"Fragilizing": Sensible Menschen haben diese gefährliche Angewohnheit in Beziehungen

Wer jetzt der Meinung ist, man könnte die Pläne doch auch einfach absagen, hat offensichtlich keine Social Anxiety (Gratuliere!) und ist wahrscheinlich nicht vom sogenannten Fragilizing betroffen. Fragilizing (von fragile, also zerbrechlich) betrifft nämlich vor allem sensible Personen und/oder Menschen mit Angststörungen. Die Verhaltensweise, die mit diesem Phänomen gemeint ist, manifestiert sich eben genau im weiteren Verhalten, wenn Pläne, nicht abgesagt werden: Sagt man sie ab – oder geht man trotzdem hin, obwohl man absolut keine Lust hat?

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Bloß niemanden verletzen!

Obwohl es hunderte Dinge gäbe, auf die du mehr Lust hättest, lässt du die Pläne trotzdem nicht sausen, weil du Angst hast, man könnte es dir übel nehmen? Genau dieses Verhalten nennt sich Fragilizing – also etwas nur deshalb zu tun, um andere nicht zu verletzen oder wütend zu machen. Sensible Personen neigen ganz besonders zu diesem Verhalten, um Konfliktsituationen zu vermeiden – ganz egal, ob in Liebesbeziehungen oder Freundschaften.

Wann Fragilizing gefährlich wird

Hin und wieder aus Liebe zu einer anderen Person etwas zu machen, worauf man gerade nicht wirklich Lust hat, ist in einem gewissen Maß ja kein Problem. Langfristig werden durch diesen Abwehrmechanismus allerdings Streitigkeiten oder Differenzen wegignoriert und einfach umgangen. Davon haben die beteiligten Personen vielleicht kurzfristig was, aber ganz bestimmt nicht auf lange Sicht, erklärt Dr. Debra Kissen, klinische Leiterin von Light on Anxiety, einem Therapiezentrum für kognitive Verhaltensstörungen in Chicago, gegenüber Refinery29.

Die Therapeutin erklärt weiter die Motive zu Fragilizing: Menschen verhalten sich so, weil sie Angst haben, das Gegenüber würde mit der Enttäuschung – sprich: einer Absage der Pläne – nicht klarkommen und dann für immer sauer sein werden oder die Freundschaft/Beziehung beenden, weil man abgesagt hat. Menschen mit Angststörungen tendieren nämlich dazu, immer vom (sehr unwahrscheinlichen) Worst-Case-Szenario auszugehen. "Du redest dir ein, das zu tun, weil du anderen Menschen kein Unmut bereiten willst, aber in Wirklichkeit machst du das, um dein eigenes Unbehagen zu verkleinern", so Dr. Kissen gegenüber Refinery29 weiter. Die Pläne wahrzunehmen, auf die man eigentlich gar keine Lust hat, ist immer noch ein weniger ungutes Gefühl, als für die schlechte Laune von anderen verantwortlich zu sein – so zumindest die Denkweise von sensiblen Personen.

Wie man mit Fragilizing umgehen sollte

Wird Fragilizing über lange Zeit betrieben, gehen Betroffene immer mehr (unangenehmen) Gesprächen aus dem Weg und nehmen sich damit auch die Möglichkeit, nach einer langfristigen Lösung zu suchen. "Durch ständiges Fragilizing wirst du dich in vielen Situationen unerfüllt fühlen", ist Dr. Kissen sicher. "Außerdem gehört es zu den wichtigen Lektionen im Leben auch mit komplizierten oder unangenehmen Situationen klarzukommen, damit wir in unserer eigenen Meinungsbildung gestärkt sind." Sie ist überzeugt: Harte Gespräche und die bewusste Auseinandersetzung mit Enttäuschungen lassen uns und unsere Beziehungen wachsen.

 

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