Fake-Online Shop erleichtert Betroffenen von häuslicher Gewalt das Hilfe-Holen

Die Idee einer polnischen Schülerin rettet Leben. Statt Beauty-Produkten gibt es Beratungen mit Juristinnen und Psychologinnen.

Fake-Online Shop erleichtert Betroffenen von häuslicher Gewalt, Hilfe zu holen

Expert*innen hatten es bereits vermutet, Aktivist*innen davor gewarnt – mittlerweile belegen es Statistiken: Häusliche Gewalt steigt in der Zeit der Corona-bedingten Isolation an. Nach über einem Jahr Pandemie ist nun ein für alle Mal deutlich geworden: Nicht für alle Menschen ist das Zuhause ein sicherer Rückzugsort.

Oft fällt es Betroffenen von häuslicher Gewalt (meist sind es Frauen und Kinder) schwer, ihr Leid mitzuteilen und die Hilfe zu bekommen, die sie so dringend benötigen. Diesem Problem hat sich nun eine 18-jährige Schülerin aus Polen angenommen.

Make Up-Shopping als Vorwand

Krystyna Paszko rief im April 2020 in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Women’s Rights Center in Polen einen vermeintlichen Online-Shop für Naturkosmetika ins Leben, an den sich Betroffene auf der Suche nach Hilfe unter einem Vorwand wenden können.

Der Shop mit dem harmlos klingenden Namen Kamille und Stiefmütterchen ("Rumianki I bratki") bietet statt Gesichtscremes und Make-Up Kontaktmöglichkeiten zu psychologischen und juristischen Expertinnen, die Betroffene schnell und unauffällig zu ihren jeweiligen Situationen beraten.

"Kosmetik, die die Haut rettet"

Gibt jemand auf der Website eine Bestellung mit seiner Adresse auf, so ist das ein geheimes Zeichen dafür, dass interveniert werden soll, ganz nach dem Motto "Kosmetik, die die Haut rettet", wie es auf der Seite des Shops heißt. Die Initiative wurde nun mit dem Preis für zivile Solidarität der EU ausgezeichnet und mit 10.000 Euro unterstützt.

Shop half bereits hunderte Male

Paszkos vermeintlicher Online-Shop half bereits in mehr als 400 Fällen. Die meisten Anfragen kämen von jungen Frauen – gerade für sie sei das Hilfesuchen per Online-Chat leichter und natürlicher und lasse sich einfacher geheim halten, da niemand aus dem Nebenzimmer mithören könne, wird Pasko auf puls24.at zitiert.

Rund zehn Prozent der Anfragen kämen von Männern. Das könnte damit zusammenhängen, dass Homosexualität in Polen nach wie vor wenig Akzeptanz findet. Junge Menschen, die sich als queer outen, erfahren in der christlich-konservativ dominierten Gesellschaft oftmals Diskriminierung bis hin zu Ausgrenzung und Gewalt.

 

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