Fashionvloggerin: "JA, ich bin dick!"

Nabela Noor ist Mode- und Beautyvloggerin, auf YouTube folgen ihr mehr als 350.000 Menschen. Sie sieht nicht ein, warum sie sich wegen ihres Gewichts verstecken sollte.

Frauen, die nicht der gesellschaftlichen Idee von Schönheit entsprechen und "trotzdem" in der Öffentlichkeit stehen und Erfolg haben, werden oft auf ihr Gewicht reduziert - auch wenn ihre Figur nicht zentrales Thema ihrer Arbeit ist. Und immer schwingt ein bisschen mit, dass die Frau ohne perfekten Körper in dieser Öffentlichkeit gar nichts verloren hätte. Fashionbloggerin Nabela Noor hat dazu ein Video auf ihren YouTube-Kanal veröffentlicht.

Noor bloggt und vloggt über Beauty und Fashion, in den Kommentaren dreht es sich oft trotzdem nur um ihr Gewicht.

"Ja, ich bin fett. Ja, ich bin dick. Ja, ich bin übergewichtig. Man muss mir das nicht sagen, ich habe einen Spiegel. Und eine Waage. Und einen Arzt. Ich bin mir meines Körpers bewusst. Aber ich habe gemerkt, dass Leute glauben, sie seien dazu verpflichtet, mir zu sagen, dass ich übergewichtig bin und mich daran erinnern, wie ungesund das für mich ist.

Es kommt mir vor, als könne ich keine Inhalte posten, ohne auf meinen Körper angesprochen zu werden."

Sie zeigt Screenshots einer Auswahl an Kommentaren: Dick oder fett sei sie, manche nennen sie hässlich. Noor fragt, was die Lösung in den Augen der Hassposter sei: "Soll ich einfach nichts posten? Soll ich mich verstecken, weil ich dick bin? Es ist, als wäre es falsch, als dicke und lächelnde Frau etwas über Beauty und Mode zu erzählen."

Aber genau dieser Hass, genau diese gesellschaftliche Vorgabe seien Grund, warum sie weiterhin auf Instagram und YouTube präsent sein müsse. Um diese Standards herauszufordern.

"Ja, ich bin fett. Und modisch. Ja, ich bin fett und ich liebe Make-Up. Und ich bin großartig darin, es aufzulegen. Ja, ich bin fett und ich kann singen. Ja ich bin fett und ich kann all das. Ich bin nicht nur fett. Dick zu sein macht mich nicht plötzlich zu jemanden, der nicht gesehen werden darf."

Noor ist gerade dabei, ihr Gewicht zu reduzieren und fitter zu werden. Sie fühlt sich aber schon jetzt in ihrem Körper wohl und hat kein Verständnis dafür, mit dem Leben zu warten, bis sie irgendwelchen Standards entspricht: "Ich könnte morgen auf einer Bananenschale ausrutschen und sterben und ich werde mir meine Lebensfreude weder für einen späteren Zeitpunkt noch für ein anderes Gewicht aufheben."

Die einseitigen Repräsentation von Plus-Size-Frauen in der Modeindustrie würde nicht weiterhelfen. So positiv und bemüht inklusiv das neue Bild sei, es würde immer noch nur ein einziger Körpertyp gezeigt. Unsinn, wie Noor findet: "Ich muss keine sichtbaren Schlüsselbeine, ein dünnes Gesicht und eine etwas fülligere Sanduhrfigur haben, um ein Plus-Size-Model zu sein."

Nein, und sie muss auch nicht dem gesellschaftlichen Schönheitsideal entsprechen, um gute Inhalte zu Mode und Beauty zu produzieren. "Ja, ich bin fett," sagt Noor. "Ich bin fett und ich bin schön."

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