"Frauen auf Flucht tragen Windeln, um nicht belästigt zu werden"

Diese erschreckende Bilanz zieht Michael O’ Flaherty, Direktor der EU Fundamental Rights Agency, bei der heute stattfindenden Asylkonferenz.

Frauen auf der Flucht sind massiven Sicherheitslücken ausgesetzt, kritisierte Michael O’ Flaherty, Direktor der EU Fundamental Rights Agency bei der Asylkonferenz 2016, die heute stattgefunden hat. Es gäbe kaum Schutz und noch weniger Interesse daran, schutzbedürftigen Gruppen in Flüchtlingsunterkünften Hilfe zukommen zu lassen - auch in Österreich.

Ebenso mangelt es an Safe Spaces und Stabilität für Kinder und Minderjährige auf der Flucht. "Die Situation von Unbegleiteten Minderjährigen Flüchtlingen ist gravierend", konstatiert O' Flaherty. So auch jene von Frauen und LGBT-Personen: „Kann es richtig sein, dass sich im Jahr 2016 Frauen in Flüchtlingsunterkünften Windeln anziehen müssen, damit sie nicht Opfer sexueller Belästigung werden? Ich frage Sie: kann das richtig sein?“, appellierte er ans Publikum.

Jeder zweite Flüchtling weltweit ist weiblich. In Österreich wurden laut Innenministerium ein Viertel aller Asylanträge letztes Jahr von Frauen gestellt. Frauen fliehen genau wie Männer vor Gründen wie Krieg, Gewalt und Verfolgung, sind aber zusätzlich noch von spezifischen Menschenrechtsverletzungen wie Vergewaltigung, Genitalverstümmelung, Zwangsprostitution oder Zwangsehe betroffen - und von sexueller Gewalt auf ihrer Flucht.

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Damit sie aber den Mut haben, über das Erlebte zu berichten, brauchen sie sichere Räume und Vertrauenspersonen. Daran mangelt es in Flüchtlingsunterkünften massiv. Die Situation dort sieht meist so aus: schlecht beleuchtete Lager, kein Schutz vor Übergriffen, keine Rückzugsräume, unhygienische Sanitäranlagen, die nicht nach Geschlechtern getrennt sind. Manche Frauen versuchen daher sich mit extremen Maßnahmen zu schützen, zum Beispiel, indem sie nichts mehr essen und trinken, um nicht auf die Toilette gehen zu müssen, so ein Amnesty International Bericht.

Der Hass und die Hetze in Österreich steigen


Doch auch den steigenden Hass in der österreichischen Bevölkerung kritisiert der Direktor der EU Fundamental Rights Agency. "Ich war dieses Jahr zwei Mal auf der griechischen Insel Lesbos - und ich war erstaunt über die Wärme und Willkommenskultur, die dort vorherrscht." Wohlgemerkt in einem Land, das durch die Flüchtlingsbewegung massiven wirtschaftlichen Schaden davongetragen hat. Sein Fazit: "Die Rezeption von Flüchtlingen ist wesentlich besser, wenn sie nicht von der lokalen Bevölkerung segregiert werden – eine Trennung schürt nur Vorurteile und Hetze."

Hate Speech und Hetze gegen Flüchtlinge, die in Österreich massiv steigen, bereiten seiner Organisation große Sorgen. „Es kann nicht sein, dass Migranten auf der Straße mit Hitlergrüßen begrüßt werden oder dass Politiker offen und ohne Konsequenzen hetzen.“

Über die Asylkonferenz


„Gemeinsame Lösungen müssen besser gestern als heute gefunden werden“, so der allgemeine Tenor der Asylkonferenz – initiiert von EU-Abgeordneter und NEOS Lab Präsidentin Angelika Mlinar – im vergangenen Jahr. Während der Fokus 2015 darauf lag, Fehler in der Asylpolitik aber auch den Perspektivenwechsel, nämlich Flüchtlinge als Chance, zu sehen, so stehen heuer die Integration von Flüchtlingen und Migrant_innen in Österreich, sowie die weltweit zu erwartenden Flüchtlings- und Migrationsströme im Mittelpunkt.

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