Fatshaming für Nikes "dicke" Schaufensterpuppe sorgt für Aufregung

Im Londoner Flagship-Store von Nike steht eine Schaufensterpuppe, die nicht superschlank ist. Das fördere Übergewicht, behauptet eine britische Journalistin - und tritt damit eine heftige Debatte los.

"Plus Size"-Schaufensterpuppe im Nike Flagship-Store in London

Seit Februar 2017 bietet Nike Sportmode in größeren Größen an. Das ist sinnvoll, weil nicht nur Menschen mit Normkörpern bis Größe 42 Sport machen oder einfach nur so Sportbekleidung tragen wollen. Bei der Umdekorierung des Flaship-Stores in London wurde nun, mehr als zwei Jahre später, auch eine "Plus-Size"-Schaufensterpuppe in Yogapants und Sports-Bra ausgestellt. KundInnen und Medien fanden das zu großen Teilen gut - aber ganz ohne Diskriminierung und Hass funktioniert Repräsentation leider auch 2019 nicht:

"Sie kann nicht laufen"

In einem Artikel im britischen "The Telegraph" kritisierte die Journalistin Tanya Gold Nike heftig für seine Schaufensterpuppe. Der Sportartikelhersteller würde Fettleibigkeit bewerben und Frauen "eine gefährliche Lüge" verkaufen. Das Mannequin hat es Gold angetan: "Sie ist immens, gigantisch, gewaltig. Sie ist in jeder Hinsicht fettleibig und bereitet sich garantiert nicht auf einen Lauf in ihren glänzenden Nike-Klamotten vor. Sie kann nicht laufen. Sie hat wahrscheinlich Prädiabetis und ist auf dem besten Weg zu einem Hüftimplantat." Mit ihren hämischen Worten betreibt Gold massives Fatshaming und öffnet weiteren Diskriminierungen Tür und Tor.

Gegen Fettphobie, für Repräsentation

Seitdem haben sich zahlreiche Frauen zu Wort gemeldet, die diese diskriminierenden und verachtenden Worte nicht so stehen lassen wollen. Estée Laundry, eine Gruppe anonymer BloggerInnen, die Missstände und Diskriminierung in der Beauty-Industrie aufzeigen, riefen auf ihrem Instagram-Account zur Diskussion auf. Eine Userin schrieb: "Das macht mich wütend und traurig zugleich. Ich war mein ganzes Leben lang dick und Menschen wie sie sind hasserfüllt und böse. Danke Nike für die Inklusion und dass ihr an alle Kleidergrößen glaubt. Ja, ich bin fett, aber ich bin auch schon sechs Marathons und 12 Halb-Marathons gelaufen. Wollen wir mal sehen, wie die Journalistin das macht. Versuchen Sie an andere zu glauben anstatt sie nur runterzumachen."

Die "Plus-Size"-Bloggerin Megan Jayne Crabbe alias @bodyposipanda stattete der Schaufensterpuppe sogar einen Besuch ab - und merkt nach ihrer "todesverachtenden Begegnung mit einem Plus-Size-Plastikstück", wie sie es ironisch nennt, an: "Menschen in allen Größen und Formen waren im Laden. Manche waren dicker als das Mannequin, manche dünner, aber jede/r einzelne verdient es, repräsentiert und beachtet zu werden - unabhängig des Fitnesslevels. Egal ob sie Sport machen, oder nicht. Auch wenn manche Flachwichser mit Fatphobie bestimmen wollen, wer Leggings tragen darf und wer nicht: Jede/r von uns ist es wert, repräsentiert, gefeiert und gesehen zu werden."

Und "Plus Size"-Model und Bloggerin Callie Thorpe bringt in ihrer Instagram-Caption auf den Punkt, wie absurd die Häme und der Hass ist, der Menschen entgegenschlägt, die keine Größe 38 tragen:

"Es ist haarsträubend, dass dicke Menschen verspottet, gemobbt und dazu angewiesen werden, ins Fitnessstudio zu gehen und abzunehmen, wenn ihnen gleichzeitig gesagt wird, dass sie keine sportliche Bekleidung für ihre Körper verdient haben. Merkt ihr, wie lächerlich das ist? Wir sehen hier erneut, dass es rein gar nicht um gesundheitliche Bedenken geht, sondern nur um festgefahrene Vorurteile. Vorurteile und Diskriminierungen, die sich längst nicht nur in solchen Aussagen zeigen. Sie existieren überall, im alltäglichen Leben. Wenn Leute dich zum Beispiel anstarren, während du isst. Wenn sie ausweichen oder sich umsetzen, weil sie glauben, du würdest dich neben sie setzen. Oder wenn im Fernsehen unzählige Witze ausschließlich über deine Körperform gemacht werden. Und ja, selbst wenn Ärzte dir wegen deines Gewichts keine adäquate Behandlung anbieten oder wenn du aufgrund deiner Kleidergröße keinen Job bekommst.“

Der Hashtag #bodypositivity sei nicht genug, sagt Thorpe. Sie appelliert besonders an ihre "Nicht-Plus-Size"-Follower sich gegen Diskriminierung einzusetzen: "Bitte macht den Mund auf!"

 

Aktuell