Frances Ha

Auch wer ständig über die eignen Füße stolpert, kommt irgendwann an. Landei Frances mutiert in der Großstadt New York von der Traumtänzerin zur Überfliegerin. Fast im Dornröschenschlaf.

Pirouetten drehen kann sie, fixe Bindungen eingehen nicht. Männer, die mit Frances (Greta Gerwig) zusammen ziehen wollen, werden gleich höflich in die Wüste geschickt. Sex? Ja. Beziehung? Muss ja nicht sein. Für ihren ganz persönlichen Erweckungszauber sind die Herren der Schöpfung nicht zuständig. Frances bezeichnet sich selbst kokett als „undatable" und ist ein bisschen stolz darauf.

Frances Ha

Seit ihrem College-Abschluss vor fünf Jahren hat sich das Leben von der aufstrebenden Tänzerin nicht viel verändert. Von der Lässigkeit des bequemen Studentinnen-Daseins inklusive Tagesfreizeit hat sie nicht Abschied genommen. Wozu auch? Frances teilt sich mit College-Busenfreundin Sofie (Mickney Sumners, die Tochter von Sting ) vorübergehend ein kleines Apartment in Brooklyn, Zigaretten, den Teekessel und ihren schrägen Humor. So lange sie mit Sofie Quatsch machen kann, ist für Frances die Welt schwer in Ordnung. Dass sie New York wohnt, aber noch immer keinen Boden unter ihre riesigen Füßen bekommen hat, juckt sie nicht. Schließlich ist man mit 27 doch nicht alt, oder?

Frances Ha

Frances‘ Karriere als Künstlerin schlummert - im Gegensatz zu der von Sofie - in einer Art Dämmerzustand. Gelegentliche Engagements als Tänzerin in einem Modern Dance Ensemble nähren ihre Illusion von einer großen Zukunft auf der Bühne. Für die Miete reicht's aber nicht. Als Sofie plötzlich beschließt mit ihrem Banker-Freund nach Tokio zu ziehen, fällt Frances aus allen Wolken. Kein Job, kein fester Wohnsitz und keinen Cent in der Tasche.
Unfreiwillig mutiert sie so zur Expertin für Übergangslösungen: Immer auf der Suche nach einem bezahlbaren WG-Zimmer, dem nächsten Gelegenheitsjob oder Strohhalm, der es ihr erlaubt, weiterhin an ihren Träumen festzuhalten.

Frances Ha ist gleich in mehrfacher Hinsicht eine Liebeserklärung: Eine Liebeserklärung an die Freiheit und den Preis, den man dafür bezahlt. Eine Liebeserklärung an New York, einer Stadt, in der alles möglich ist, aber einem nichts geschenkt wird. Und außerdem eine Liebeserklärung an eine Frauenfreundschaft, die erst welken muss und dann erst richtig aufzublühen.
 

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