Ferien in der Hölle

Das Christkind war nicht brav. Nach Shoppingwahn, Fressorgien und drolligen Verwandtschaftsauftritten sind die Taschen leer und die Nerven blank. Unsere Familien-Redakteurin sehnt nach ein bisschen normalem Familien-Alltag, Schule und Kindergarten, inklusive. Luxus? Wenn alles seinen ganz gewohnten Gang nimmt.

„Das Christkind hat meine Playmobil-Pandabären vergessen!" seufzt meine Große bitter enttäuscht am Heiligen Abend. „Ich hätte doch besser aufräumen sollen!" Dieser unerwartete Erziehungserfolg ist zwar erfreulich, das Ergebnis macht jedoch monatelange, wohl überlegte „Geschenke-Planung" mit einem Satz zunichte. Etwas Seelenfrieden wäre mir an diesem Abend doch lieber gewesen. Und den hätte ich mir um schlappe € 6,20 billig erkaufen können.

Schenken ist großartig, einkaufen auch. Kochen und gemeinsam genießen - das Schönste. Der Besuch von lieben Verwandten - herzerwärmend. Und Kinder? - das pure Glück. Alles zusammen ist es aber einfach zuviel des Guten, in anderen Worten: die reinste Hölle!

Bis auf den Buckelwahl und die Schnecke hat in den letzten 3 Wochen quasi die gesamte Arche Noahs - vom Federvieh übers Rind zum Lachs - den Weg in meinen Kochtopf gefunden. Die Zubereitung erfolgte selbverständlich unter Missachtung sämtlicher Ernährungsrichtlinien. Weihnachtskekse verschiedenster Herkunft wurden gereicht, Champagner, Nuss- und Orangenschnaps mussten verkostet werden und der Duft eines französischen Käsesortiments mit dem des Tannenbaums konkurrieren. Den Frühjahrskollektionen begegne ich nun mit der Eleganz eines Walrosses.

Blutsverwandte sind davon überzeugt, einen wertvollen Beitrag zur Kindererziehung zu leisten. Deswegen bringen sie sich ungefragt ein. Und das natürlich auf Kosten der strengen Eltern. Während die Schwiegermutter die Kinder unerlaubterweise mit Süßigkeiten vor dem Hauptgang füttert, werden am anderen Ende der Tafel meine Erziehungsmethoden von der kleinen Schwester kritisiert. Prost! Die Weihnachtsetikette untersagt zivilisierten Menschen ein Blutbad unterm Christbaum. Da hilft nur ein kräftiger Marillenschnaps für die Nervenstärke, weil auch meine Mutter eine Bemerkung in den falschen Hals gekriegt hat.

Ausreichend Schlaf gehört auch nicht zu den Highlights dieser Winterferien. Rechtzeitig zu den Feiertagen schleicht sich regelmäßig eine Wintergrippe samt anschließendem Darmvirus bei den Kindern ein. Für die Eltern heißt es Nachtwache und Klo-Putz. Eine gute Übung für Silvester!

Beim Anblick eines braun gebrannten Kollegen werde ich am ersten "Arbeitstag" nach den Ferien vor Neid blass: Der „Weihnachtsferien-Flüchtling" war zwei Wochen mit der ganzen Familie die ganze Zeit über in Mexiko ....

 

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