Feuchtgebiete

Ganz schön schlüpfrig: Die Verfilmung von Charlotte Roches feuchtfröhlichem Skandalroman sprüht nur so vor Witz, Tempo und frech-erotischen Ideen. Gerecht wird dieser Streifen der kontrovers diskutierten Vorlage auf jeden Fall. Revolution aus der Unterhose als massentaugliche Abendunterhaltung? Wir sind dafür.

Die 18-jährige Schülerin Helen Memel (Berlinale Shooting-Star 2013 Carla Juri) hat einen gesunden sexuellen Appetit und interessante Hobbies: Die Erforschung und Befriedigung ihrer Lust, das Züchten von Avocado-Bäumen und die Verbreitung von Bakterien. Gücklicherweise lassen sich diese drei Freizeitbeschäftigungen immer wieder hervorragend miteinander kombinieren.

Feuchtgebiete Der Film

Unglücklicherweise ist Helen aber durch eine selbst beigebrachte Analfissur ans Krankenbett gefesselt. Aber selbst auf dem OP-Tisch fallen dem „unmädchenhaften" Teenager noch die frechsten Po-Witze ein. Respekt hat Helen vor den Göttern in Weiß keinen. Auch der offensichtlich sexuell unterversorgte Krankenpfleger Robin (super: Christoph Letkowski) hat seine liebe Not mit der Zeigefreudigkeit der ihm anvertrauten Patientin ...

Feuchtgebiete - Der Film

Zum Entsetzen des Krankenhauspersonals lebt Helen ihren Fetisch für Körperflüssigkeiten und deren vielseitige "Verwendungsmöglichkeiten" auch im Spital ungeniert aus. Ihren Aufenthalt dort möchte sie verlängern. Der Grund: Das Scheidungskind versucht, ihre Leid geprüften Eltern (Meret Becker und Axel Milberg) an ihrem Krankenbett wieder zusammenzubringen.


Anal. Banal? Phänomenal!
Wo bitte liegt erotisches Neuland und wer wagt es, darauf lustvoll auszurutschen? Zugegeben: Einige, drastische Bilder aus dem Film Feuchtgebiete möchte auch die hart gesottene Kinokritikerin lieber schnell wieder vergessen. Charlotte Roches Romandebüt liegt irgendwo zwischen provokant-feministischem Befreiungsschlag und der expliziten Schilderung von Sex-Praktiken einer befriedigten Frau in den besten Jahren Einführungsvorlesung in Ekelkunde. So gesehen ist es nur verständlich, dass auch die schmuddelige Ebene dieses Werks im Film eine Entsprechung findet.

Die filmische Aufbereitung des heißen Stoffes verlangt nach der Hand eines wahren Meisters: Regisseur David Wendt hat gemeinsam mit Claus Falkenberg ein Drehbuch geschrieben, das sogar Charlotte Roche noch überrascht hat. Die Besetzung der Hauptrollen mit den Newcomern Carla Juri, Christoph Letkowski und Marlen Kruse) entpuppt sich als absoluter Glücksgriff und die Publikumslieblinge Axel Milberg, Meret Becker und Edgar Selge sorgen für Lacher ober- und unterhalb der Gürtellinie. So geht Filmmachen.

"Des brauchen’ S wirklich nicht lesen!"
Wer mit einem Exemplar von Charlotte Roches Romandebüt Feuchtgebiete gesehen wird, erntet auch fünf Jahre nach dem Erscheinen des Skandal-Bestsellers geringschätzige Blicke und abwertende Kommentare. So geschehen in einer der Zweigstellen der sonst so aufgeschlossenen und über alle Zweifel erhabenen Städtischen Büchereien Wien.
 

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