Finanziell benachteiligte Frauen bekommen Pille bald gratis

Ein neues Projekt von Pro Familia will die Verhütungskosten für Frauen, die sich die Pille nicht leisten können, übernehmen.

Wer wenig Geld hat, verzichtet oft auf wirksame Verhütungsmittel, und riskiert damit eine Schwangerschaft und in weiterer Folge eventuell einen Abbruch. Das zeigte eine Studie der Evangelischen Hochschule Freiburg. 22% der Frauen gaben an, dass sie schon einmal in ihrem Leben aus Kostengründen auf die Pille oder die Spirale verzichtet haben. Bei einer (sehr) guten finanziellen Situation beträgt der Anteil nur 4%.

Das heißt konkret: Gratis-Verhütungsmittel würden Frauen in finanziell schwachen Lagen dabei unterstützen, nicht ungewollt schwanger zu werden. Deshalb hat Pro Familia, der größte Verband für Familienplanung und Sexualpädagogik in Deutschland, kürzlich ein wegweisendes Projekt ins Leben gerufen. Betroffene Frauen können kostenlose Verhütungsmittel erhalten.

So funktioniert das Ganze: Eine Arzt/eine Ärztin stellt das Rezept aus, anschließend geht die Patientin damit in eine Pro Familia-Beratungsstelle, die prüft, ob die Kosten übernommen werden können. Bei einer Spirale braucht man einen Kostenvoranschlag.

Voraussetzung ist, dass die Frauen in einem der sieben Orte, wo die Gratis-Verhütungsmittel ausgegeben werden, wohnen, dass sie älter als 20 Jahre sind, ein geringes Einkommen oder Anspruch auf Sozialleistungen wie Hartz IV oder Bafög haben. Weitere Infos hier. Bei Frauen unter 20 werden in Deutschland verschreibungspflichtige Verhütungsmittel bereits von der Krankenkassa gezahlt.

So sieht die Situation in Österreich aus

Ganz anders sieht es in Österreich aus. Hier werden weder Verhütungsmittel noch der Schwangerschaftsabbruch von der Krankenkassa gezahlt. Zuletzt sorgte das Frauen*volksbegehren mit der Forderung nach Gratis-Verhütungsmitteln in Österreich für Aufregung.

Der Österreichische Verhütungsreport 2015 zeigt auf, dass 51% aller Frauen die Verhütung selbst bezahlen - und das, obwohl sie nach wie vor deutlich weniger verdienen. Wenn es in Österreich Verhütungsmittel kostenlos über die Krankenkassa geben würde, würden sich 54% der befragten Männer und 48% der Frauen für eine andere Verhütungsmethode entscheiden. Es sind überwiegend junge Frauen unter 20, die von einer Gratis-Verhütung Gebrauch machen würden. Beinahe die Hälfte aller Frauen (48%) würde auf die Pille umsteigen, bzw. auf die Dreimonatsspritze (22%) oder das Hormonstäbchen (16%).

Die Erfahrung in anderen europäischen Ländern bestätige, dass die Kostenübernahme eine sehr wirksame gesundheitspolitische Maßnahme zur Verringerung ungewollter Schwangerschaften ist und damit die Anzahl der Schwangerschaftsabbrüche reduziert, so die Studie.

 

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