Französiche Schulformulare: "Elternteil 1,2" statt "Mutter, Vater"

Die französische Regierung möchte diskriminierende Zuschreibungen verbannen. Das gefällt nicht allen. Vor allem in konservativen und rechten Kreisen regt sich Widerstand.

Elternteil

Wer in Frankreich zukünftig Schulformulare ausfüllt, wird mit einer überraschenden Änderung konfrontiert sein. Die Zuschreibungen "Mutter" und "Vater" werden aus offiziellen Schul-Papieren gestrichen und stattdessen durch die geschlechtsneutrale Bezeichnung "Elternteil 1" und "Elternteil 2" ersetzt. Was auf den ersten Blick befremdlich scheint, hat einen plausiblen Hintergrund: durch die Abänderung soll die Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Paaren und deren Kindern beendet werden.

Die entsprechende Reform, die unter dem Titel „Eine Schule des Vertrauens“ ausgearbeitet wurde, wurde vergangene Woche im französischen Parlament verabschiedet. Die Änderung der Formulare ist Folge des Gesetzes für gleichgeschlechtliche Ehe, das bereits 2013 beschlossen wurde. Seither hatte man über die Anpassung offizieller Formulare debattiert, die nicht mehr exklusiv heterosexuelle Paare ansprechen würden.

Angst vor Zerstörung der "traditionellen Familie"

Hinter dem Antrag steht die Abgeordnete Valerie Petit, die Mitglied in der Regierungspartei Emmanuel Macrons, Republique en Marche, ist. Unterstützung für ihre Reform erhielt die Politikerin auch von Parteien aus dem Mitte- und Links-Spektrum. Konservative und rechte PolitikerInnen halten von der Änderung - wenig überraschend - nicht viel. Nicht nur in der Politik sorgt das Gesetz für Widerstand. Wie schon 2013 können sich auch heute viele FranzösInnen mit den progressiven Gesetzesänderungen wenig anfreunden. Die Reform sei ein weiterer Versuch, die traditionelle Familie als Keimzelle der Gesellschaft zu zerstören, wettern Konservative.

Ludovine de la Rochère, Vorsitzende der Bewegung Manif pour tous (Demo für alle), fürchtet gar die Abschaffung der Vaterschaft per se: „Bald wird das nächste Tabu fallen und der Markt für die Ware Kind liberalisiert“, glaubt sie und spielt damit auf mögliche Vorhaben der Regierung an, homosexuellen Frauen Anspruch auf Reproduktionsmedizin zu ermöglichen.

 

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