Forscher*innen entwickeln Gleitgel aus Kuhsabber - und es soll sogar vor HIV schützen

Manchmal stolpert man über eine Headline, die man so eher nicht erwartet hätte. Diese Überschrift gehört definitiv in diese Kategorie: Forscher*innen aus Stockholm haben Gleitgel aus Kuhsabber entwickelt. Es soll nicht nur flutschen, sondern auch schützen.

Kann das Muzin HIV und Herpes wirksam stoppen?

Vielleicht kennt ihr ja die Suche nach Gleitgel-Alternativen. Kokosöl zum Beispiel. Aloe-Vera-Gel. Intimwaschlotion. Oder Kuhsabber. Kuhsabber? Kuhsabber! Forscher*innen aus Stockholm haben nämlich ein neues Gleitmittel entwickelt, das auch noch den Sex in Zukunft sicherer machen soll. Und das kuriose an der neuen Substanz: Sie basiert auf jenem Schleim, den Kühe aus dem Maul sabbern.

Neugierig geworden? Der Hauptbestandteil des Gels besteht aus dem Stoff Muzin, der nicht nur im Schleim von vielen Menschen und Tieren, sondern auch in Pilzen zu finden ist. Konkret verwendeten die Forscher aber das Muzin aus Kuhschleim als Basis und reproduzierten es synthetisch.

Hingij Yan, Forscher an der Königlichen Technischen Hochschule in Stockholm, hat das neue Gel mitentwickelt und hofft, es bald auf dem Markt zu sehen. Seine Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Advanced Science veröffentlicht.

Kann das Muzin HIV und Herpes wirksam stoppen?

"Die Komplexität der Muzin-Moleküle ist die Hauptursache dafür, dass das Gel HIV und Herpes wirksam stoppen kann. Dabei gibt es keine Nebenwirkungen. Wer es nutzt, entwickelt auch keine Resistenz, wie es sonst bei anti-viralen Stoffen der Fall ist", wird Yan zitiert. "Das Gel kann Menschen helfen, ihre sexuelle Gesundheit besser zu kontrollieren. Es kann Schutz bieten, wenn Kondome nicht verfügbar sind, oder als Back-up-Schutz, wenn das Kondom reißt oder falsch verwendet wird. Das Gel könnte sowohl beim Sex zwischen einer Frau und einem Mann als auch bei zwei Männern verwendet werden."

Von Kondomen würden wir freilich nicht abraten, aber die Ergebnisse erscheinen erstaunlich. So soll das neue Mittel zu 70 Prozent vor HIV und zu 80 Prozent vor Herpes schützen. Wie das klappt? Die Muzin-Moleküle binden die Viren, schließen sie ein und bauen sie über den Schleimstoffwechsel wieder ab.

 

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