Franziska Knuppe: "So gut geht’s uns"

Topmodel Franziska Knuppe ist Mutter und kämpft nun mit UNICEF und Pampers gegen Tetanus bei Neugeborenen.

Supermodel Franziska Knuppe (40) ist sehr gerade heraus – eine rare Eigenschaft unter Prominenten. Umso mehr Vergnügen bereitete uns das Exklusiv-Interview mit ihr in Hamburg. Knuppe ist Botschafterin der aktuellen UNICEF-Aktion gegen Tetanus, die bereits zum zehnten Mal mit Pampers durchgeführt wird. Ein Gespräch über die Wohlstandsgesellschaft, Impfgegner und was sie an der Flüchtlingskrise ärgert.


Sie waren im Zuge der UNICEF/Pampers-Kampagne auf den Philippinen. Was hat Sie dort geprägt?

Es waren viele Begegnungen und viele Gesichter, die mich bewegt haben. Aber eine Begegnung hat mich sehr berührt: nämlich jene mit der jungen Mutter, deren Kind im Taifun fast an Tetanus gestorben wäre.

Tetanus, also Wundstarrkrampf, ist ja bei Neugeborenen fast immer tödlich. Was ist genau passiert?

Diese Mutter ist heute 16 Jahre alt und hat vor eineinhalb Jahren ihr Baby bekommen. Und zwar genau während des Taifuns, der dort fast alles verwüstet hat. Sie hat also das Kind unter ex­trem unhygienischen Bedingungen geboren und ging nicht zu Vorsorgeuntersuchungen, weil sie so jung war und sich schämte. Daher hatte sie keinen Tetanus-Schutz, den sie ihrem ungeborenen Kind hätte weitergeben können. Ihr Glück war, dass sie – in dieser Ausnahmesituation und als das Kind schon erste Anzeichen zeigte – in eine Auffangstation gebracht wurde und Ärzte das Kind sofort isolierten. Man muss Babys vor allen Reizen schützen, damit sich der Krampf nicht ausdehnt. Und dass dieser kleine Mensch in einer Katastrophensituation mit so einem schlechten Start heute ein gesunder glücklicher Junge ist, ist schon wie ein Wunder – auch wenn das Wort so huschiwuschi klingt.

Wir alle können uns unter Tetanus eigentlich gar nichts mehr vorstellen. Wie ist es Ihnen damit ergangen?

Meine Mutter ist ja Kinderärztin, aber bevor ich gefragt wurde, ob ich das machen möchte, wusste ich auch nicht mehr, was Tetanus ist. Wir kommen ja damit überhaupt nicht mehr in Berührung. Ein Beispiel: Ich habe mich vor drei Jahren mal schlimm geschnitten und da sagte meine Mutter zu mir: „Wann hattest du denn deine letzte Tetanus-Impfung? Ach, komm her, ich impf dich mal schnell, zur ­Sicherheit.“ Aber was passiert, wenn man das nicht tut, das weiß doch keiner. Und wir müssen es ja auch nicht wissen, wir müssen nur wissen, dass wir uns und unsere Kinder impfen lassen. Als ich mich also damit beschäftigt habe, wurde mir wieder klar, was diese Krankheit macht. Dein Baby kann keine Muttermilch mehr trinken, weil der Mund, das Kiefer, später der ganze Körper so verkrampft, dass es stirbt. Ich dachte nur: Oh Gott, wie schlimm. Und: So gut geht es uns hier, denn bei uns ist das eben kein Thema mehr.

Franziska Knuppe mit Kindergruppe

Und wie haben Sie Tetanus Ihrer Tochter Mathilda (8) erklärt?

Sie bekommt von meinem Beruf eigentlich nicht viel mit, außer wenn sie mich mal im Fernsehen oder in der Zeitung sieht. Allerdings konnte beim Vorgespräch zu dieser Reise mein Mann nicht auf sie aufpassen, und ich nahm sie einfach mit. Sie hat also die Präsentation miterlebt, und ich konnte ihr meine Gründe für diese Reise auf die Philippinen wirklich gut erklären. Also sagte ich: „Du hast ja gesehen, dass es den Kindern dort nicht gut geht, also muss Mami dorthin. Und weil Mami öfter mal in der Zeitung ist, lesen das die Leute und unterstützen die Aktion. So kann UNICEF Impfstoff kaufen und den Kindern damit helfen.“

Haben Sie auch nach Ihrer Rückkehr mit ihr darüber gesprochen?

Ja, das war mir wichtig. Ich habe ihr Bilder von den Kindern, aber auch von den Häusern dort gezeigt, auch um zu verdeutlichen, wie gut es uns geht. Auch ärmere Familien bei uns leben tausend Mal besser als jene auf den Philippinen. Wir genießen ein Top-Gesundheitssystem, und ich hab bei meiner Mutter erlebt, dass sich manche Dinge gerade in unserer Wohlstandsgesellschaft eher umkehren. Zum Beispiel, wenn die Impfgegner kommen und denken, ihr Kind könnte alles ganz allein durchstehen ...

Sie sind also kein Impfgegner ...

(Lacht.) Das würde mir meine Mutter nie erlauben. Nein, das ist mein eigener, gesunder Menschenverstand.

Franziska Knuppe mit Baby bei Impfung

Das Tetanus-Programm von UNICEF und Pampers gibt es jetzt schon zehn Jahre, man hat viel erreicht. Wie wichtig ist es, dass Franziska Knuppe dabei ist?

Ich finde es wichtig, dass prominente Gesichter die Botschaft mittragen. Denn bringt man nur Bilder von den Philippinen, schauen die Leute eher weg. Wenn man eine Persönlichkeit hat, die in der Öffentlichkeit steht, dann schauen Leute zu. Ich lebe von Öffentlichkeit, und deshalb kann ich auch mal was zurückgeben.

Themensprung: Auch bei uns gibt es Dinge, die zum Hinschauen zwingen. Die Flüchtlingsthematik prägt unsere Länder. Wie stehen Sie dazu?

Ich glaube, sich hier korrekt einzubringen ist schwer, denn es gibt nicht die beste Lösung für alle. Ich glaube aber schon, dass sich die europäischen Länder zu lange Zeit gelassen haben, um sich an einen Tisch zu setzen. Was mich bedrückt, sind die Lager vor Ort, wie im Libanon, wo Millionen Menschen in Zelten leben. Und politisch ärgert mich, dass wir, also die westlichen Länder, viel dazu beigetragen haben. Jahrelang wurden Waffen dorthin geliefert und jetzt wundern wir uns, dass die Menschen wegwollen?

Wird das Thema Europa verändern?

Ja, natürlich. Aber jetzt muss man erst mal den Menschen helfen. Hier aber auch vor Ort. Was ich toll finde: Die UNICEF engagiert sich gerade jetzt auch im Libanon.

 

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