Fasten: Wie fühlt es sich an, eine Woche fast nichts zu essen?

Das große Fasten: Nichts essen, länger leben? WIENERIN-Redakteurin Birgit Brieber hat den Selbstversuch gewagt.

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TAG 1 - ABBAU

Los geht's! Ich bin topmotiviert. Und nervös. Den Abbautag auf einen Donnerstag zu legen war eine gute Idee. Die Arbeit lenkt mich ab, ich esse Cottage Cheese und einen Apfel. Schmeckt herrlich und macht mich satt. Die empfohlene Buttermilch (stoppt den Eiweißabbau während des Fastens, Anm.) am Abend ist echt grauslich, aber gut für die Verdauung, und Schummeln gilt halt nicht. Gut, dass ich die letzten Wochen auf Süßes verzichtet habe, das macht es leichter.

TAG 2 - REINIGUNG

Aller Anfang ... Fastenprofis haben ein Mantra. Mir fällt nichts ein. Dann nehm ich halt den Satz der Fastenleiterin: "Fasten ist nicht Hungern, ich mache das freiwillig." Funktioniert. Eigentlich fühle ich mich normal. Die Arbeit und viel Wasser trinken lenken mich ab. Pünktlich um 18 Uhr rebelliert mein Magen. Nach einem Glas Wasser mit Glaubersalz verbringe ich die nächste Stunde am Klo. Innere Reinigung - Check.

TAG 3 - KRISENSTIMMUNG

Bitte nicht ansprechen! Mir ist schwindlig. Das Aufstehen in der Früh geht schleppend, mein Kreislauf ist schwach. Ich habe starken Durst, eine belegte Zunge, kalte Hände und bin so müde, dass nur ein dreistündiger Mittagsschlaf hilft. Am Nachmittag lege ich einen Spaziergang ein. Pünktlich um 18 Uhr knurrt wieder der Magen. Haben Mägen eigentlich eine innere Uhr? Gut, dass Wochenende ist.

TAG 4 - UNGEDULD

Wie jetzt? Beim Aufwachen versuche ich, alle Fastenratschläge zu beherzigen. Strecken, die Zehen bewegen, den Körper langsam aufwecken Schwindlig ist mir trotzdem. Wie man in diesem Zustand von "nie da gewesener Fitness und Stärke" sprechen kann, ist mir schleierhaft. Sport ist undenkbar - dann halt Spazierengehen. Langsam werde ich ungeduldig. Wo ist dieses "Fastenhoch", von dem alle reden?

TAG 5 - HOCHGEFÜHL

Geht doch! Na endlich! Der Energieschub ist da. Ich fühle mich stark und habe keinen Hunger. Das erzähle ich dann auch gleich jedem, der es hören will. Die erste Krise scheint überwunden. Auch die Müdigkeit bleibt aus. Irgendwie bin ich stolz, durchgehalten zu haben. Das erste Mal in diesen Tagen habe ich das Gefühl, tatsächlich gerne noch weiter fasten zu wollen. Hätte ich gestern nicht gedacht.

TAG 6 - FASTENBRECHEN

Das war's schon? Ich hätte locker noch weitermachen können und bin ein bisschen enttäuscht, dass es vorbei ist. Ich fühle mich gut, aber mein Sozialleben verlangt wieder normale Teilhabe an diversen Essenseinladungen. Man soll's beim ersten Mal ja nicht gleich übertreiben. Der Biss in den traditionellen Apfel zum Fastenbrechen ist eine Überwindung. Komisch: Mit dem Essen kommt auch der Hunger wieder.

TAG 7 - AUFBAU

So schnell kann's gehen. Das mit dem langsamen Wiederanfangen, normal zu essen, ist gar nicht so leicht. Jetzt, wo der Fastenbann gebrochen ist, habe ich plötzlich Lust auf einfach alles. Da sind Empfehlungen wie Cottage Cheese, Äpfel und Knäckebrot ziemlich unbefriedigend. Trotzdem reiße ich mich zusammen und halte mich an den Plan. Noch Tage später fühle ich mich leichter und erlebe jeden Bissen viel bewusster. Ich denke an die Worte meines fastenerfahrenen Vaters: "Letztlich wirst du eine Erfahrung machen, die nicht viele haben. Das wird dich ruhiger und stärker machen." Ich glaube, er hat recht.

HINWEIS: Fasten ist eine individuelle Erfahrung, sollte nur von gesunden Menschen und unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden. Der persönliche Erfahrungsbericht ist nicht zur Nachahmung gedacht.

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