Frauen als Unternehmer

Im Rahmen des diesjährigen Jungunternehmertags spricht Barbara Stöckl über „Frauen als Unternehmer“ und über den herausfordernden Weg. Sie selbst wagte 1991 gemeinsam mit Peter Nagy den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Unternehmensidee des tatkräftigen Duos wurde 1996 mit dem Jungunternehmerpreis ausgezeichnet.

Viele Frauen stehen kurz vor der Entscheidung ins Unternehmertum zu gehen oder haben diesen Schritt vor Kurzem gewagt. Wer oder was gab Ihnen vor 20 Jahren den Anstoß, sich selbstständig zu machen?
Nachdem ich einen Studentenjob bei der damaligen Sendung OKAY angefangen habe und meine Wanderlehrjahre in Deutschland absolviert habe, war es Peter Hofbauer, der mich und meinen Geschäftspartner auf die Idee der Medienproduktionsfirma gebracht hat. Und da wir immer davon gesprochen haben, alles anders zu machen und für uns das Symbol Kiwi für ein besseres Arbeiten in Neuseeland stand, haben wir unser Unternehmen Kiwi TV genannt, das uns immer daran erinnern soll.

Der diesjährige Jungunternehmertag am 5. Oktober steht unter dem Motto „Blickrichtung Erfolg". Was bedeutet Erfolg für Sie?
Erfolg ist für mich ein Balancezustand zwischen äußerem Glück und innerer Zufriedenheit. Ruhm und Geld alleine reichen nicht, um mich erfolgreich zu fühlen. Wenn ich das Gefühl habe, auf dem richtigen Weg zu sein und dass ich einen Sinn in meiner Arbeit sehe, dann ist das ein persönlicher Erfolg. Auch ist es wichtig, dass Erfolge bewusst gefeiert werden, da einen das Hamsterrad ohnehin immer wieder einholt. Wir halten viel zu selten Inne und genießen „Die Melancholie des Erreichten".

Welche Chancen sehen Sie speziell für Frauen in der Selbstständigkeit?
Grundsätzlich muss gesagt werden, dass Frauen es schwer haben Beruf und Kinder zu vereinen. Niemand soll vernachlässigt werden, alles unter einen Hut zu bringen ist eine extreme Herausforderung und ich bewundere Frauen, die das schaffen! Nichts desto trotz möchte ich Frauen dazu ermutigen diesen Weg des Unternehmertums zu gehen. Es entstehen gerade jetzt viele neue Geschäftsfelder, die vor allem mit weiblichen Kompetenzen besetzt sind. Hier sind Unternehmerideen gefragt, was gleichzeitig Chancen für Frauen bedeutet.

Was können Ihrer Ansicht nach Frauen besser in puncto Unternehmertum?
Bei meinem Verständnis von Unternehmertum profitiert Arbeit von persönlicher Nähe. Gute Mitarbeiter zu finden, zu pflegen und gut zu behandeln - das ist das Kapital eines Unternehmens. Ich lebe nach dem Motto „Es ist ein Tag deines Lebens - es ist ein Tag meines Lebens, also machen wir ihn uns schön."

Der diesjährige Jungunternehmertag mit dem Motto „Blickrichtung Erfolg“ ist die erste Anlaufstelle für Gründer und Jungunternehmer, damit die Idee zum Erfolg wird. Alle wichtigen Ansprechpartner waren am 5. Oktober 2010 im Congress Center der Messe Wien zum Thema Gründung vor Ort.
Frauen kommt das Unternehmertum eher entgegen. Managen, organisieren und soziale Kompetenz sind weibliche Eigenschaften. Und dieses Know-how ist ein wesentlicher Vorsprung. Frauen sind per se selbstständig. Außerdem bauen erfolgreiche Frauen auf ihr Team. Nur durch Teamarbeit erreicht man seine Ziele. Mein Part als Unternehmerin ist, das Team zu führen, zu motivieren, aufrecht erhalten zu können sowie die Leute richtig einzusetzen: wie Puzzlesteine, die sich ergänzen und erst gemeinsam ein Bild ergeben.
Ein weiterer Vorteil von Frauen ist die Kommunikation und das Vernetzen. Frauen sollten sich noch stärker untereinander vernetzen, sich austauschen und ergänzen. Das braucht zwar Zeit - aber es lohnt sich!

Einige Vortragspunkte beim Jungunternehmertag behandeln das Thema Verkauf. Wie ist Ihre Erfahrung zu dieser Thematik?
Oft herrscht der Irrglaube, dass - sobald man Selbstständig ist - man automatisch Erfolg hat. Kundenakquise bedeutet viel Zeit und somit auch viel Aufwand! Man braucht die Fähigkeit sich zu präsentieren, zu verkaufen und das Gegenüber zu begeistern. Die große Frage, die man sich als Unternehmerin stellen muss, ist: Kann ich einen Käufer finden? Daher ist es sinnvoll sich nicht von einem großen Kunden abhängig zu machen, sondern mehrere Standbeine aufzubauen.

Am 5. Oktober kommen vor allem Gründer und Jungunternehmer zum Top-Event im Congress Center der Messe Wien. Was würden Sie diesen aus Ihrer Erfahrung mit auf den Weg geben?
Wichtig ist, dass man sich selbst und der eigenen Idee treu bleibt. Man braucht eine gute Planung, aber man braucht als Unternehmer auch kaufmännisches Grundverständnis. Die Kombination aus fachlichem, also branchenspezifischem Know-how, der Idee, kaufmännisches Wissen und auch ein bisschen das eigene Bauchgefühl sind ein idealer Mix für den Start in die erfolgreiche Selbstständigkeit.
Das Unternehmertum selbst hat natürlich seine Vor- und Nachteile: Es gibt Zeiten, die sehr herausfordernd sind - man muss um Aufträge kämpfen, erhält oft keine rechtzeitige Rückmeldung, muss Feuerwehr spielen, Vertragspartner werden vertragsbrüchig und so weiter. Auch hat das Unternehmertum nicht immer fixe Arbeitszeiten - oft nimmt man gedanklich die Arbeit mit nach Hause, weil man selbst verantwortlich ist. Aber auf der anderen Seite kann man sich die Zeit selbst einteilen, was wiederum Freiheit bedeutet, etwa für Sport am Nachmittag oder für kulturelle Aktivitäten, oder einfach einen Spaziergang durch eine Einkaufsstraße. Und genau DAS gönn‘ ich mir!

 

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