Fragen, die Top-Athletinnen nicht mehr hören können

Sexismus im Sport ist allgegenwärtig. Auch in Interviews werden Sportlerinnen mit sexistischen Fragen konfrontiert.

Rote Karte

"Kannst du dich mal für uns drehen und uns etwas über dein Outfit erzählen?", "Wie steht es um dein Liebesleben?" oder "Warum lächelst du nicht?" – wir haben Sportlerinnen aus Österreich gefragt, ob ihnen schon Interviewfragen untergekommen sind, die man männ­lichen Kollegen nie stellen würde. Hier sind ihre Antworten:

"Wie schaffst du Karriere und Haushalt?"

Renata Hönisch, Leichtathletin: "Was mir grundsätzlich auffällt: Wenn die Auswahl da ist, werden eher die Männer interviewt. Wirklich blöde Fragen sind mir nicht untergekommen, außer die typische: ‚Wie schaffst du es, deine Karriere und den Haushalt unter einen Hut zu bringen?‘ Meine Antwort: ‚Ich bin eine Frau wie jede andere und kann alles tun – obwohl ich den Haushalt mache.‘ Für mich gibt es das nicht, dass etwas nicht geht, was man gerne machen will."

"Wo gehen Sie duschen?"

Theri Hornich war fünf Jahre lang die einzige Frau im Männer-Eishockeysport. Auch sie teilte uns ihr Erfahrungen mit den Medien mit: "Ich habe selten von Journalist*innen blöde Fragen bekommen, aber eine Frage, die offensichtlich alle immer wieder beschäftigt hat, war, wo ich dusche. Wie funktioniert das in der Männermannschaft? Wann gehe ich duschen? Wo gehe ich duschen? Wo ziehe ich mich um? Ich bezweifle, dass ein Mann das jemals gefragt wurde. Es geht halt auch niemanden etwas an; natürlich gehe ich nach dem Sport duschen, der Rest sollte egal sein. Es ist nämlich einfach
uninteressant."

"Mir werden oft Fragen zum Männerfußball gestellt."

Manuela Zinsberger, Fußballtorfrau der österreichischen Nationalmannschaft: "Viel Spielraum gibt es bei den Fragen nicht, mir werden oft welche zum Männerfußball gestellt. Ja, die Männer verdienen mehr Geld, ja, sie spielen in größeren Stadien als Frauenmannschaften und bekommen mehr Reichweite als wir. Das weiß ich und das ist so, aber dieses ständige Vergleichen langweilt mich. Viel interessanter wäre es, danach zu fragen, was wir tun können, um den Frauenfußball so weit zu fördern, dass auch Frauen davon leben können – und nicht nebenher noch zusätzlich arbeiten müssen. Ich möchte nahbar für junge Mädels sein, ihnen den Job erklären und ihnen den Fußball nahebringen."

"Karriere aus – steht nun die Familienplanung an?"

Eva-Maria Brem, ehemalige Skirennläuferin: "Als ich mit 27 am Höhepunkt meiner Karriere angekommen war, wurde ich gefragt, wie nun meine Rolle im Team aussehe, jetzt, da ich zur ‚älteren Garde‘ gehörte. Meine Kolleginnen waren vielleicht zwei, drei Jahre jünger – und ich antwortete: ‚Na, ich bin sicher nicht im Team Mama.‘ Ich habe oft bemerkt, dass bei Fragen unterschwellig was mitschwingt, zum Beispiel wurde mir nach einem gewonnenen Rennen Nervosität unterstellt, weil mein Vorsprung in der zweiten Runde nicht mehr so groß war wie in der ersten. ‚Was ist passiert?‘, war die Frage. Das war eine taktische Entscheidung – ein Mann wäre für seine Leistung gelobt worden und ich wurde hingestellt, als wäre ich nervös geworden. Auch jetzt als Zuseherin fällt mir diese Unterschwellig­keit auf:

Wenn ein männlicher Sportler sagt, die ­Piste sei zu schlecht oder zu gefährlich, dann wird darüber nachgedacht, ob er recht haben könnte. Äußert eine Sportlerin solche Gedanken, wird sie nicht ernst genommen – oder wie in Lara Gut-Behramis Fall fühlen sich die Organisator*innen angegriffen und sie muss sich entschuldigen. Ich bin dann oft trotzdem auf Pisten gefahren, die ich eigentlich als zu gefährlich empfunden habe; als Sportlerin bist du sowieso immer am Limit. Ich wollte das nicht diskutieren und hab mir die Energie lieber für meine Leistung auf der Piste gespart.

Nervös war ich vor meinem letzten Interview, mit dem ich meine Sport­karriere beendete: Ich hatte Angst, diese Standard­frage ‚Karriere aus – steht nun die Familienplanung an?‘ gestellt zu bekommen. Die Journalistin, die das Inter­view führte, hat aber bewusst darauf verzichtet, diese Frage zu stellen, ich war ihr dafür sehr dankbar. Sie hat mich stattdessen gefragt, wie meine beruf­liche Zukunft nun aussehe, und ich habe ihr von meinen ­Zielen erzählt."

 

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