"Fragen Sie doch mal einen berufstätigen Vater!"

"Bild"-Kolumnist Franz Josef Wagner kritisierte in seinem jüngsten Beitrag das Bild der arbeitenden Mütter. Katrin Halbhuber, Portalmanagerin von wienerin.at und Mutter eines Sohnes, antwortet in einem persönlichen Kommentar.

Franz Josef Wagner, Kolumnist der deutschen Tageszeitung "Bild", schrieb in seinem Beitrag vom 22. Juli 2015 an die "liebe Familienpolitik" und stellte das Bild der arbeitenden Mütter zur Diskussion: Der Zeitgeist und somit berufstätige, Smoothie-trinkende Frauen in Hosenanzügen seien schuld daran, dass sich Sterbe- und Geburtenrate in Deutschland nicht ausgleichen.

Die Kolumne:

Screenshot bild.de

Katrin Halbhuber, Portalmanagerin von wienerin.at, ist selbst Mutter und berufstätig und hat es satt, ihr Leben ständig rechtfertigen zu müssen.

Ein persönlicher Kommentar aus der Redaktion:

"Sehr geehrter Herr Wagner,

ich bin Mutter eines zweijährigen Sohnes. Er geht in den Kindergarten und wird abwechselnd von seinem Vater und seinen Großeltern abgeholt, einen Nachmittag in der Woche verbringe ich mit ihm.

Ich koche für ihn, ich ziehe ihn morgens an, ich lese ihm fünf Bücher hintereinander vor – und dann noch eins, ich kaufe ihm viel zu viele Spielzeug-Traktoren, ich koche ihm Grießbrei, wenn das mit dem Gemüse wieder mal nichts wird, und mache ihm Smoothies, damit wenigstens mal Obst ins Kind kommt. Ich tröste ihn, wenn er nachts schlecht träumt, und nehme ihn in den Arm, wenn er mit seinen zwei Jahren mal wieder nicht weiß, wohin mit all dem kindlichen Ärger.
Mein Mann macht all das auch.

Ich arbeite 40 Stunden, das tue ich, seit mein Sohn elf Monate alt ist. Damals hat mein Mann sein Karenzjahr angetreten, und ich war oft neidisch, weil er nicht mehr mit den Kotzflecken und Brei-Desastern eines Babys kämpfen musste, sondern mit einem Kleinkind am Spielplatz herumtoben konnte. Seit seinem Wiedereinstieg arbeitet mein Mann in Teilzeit und verbringt zwei Tage in der Woche mit unserem Kind. Und das ist gut so.

Natürlich bin ich oft nicht da, hänge noch ein paar Stunden im Büro dran und verpasse deshalb eine Gute-Nacht-Geschichte, ich war bei vielen „Ersten Malen“ nicht dabei. Natürlich habe ich oft ein schlechtes Gewissen, mit dem Hin-und-hergerissen-Sein zwischen einem Job, den ich sehr gerne mache, einem Familienleben, in dem auch immer noch Wäsche gewaschen und geputzt werden will, einem Kind, das wohl das Beste ist, das mir passiert ist, einem Mann, der das Zweitbeste ist, und mir selbst, die das Laufen oder die Yoga-Stunde wieder mal auslässt, weil ja – siehe oben. Ja, sehr oft zerreißt es mich. Und ich trage nie einen Hosenanzug dabei.

Aber ich habe diesen Weg für mich gewählt und manchmal ist es eine Herausforderung.

Aber fragen sie doch mal einen voll berufstätigen Vater. Der weiß, wovon ich spreche.

Mit freundlichen Grüßen,

Katrin Halbhuber"

Hier geht es zum Kommentar von Franz Josef Wagner auf bild.de.

 

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