei Politikerinnen verraten, ­warum sie ihren Job dennoch für nichts in der Welt eintauschen würden und was es als Frau braucht, um ganz nach oben zu kommen.

Text Marion Genetti Fotos Michael Appelt

Es gibt Dinge, die kann man nicht mit Geld aufwiegen. Genau diese sind es aber, die den Beruf zur Berufung machen. Das zumindest hört man immer wieder von Frauen, die in der Politik Fuß gefasst haben. „Vor kurzem kam eine Mutter zu mir und hat sich mit Tränen in den Augen bedankt. Dafür, dass sie im Frauenhaus Zuflucht fand – als ihr aus ihrer gewalttätigen Ehe nur noch die Flucht als letzter Ausweg blieb“, erzählt Frauenstadträtin Sandra Frauenberger. In ihrer Amtszeit hat sie zehn zusätzliche Häuser für Frauen in Not in Wien durchgesetzt. Und der Gefühlsausbruch ihrer Besucherin hat sie, trotz 24-Stunden Tagen und Kritik, die zur Politik wie das Amen im Gebet gehört, bestätigt: „Ich habe den erfüllendsten Job, den ich mir vorstellen kann.“

Das Hochgefühl gibt’s allerdings nicht geschenkt. Wer nicht lernt, sich und seine Anliegen durchzuboxen, verändert nichts. Das weiß auch Wiens Vizebürgermeisterin Renate Brauner, die seit ihrer Studienzeit für Chancengleichheit kämpft. Frauen­ministerin Gabriele Heinisch-Hosek fügt an: „ Wichtig für den Job ist Selbstbewusstsein. Es hervorzuholen, kann man lernen.“ Für die WIENERIN lüften die drei Politikerinnen ihre Karrieregeheimnisse. Plus: Polit-Flüsterer verraten, wie Frauen fit für den Boxring der Macht werden.

Die Frauenministerin: Gabriele Heinisch-Hosek

Karriere – die Fakten:
1985 bis 2002: Lehrerin an der Wiener Schwerhörigenschule
1990 bis 2008: Mitglied des Gemeinderats in Guntramsdorf (Niederösterreich)
1999 bis 2008: Abgeordnete zum Nationalrat
April 2008 bis Dezember 2008: Landesrätin in Niederösterreich
Seit Dezember 2008: Bundesministerin für Frauen und Öffentlichen Dienst

Sie sind seit einem halben Jahr Regierungsmitglied, viel weiter hinauf geht’s nicht auf der Polit-Karriereleiter. Wie überraschend war die Anfrage für das Amt für Sie?
Sehr überraschend, aber sie hat mich auch sehr stolz gemacht. Und natürlich habe ich mich gefragt, ob ich mir das zutraue. Aber in einem zweiten Moment habe ich gesagt: Ja, ich kann und ich will das!

Was hat Sie für das Amt qualifiziert?
Ich kann gut auf Menschen zugehen, höre zu. Ich bin keine Person, die andere ausgrenzt. Es gibt nichts, das mich nicht interessiert. Und: Ich kann andere begeistern.

Die Frauenstadträtin: Sandra Frauenberger

Karriere - die Fakten:
1984 bis 2007: Angestellte in der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA). Erst als Bürokraft, dann als Jugendreferentin bis zur Leiterin der Bundesfrauenabteilung.
2001 bis 2007: Mitglied des Wiener Landtags und Gemeinderats
2006 bis 2007: Vorstandsvorsitzende des Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff)
Seit 2007: Wiener Stadträtin für Frauenfragen, Integration, Personal und KonsumentInnenschutz

Was ist die erste Lektion, die Sie einer Politikerin beibringen?
Am Anfang steht die Frage, wie sie sich in der Öffentlichkeit präsentieren will. Da kommt sehr schnell das Thema Persönlichkeitsfindung und -entwicklung ins Spiel.

Wie findet man als Politikerin Echtheit?
Wesentlich ist, den Glauben an sich selbst zu stärken. Politiker sollten nicht nur ihre Parteiideologie stärken, sondern auch ihr Selbstbewusstsein.Dabei unterstütze ich sie.

Die Vizebürgermeisterin: Renate Brauner

Karriere - die Fakten:
1971 bis 1981: Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Vorsitzende der Studierendenfraktion VSSTÖ Wien
1981: Angestellt der Arbeiterkammer Wien
1990 bis 1996: Mietglied des Wiener Landtags und Gemeinderats
1996 bis 2004: Stadträtin für Frauenfragen und Integration
2004 bis 2007: Vizebürgermeisterin in Wien, Stadträtin für Finanzen, Wirtschaftspolitik und Wiener Stadtwerke

Warum wurde aus dem Studentenengagement ein Beruf in der Politik?
Ich wollte mich für mehr Chancengleichheit einsetzen. Ich mag in keiner Gesellschaft leben, durch die ein Riss geht und in der sich ein Teil der Gesellschaft nicht entfalten kann, nur weil jemand das falsche Geschlecht oder die falsche Herkunft hat.

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Gabriele Heinisch-Hosek hat es vom Gemeinderat im 10.000-Einwohner-Ort bis in die Bundes­regierung geschafft.

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Stadträtin Sandra Frauenberger weiß, wie man die Polit-Karriereleiter hinaufsteigt.

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Vizebürgermeisterin und Finanzstadt­rätin Renate Brauner lenkt die Geschicke der Wiener Stadtpolitik mit.

 

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