"Feministische" Hofer-Wähler wünschen Frauen Vergewaltigungen

Van der Bellen hat die Bundespräsidentschaftswahl gewonnen. Und in den Reaktionen der Hofer-WählerInnen kommen rassistische Hetze und die plötzliche Sorge um die Sicherheit "ihrer" Frauen zum Vorschein - gepaart mit Vergewaltigungsandrohungen. Alles daran ist aber höchstens eins: entbehrlich.

Der knappe Sieg Alexander Van der Bellens bei der Bundespräsidentschaftswahl hat wieder einmal eins gezeigt: weniger Frauen als Männer wählen rechts. Die Erklärungsversuche für dieses schon lange bestehende Phänomen sind derzeit eher dürftig und klischeebehaftet. Da weisen manche sogar auf die „Urinstinkte“ von Männern hin, „des auf Krawall gebürsteten Naturmenschen, der in Feindbildern denkt und von inhumaner Macht angezogen wird“.

Dabei sollte man die Ursachen vielleicht eher in der rechten Ideologie suchen, einer Ideologie von und für weiße Hetero-Männer. Frauenrechte haben dort in etwa so wenig verloren wie die Rechte von MigrantInnen. Und wer ein bisschen weiterdenkt als bis zum Feindbild „Islam“ und seine eigene Position in dieser Gesellschaft reflektiert, wird schnell draufkommen: die FPÖ ist keine Partei, der die Rechte von Frauen und allen anderen Menschen, die nicht weiß, männlich, österreichisch und heterosexuell sind, am Herzen liegen. Kein Wunder ist daher, dass sich Frauen von rechter Ideologie, die sie bewusst ausschließt und in traditionelle Rollenmuster zwängen will, fernhalten. Viele junge Männer hingegen fühlen sich in rechten Denkmustern wohl – schließlich wollen die ihnen nichts von ihren heransozialisierten Privilegien wegnehmen. Für die ist ja besser, wenn alles so bleibt, wie es immer war. (Das heißt jedoch nicht, dass Männer ihre Position in dieser Gesellschaft nicht kritisch hinterfragen können. Und viele tun das auch.)

Die große Internet-Empörung nach der Wahl


Auf tatsächliche Fakten und Argumente scheinen aber auch einige Anhängerinnen des Ex-Bundespräsidentschaftskandidaten Norbert Hofer nicht anzuspringen, wie diverse Kommentare auf Facebook und in Zeitungsforen nach der Wahl zeigen. Das geht von Schreien nach Wahlbetrug bis hin zur Aufregung darüber, dass Van der Bellen jetzt dafür sorgen würde, dass Frauen aufgrund der vielen Asylsuchenden, die er laut BlauwählerInnen ins Land lassen wird (Quelle unbekannt), nicht mehr sicher sind.

Da scheint es auch egal zu sein, wer von den beiden Kandidaten tatsächlich für Frauenrechte eingestanden ist. Dass Alexander Van der Bellen sich etwa als Feminist bezeichnet, dass er die Einkommensunterschiede von Frauen und Männern thematisiert, dass er die gläserne Deckeals „skandalös“ bezeichnet. Nein, stattdessen weinen manche Wählerinnen einem Norbert Hofer nach, der fundamentale Frauenrechte beschneiden wollte, der Homosexuelle diskriminiert – und sich über sie lustig macht – und der einer Partei angehört, die rassistische Hetze auf dem Rücken von Gewaltopfern betreibt. Und wer sät, erntet auch die WählerInnen, die zu ihm passen.

Die vergewaltigenden Asylanten


Ein Feindbild, das sich in den letzten Monaten besonders auf Social Media fest in die rechte Argumentationslinie eingebrannt hat. Sobald es um das Thema Flüchtlinge geht, ist der erste Aufschrei nicht weit: "Wir müssen unsere Frauen vor den ausländischen Vergewaltigern schützen".

Unter dem Deckmantel der Frauenrechte und der Verteidigung der österreichischen Kultur wird auf Facebook und Twitter munter drauflos gehetzt.

Da wird schnell eine Boulevard-Meldung gleich zum Anlass genommen, eine gesamte Bevölkerungsgruppe zu diffamieren und über einen Kamm zu scheren. Der amoklaufende Neonazi war hingegen natürlich ein tragischer Einzelfall. Nicht auszudenken, wie die Wahl ausgegangen wäre, hätte sich der Amok-Schütze als Asylsuchender entpuppt.

