Finnland führt ein bedingungsloses Grundeinkommen ein

Das nordeuropäische Land macht einen weiten Schritt nach vorne.

Als erstes Land der Welt führt Finnland ein bedingungsloses Grundeinkommen ein - in der Testphase jetzt einmal für 2000 arbeitslose Menschen.

Diese Menschen erhalten 560 Euro jeden Monat, zwei Jahre lang, ohne an irgendwelche Restriktionen oder Vorgaben gebunden zu sein. Finnlands Regierung hofft, dass sich dadurch die Lebensqualität dieser Menschen besser, dass die Arbeitslosigkeit reduziert und Jobs kreiert werden.

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Die Menschen, die ein solches Einkommen erhalten, müssen nicht beweisen, dass sie gerade auf Arbeitssuche sind und sie bekommen das Geld unabhängig davon, welche anderen Einkünfte sie haben. Das Geld muss nicht versteuert werden.

Mit dieser Maßnahme macht Finnland weltweit Schlagzeilen und in den Augen mancher einen weiten Schritt nach vorne. Die finnische Regierung plant außerdem, genau zu evaluieren, ob die Maßnahme dazu beiträgt, dass die Betroffenen einen Job finden, ob ein Grundeinkommen Armut und soziale Ausgrenzung verringern und zum Abbau von Bürokratie beitragen kann.

Die 2000 Menschen werden per Zufallsprinzip ausgewählt und das Geld wird ihnen jedenfalls jeden Monat überwiesen. Wenn das Experiment erfolgreich ist, könnte es zu einer Erweiterung des Bedingungslosen Grundeinkommens für mehr Menschen führen.

"Menschen werden faul, wenn die Verhältnisse sie ausbeuten"


Auch andere Länder haben bereits über die Einführung eines solchen Einkommens debattiert. In der Schweiz wurde am 5. Juni 2016 über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens abgestimmt - die SchweizerInnen entschieden sich jedoch dagegen. Einer der Initiatoren, der Philosoph und Ökonom Philip Kovce, plädierte damals im WIENERIN.at-Gespräch für ein Umdenken: "Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein emanzipatorisches Projekt, weil es ermöglicht, dass jeder Einzelne sein Leben selbst gestalten kann. Das ist auch für Frauen ein Vorteil, die heute existenziell auf das Einkommen des Partners angewiesen sind."

Zu Kritikerinnen sagte der Ökonom: "Wer meint, dass Menschen mit einem Grundeinkommen grundsätzlich nicht mehr arbeiten würden, weil sie von Natur aus faul sind, der ist schlecht informiert oder einfach borniert. Menschen werden faul, wenn die Verhältnisse sie ausbeuten – nicht umgekehrt! Faul wird, wer gezwungen wird. Tätig wird, wer sich frei entscheiden kann." (Lesen Sie hier das ganze Interview.)

 

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