Family XXL

Nicht jeder hat 7 Geschwister. Unsere Familienredakteurin Catherine schon. Einsam war sie bisher nie. Auch der Versuch, diese Geschichte kurz zu dokumentieren, wurde von mehreren geschwisterlichen Telefonaten und Skype-Anrufen unterbrochen ...

Es ist nicht immer leicht aus der Masse herauszustechen. Mit 7 Geschwistern jedoch ein Kinderspiel. Im vorletzten Jahr meiner Schulzeit nahm ich am Redewettbewerb teil und gewann einen Anerkennungspreis. Dass mein Vortrag eloquent war, bezweifle ich bis heute. Allein das Thema war gut. „Ist Familie heute noch zeitgemäß?" Ich schrieb über meine vier Brüder und drei Schwestern. Anerkennung habe ich da redlich verdient. Bis heute bin ich mir einer gewissen Aufmerksamkeit sicher, wenn ich beiläufig in einer Familiendiskussion fallen lasse, dass meine Herkunftsfamilie OHNE Patchwork aus 10 Personen besteht.

Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre war eine 10-köpfige Familie in Wien so beliebt wie eine Horde ausgehungerter Dschungeltiere im Innenstadt-Feinkostladen. Kinder? Igitt! Und dann auch noch so viele? Wollten die das WIRKLICH? (Sie wollten, die Eltern.) Sehr beliebt waren wir hingegen beim Fleischer, im Supermarkt oder in den von uns favorisierten Bekleidungsgeschäften. 10 Liter Milch pro Einkauf waren Standard, 5 Kilo Kartoffel, wenn es zu Mittag Pommes Frittes gab auch. Die Waschmaschine lief mindestens zwei mal täglich. Selbstverständlich wurde täglich frisch gekocht. An Schultagen zu Mittag sogar 3 mal um 12:00, um 13:00 und 14:00 - je nach Unterrichtsende. An Sonntagen mit den Großeltern dauerte die Küchenprozedur von der Vorbereitung bis zum Dienstende manchmal bis zu 4 Stunden. Hungrig ist bei uns nie jemand vom Tisch aufgestanden.

Love Family

Während die Österreicher uns als Großfamilie mit Argwohn beäugten, war es in anderen Kulturen normal und erstaunlicherweise sogar „willkommen" mit vielen Kindern anzutanzen. In Italien beispielsweise, wurde in Restaurants ohne zu murren ein weiteres Gedeck für ein Kind aufgelegt und die Pizza schon kinderfreundlich auf mehreren Tellern geschnitten serviert. Nie werde ich die großzügige Einladung der befreundeten Arzt-Familie Dr. Radjaby vergessen, die nicht nur ganz bewußt alle 8 Kinder eingeladen-, sondern extra für uns einen persischen Koch engagiert haben.

Böse Zungen behaupten unsere familiäre Struktur wäre wie die der Mafia: Wo einer von uns 8 Geschwistern ist, taucht bald auch ein anderer auf. Egal ob in Paris, Bali oder Feldbach in der Steiermark.Tatsächlich können und wollen wir einander ständig sehen, treffen oder hören. Wenigstens über Skype.

 

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