In Wien wählten 76 Prozent der Frauen Van der Bellen


Interessanterweise sind es meistens die Menschen aus Gebieten mit besonders niedrigen Flüchtlingszahlen, die sich offensichtlich besonders gut mit der aktuellen Kriminalitätsstatistik auskennen. Oder sie wissen einfach, wie man tragische Ereignisse in Verbindung mit Flüchtlingen besonders gut füt rechte Zwecke instrumentalisiert.

Gerade in Gebieten wie Wien, in denen viele Flüchtlinge leben, scheint die Angst vor Flüchtlingen hingegen relativ gering zu sein, wie die Wahlergebnisse eindeutig zeigen. Egal ob am Brunnenmarkt, der Thaliastraße oder dem Praterstern. In allen Sprengeln konnte Van der Bellen deutliche Gewinne einfahren - trotz täglicher Hetz-Kampagnen im Boulevard. 76 Prozent der Frauen, die in Wien ihre Stimme abgaben, haben Van der Bellen gewählt. Und das gerade im Hotspot der Kriminalität, zu dem Wien in letzter Zeit laut Boulevardmedien mutiert ist.

Den gegenteiligen Effekt kann man im Burgenland beobachten: In vielen Gemeinden, in denen nicht ein einziger Flüchtling aufgenommen wurde, herrscht derart große Panik vor AsylwerberInnen, dass man "zum Schutz der Frau und der eigenen Kultur" präventiv seine Stimme an Norbert Hofer abgab.

Das ist übrigens kein österreichisches Phänomen: In Polen wurde erst im letzten Jahr eine ultrakonservative Regierung aus Angst vor noch mehr Zuwanderung gewählt - und das bei einem Ausländeranteil von 0,1%.

Und plötzlich ist der Feminismus dahin


Der Kampf der Rechten für die Frauenrechte kann aber auch ganz schnell wieder dahin sein. Das haben die letzten Tage gezeigt. Wo viele sich am Samstag noch mit Herz und Seele für die Rechte "unserer (!) Frauen" einsetzten, waren davon am Wahlabend nur noch wenige über.

Schlagartig war es mit der scheinheilige Sorge um die Frauen zu Ende, als klar wurde, dass Norbert Hofer diese wohl nicht "verteidigen" durfte. Alles unter dem infantil anmutenden Motto: "Wenn der Hofer nicht Präsident wird, dann ist mir wurscht, was mit den Frauen passiert". Wohlgemerkt: nur jenen Frauen, die Van der Bellen gewählt haben. Denn die Sorge, was mit "unseren" Frauen passiert, weil Van der Bellen ein "Verfechter des Islam" ist, wie es in diversen Postings heißt, besteht noch immer. Manche Frauen sind wohl wichtiger als andere.

Nein, wir müssen uns keine Sorgen um die Sicherheit der Frauen in diesem Land machen, weil Van der Bellen Bundespräsident ist. Wir müssen um ihre Sicherheit fürchten, wenn Faschismus regiert, traditionelle Familienbilder propagiert werden und blinder Rassismus die Gesellschaft spaltet. Denn statt über Opferhilfe, den Ausbau von Präventionsarbeit und Gewaltschutzeinrichtungen zu sprechen, werden von den "Neo-Frauenrechtlern" sexistische Gewaltandrohungen verbreitet, wurde von der Regierung das Asylrecht verschärft, Abschiebungen beschleunigt, der Familiennachzug erschwert - was vor allem für Frauen und Kinder fatale Folgen hat. In fast ganz Österreich haben Asylwerberinnen nicht einmal Zugang zu Frauenhäusern (die übrigens laut FPÖ-Amstetten "Ehen zerstören").

Für die vorherrschende Spaltung und Hetze sind zu einem großen Teil auch die Boulevarblätter des Landes verantwortlich. Denn wenn wir nicht endlich respektvoll, differenziert und hassbefreit über Menschen (!) auf der Flucht berichten, dann werden wir da nicht mehr hinauskommen – aus unserem braunen Sumpf.

Diese offensichtliche Doppelmoral tut einfach weh


Sexuelle Gewalt ist plötzlich zum Politikum geworden - doch aus den falschen Gründen, und mit keinerlei konstruktiven Beiträgen dazu, wie wir sie in Zukunft verhindern oder die Opfer ernster nehmen können. (Und nein, "alle Asylsuchenden abschieben" gehört hier nicht dazu.) Dass diese Doppelmoral für einige noch immer nicht offensichtlich ist, lässt uns immer wieder mit Erstaunen zurück.

Update: Aufgrund mehrerer Medienberichte, in denen über die gewaltverherrlichenden Äußerungen gegen Van der Bellen in den sozialen Medien berichtet wird, bat Parteichef HC Strache seine Anhänger auf Facebook nun um Mäßigung, wie diePresse.com berichtet.

 

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