Familienplanung: Kinder als Beziehungskiller?

Viele Österreicherinnen und Österreicher haben Angst davor, dass die Beziehung leidet, wenn Kinder auf der Welt sind. In Wirklichkeit jedoch können Paare viel tun, um die Liebe auch als Eltern nicht aus dem Blick zu verlieren.

Im Leben vieler Paare kommt ein Moment, ab dem sich so einiges ändern wird. Wer sich nicht länger nur Zweisamkeit, sondern auch Familie wünscht, steht vor der Entscheidung, Eltern zu werden. Angst davor, dass die Beziehung unter der Anwesenheit von Kindern leidet, haben jedoch viele Österreicher. In Wirklichkeit jedoch können Paare viel tun, um die Liebe auch als Eltern nicht aus dem Blick zu verlieren.

Stellen Kinder wirklich eine Belastung dar?

Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Mit der Geburt des ersten Kindes nämlich kommen sowohl positive als auch negative Erfahrungen auf Eltern zu. Die Bedürfnisse von Kindern und deren anfängliche Hilflosigkeit können dafür sorgen, dass Paare weniger Zeit füreinander haben. Auch die Tatsache, dass stets ein weiterer Mensch anwesend ist, reduziert die Zweisamkeit erheblich. Wer sich jedoch bewusst für Kinder entscheidet, weiß das und wird in aller Regel damit umgehen können. Denn Kinder zu haben, bedeutet auch, das Elternglück zu erleben, als Familie enger zusammenzuwachsen und den Partner aus einem gänzlich neuen Blickwinkel kennen und lieben zu lernen. Aus einer stabilen Beziehung heraus überwiegen die schönen Seiten, denn echte Liebe hält auch das Elternleben aus.

Mann Frau Paar mit Kinderschuhen

Eine Umfrage von Parship unterstreicht das. Von allen befragten Paaren rechneten 76 Prozent der Eltern damit, langfristig zusammenzubleiben. Dies traf bei kinderlosen Paaren auf lediglich 66 Prozent zu. Auch scheint die Qualität der Beziehung für Eltern kein Ausfallkriterium zu sein. Eine Trennung ziehen nur zehn Prozent von ihnen in Betracht, selbst wenn die Beziehung sie nicht mehr glücklich macht. Die Bedürfnisse nach einer intakten Familie wiegen also schwer und können persönliche Gefühle durchaus übertrumpfen. Bei kinderlosen Paaren sprachen sich 19 Prozent für eine Trennung im Falle von Beziehungs-Unglück aus. Und auch wenn es viele weitere Gründe gibt, in einer wenig erfüllenden Partnerschaft zu bleiben, scheinen Kinder zu den Top Argumenten zu gehören. Die Chance, dass die Beziehung sich wieder erholt, nutzen folglich mehr Elternpaare als Kinderlose. Und manchmal liegt hierin sogar der Schlüssel zu dauerhaftem Glück.

Partnerschaft im Fokus: Glück als (Eltern-)Paar

Dennoch ist eine Beziehung, in der sich das Glück mit dem Einzug eines Kindes aus dem Staub gemacht hat, kein erstrebenswertes Ziel. Daher gilt es, sich aktiv für die Partnerschaft einzusetzen und bewusst positive Erlebnisse zu planen. Denn in Sachen Zweisamkeit hatten kinderlose Paare bei besagter Umfrage die Nase vorn. Zum Kuscheln nehmen sich 51 Prozent Zeit und 54 Prozent sorgten für eine gute Kommunikation. Dies trifft nur auf 42 beziehungsweise 33 Prozent der Elternpaare zu. Die Gefahr, sich im Alltag zu verlieren, ist also groß, wenn Kinder im Haus sind.

glückliches Paar im Schnee

Wer dies verhindern möchte, sollte dafür sorgen, dass die Aspekte des Elternseins genauso berücksichtigt und erfüllt werden wie jene, die den Kern der Liebesbeziehung ausmachen. Eltern und zeitgleich Partner zu bleiben, gelingt nur, wenn Kinder gelegentlich nicht an erster Stelle stehen. Das mag unfair klingen, denn immerhin brauchen Kinder ihre Eltern. In Wirklichkeit aber geht es nicht darum, die Kleinen zu vernachlässigen, sondern Raum zu schaffen für die Beziehungspflege. Hiervon profitiert die gesamte Familie, denn glückliche Elternpaare bilden ganz automatisch ein solideres Fundament, das auch in turbulenten Zeiten Stabilität bietet. Daher sollten sich Eltern gelegentlich Zeit für Aktivitäten wie:

  • gemeinsame Shopping-Touren,
  • romantische Restaurantbesuche,
  • Kurzurlaube
  • und auch Freizeitaktivitäten ohne Kinder

nehmen. Es ist wichtig, diese zweisamen Termine nicht als Option zu betrachten, sondern ihnen höchstmögliche Priorität zu geben. Nur wenn starke Argumente gegen einen Abend zu zweit sprechen – beispielsweise Krankheit des Kindes – darf verschoben werden. Sonst nämlich kommt doch immer wieder etwas dazwischen und die Nähe beider Partner zueinander schwindet.

„Es ist nur eine Phase!“

Natürlich ist die Entscheidung für Kinder ein weitreichender Schritt mit extremen Auswirkungen auf das gemeinsame Leben. Dass sich dennoch 49 Prozent aller österreichischen Paare hierzu entschlossen haben, spricht eine deutliche Sprache. Wann der richtige Moment für das erste Kind gekommen ist, sollte dennoch individuell entschieden werden. Parship berichtet in seiner Umfrage davon, dass ein Drittel aller Paare schon während der ersten beiden Beziehungsjahre Kinder bekommen, während sich jeweils ein Drittel zwischen zwei und fünf oder auch mehr Jahre Zeit nehmen. Druck von außen darf hier kein Argument darstellen. Auch wenn Schwiegermutter und Co. nach einiger Zeit mit bohrenden Fragen und überdeutlichen Anspielungen daherkommen, sollte die Entscheidung stets dem Paar selbst obliegen.

Mann Frau Kind Familie im Sonnenuntergang

Und letztlich ist die Zeit, in der Kinder mit der Paarbeziehung konkurrieren, im Vergleich zur gesamten Dauer der Partnerschaft recht kurz. Bereits im frühen Jugendalter sind die eigenen Kinder weitestgehend selbständig und wollen gar nicht mehr so intensiv umsorgt werden. Mama und Papa können sich in dieser Zeit also sorgenfreier miteinander beschäftigen. Statistisch betrachtet verlassen Kinder in Österreich schließlich mit einem Alter von durchschnittlich 25,2 Jahren das Elternhaus. Söhne bleiben tendenziell etwas länger als Töchter. Spätestens dann haben Paare wieder alle Zeit für sich und freuen sich, wenn wenige Jahre später die Enkel durchs Haus toben.   

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