Fanfare, Raider, Finessa Erdbeer Rahm – ich will mein Naschzeug zurück...

Retro Süßigkeiten wecken jede Menge süße Erinnerungen. WIENERIN Kolumnistin Martina Parker begibt sich auf nostalgische Spurensuche.

Der Blockmalz Mann kehrt zurück! Der 76 Jähriger Enkel des Erfinders will die, vor zwanzig Jahren eingestellten, Kirstein Blockmalz wieder auf den Markt bringen. Na das ist doch zur Abwechslung mal eine positive News. Nichts erfreut mich aktuell mehr, als die Rückkehr der steinharten Karamellzucker, die man eigentlich lutschen sollte, aber dann doch darauf herumbiss, bis sie absplittern und sich die Splitter in den Zähnen festsetzen, sodass man noch Stunden später was davon hatte.

Warum starben immer die beliebtesten Süßigkeiten?

Ich hab ja noch nie verstanden, warum man immer die beliebtesten Süßigkeiten aussterben lässt. Tragischstes Beispiel: Suchard Finessa Erdbeer Rahm; die beste Erdbeerschokolade aller Zeiten mit diesen leicht säuerlichen Erdbeerflankerln, die besonders gut schmeckte, wenn man sie vorher auf die Heizung legte. Irgendein pseudovisionärer Marketing Manager hat sie 2008 eingestellt. Fast zeitgleich starben auch die Fanfare aus. Diese hauchdünnen, mit Schokolade überzogenen, gefüllten Hohlhippen. Das Nachfolgeprodukt Amicelli ist nur ein schwacher Trost. Womit ich gleich bei der nächsten Todsünde der Süßigkeitenhersteller bin: Der sogenannten „Optimierung“ eines Erfolgsrezepts.

Wo überall rumgepfuscht wurde

Toblerone sind für mich verloren, seit die darin enthaltenen steinharten Türkischer-Honig-Stücke, die als klebriger Ball im Mund zurückblieben einer weichgespülten Honigcreme gewichen ist. Ich werde es auch den Machern von Eskimo nie verzeihen, dass Cornetto Erdbeer keine Erdbeere mehr im Kern hat. Sidenote: Laut Vermutungen meiner Freundin B. war es nie eine echte Erdbeere, sondern künstlicher Erdbeerschlatz. Aber dennoch, Erdbeer Cornetto ohne markant säuerlichen Erdbeergeschmack? Wie geht es denn Euch bitte!

Auch bei Twix formerly known as Raider wurde an der Karamell Textur rumgepfuscht. Man könnte auf diesen geflochtenen Karamellzopf namens Drei Musketiere ausweichen, aber den habe ich auch schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Manches Naschzeug meiner Kindheit wie die originale Tutti Frutti oder Eiskonfekt in ökologisch unkorrekten Alu Tüllen taucht zeitweise als Sonderaktion beim Diskonter wieder auf. Und auch den Bazoka Kaugummi mit den Comic Bildchen gibt es angeblich noch – zumindest in Israel.

Warum wir uns so sehr nach den Süßigkeiten von Damals sehnen, ist klar. Es ist dieses unbeschwerte Lebensgefühl unserer Kindheit. „Den einzige Stress den wir kannten, war der, dass wir dachten unser Hirn würde erfrieren, wenn wir ein Riesenstück Wassereis zerkauten,“ sagte mein Freund G. kürzlich. Jeder der sich ein abgebrochenes Twinni in den Mund stopfte, um die drohende Kernschmelze am Liegetuch im Freibad zu verhindern, kennt dieses Gefühl.

Wirtschaftliche Überlegungen bedeuteten damals, dass man darüber nachdenken musste, ob man sich für das Schwimmbadgeld eine letscherte Extrawurstsemmel oder doch lieber ein Riesensackerl Ufos und Fruchtgummischnüre kaufen sollte. Besonders geil waren auch die Wunderbälle, Tischtennisball-große, steinharte Riesenkaugummikugeln mit unterschiedlichen Geschmacksschichten. Beim Versuch diese zu Kauen brach man sich fast den Kiefer. Und schon fast pädagogisch wertvoll waren kleine Plastiksärge, die Zuckerknochen enthielten, die man zu einem Skelett zusammensetzen konnte. Ach war das toll!

Lasst uns unsere Süßigkeiten feiern!

Und weil man ja nie weiß, was noch alles eingestellt, oder umformuliert wird, werde ich jetzt die Süßigkeiten feiern, die uns noch geblieben sind. Ich werde mir fettige burgenländische Adebar Knoblauch Chips reinziehen, danach ein ganzes Packerl Rumkokos von Casali. Ihr wisst schon: Immer zuerst die Schoko ablecken, dann die Kokoschicht ablutschen und erst ganz am Schluss den Zuckerkern mit dem Rum mit der Zunge zerdrücken! Und zum Drüberstreuen gönnen ich mir vielleicht noch Sportgummis. Die violetten schmecken mir am besten, die hebe ich mir bis ganz zum Schluss auf. Danach ist mir höchstwahrscheinlich entsetzlich schlecht, aber erwachsen werden ist eben nichts für Weicheier.

 

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