Familien-Tüv 2013

Fulltime-Job Erziehungsberechtigter: Eltern werden als Motivationstrainer, Bewegungs-, Ernährungs-, und Lesevorbilder ganz schön gefordert. Wie ist es eigentlich 2012 erziehungstechnisch gelaufen? TÜV bestanden, „Elterntauglichkeit“ erreicht? Das Neue Jahr fängt gut an: 2013 dürfen auch Eltern Fehler machen!

Jeden Abend vor dem Schlafengehen zähle ich die gravierenden Fehler auf, die ich tagsüber bei meinen drei Kindern gemacht habe. Nach Nummer Fünf höre ich meistens auf zu zählen. Aus Selbstschutz. Dabei ist soviel Selbstkritik gar nicht nötig!

„Weg mit dem Perfektionismus!" fordert Familien- und Kommunikationsberater Dr. Jan-Uwe Rogge. Erziehungsfehler sind - erklärt Rogge - nämlich durchaus erlaubt. Auch Probleme wären NICHT Ausdruck elterlicher Inkompetenz. Hurra! Balsam für die Seele geprüfter Eltern. Habe ich heute meinem Kind ausreichend Frischluft und Bewegung verschafft? Für die richtige altersgerechte Lektüre gesorgt und ballaststoffreiche Ernährung serviert? Seinen Ehrgeiz ausreichend gekitzelt? Sein Selbstvertrauen gestärkt, die Kreativität gefördert? Muss ich vor meinem Kind verbergen, dass ich nach meinem Brotjob manchmal einfach hundemüde bin?

„Kinder lieben Eltern, die nicht vollkommen sind. Mütter dürfen auch einmal ausflippen - natürlich nur solange dem Sprössling auch das selbe Recht zusteht" erklärt der Pädagoge und plädiert für mehr Entspanntheit im Erziehungsalltag.

„Eltern wollen immer alles im Griff haben. Geht nicht. Es gibt nämlich keine TÜV-Plakette für ein sicheres Leben. Ebenso wenig wie Patentrezepte in Erziehungsfragen. Erziehung hat nichts mit ziehen zu tun, sehr wohl aber mit Beziehung. Die Beziehung beginnt am ersten Lebenstag. Hier geht es darum, das Kind mit all seinen Bedürfnissen anzunehmen und dabei zu vermitteln: Ich liebe dich, auch dann, wenn du wütend oder traurig bist. Wenn ein Kind das früh spürt, kann es später auch Konflikte besser ertragen", formuliert der Pädagoge.
Die richtige Beziehung zum eigenen Kind ist also die Basis für die richtige Erziehung. Wer sein Kind erkennt und in seiner Einzigartigkeit respektiert, kann sein Kind auch optimal fördern. Denn der Wunsch gute Leistungen zu erbringen, ist in jedem Kind vorhanden.

Die Aufgabe der Eltern besteht also nicht darin, den Nachwuchs zum Erreichen vorformulierter Lernziele zu bringen, sondern gemeinsam mit ihrem Kind zu erarbeiten, worin dessen Stärken liegen und diese zu fördern. Dabei kann man sich durchaus auch einmal - falls notwendig - eine Auszeit gönnen. Elterliche Unsicherheit bringt das Kind nicht weiter. „Mütter und Väter, die sich selbst vertrauen, vertrauen auch ihrem Kind!" sagt Dr. Rogge.

" Jede Mutter hat das Recht auf zehn Fehler am Tag. Und am Abend erinneren Sie sich an den schlimmsten, den Sie heute gemacht haben und, gehen an den Kühlschrank, holen sich ein Glas Grauburgunder und prosten ihm zu.
Das funktioniert übrigens auch mit linksdrehendem Apfelsaft aus dem Reformhaus!"

Dr. Jan-Uwe Rogge, Familien- und Kommunikationsberater.
 

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