Fail der Woche: Wiener Craftbeershop verspricht „Lesbenbonus“

Homosexuelle Frauen sollen für ein Outing einen Rabatt auf ihren Einkauf bekommen, verspricht die Website eines Wiener Craftbeerladens. Das kann nur ein besonders queerfeindlicher Fail der Woche sein.

Craftbeer Lesbenbonus Fail

"Seien Sie einmal Ehrlich in Ihrem Leben!" (sic!) fordert die Website eines Wiener Craftbeer-Shops und verspricht: "Sind Sie eine bekennede Lesbe erhalten Sie bei uns 10% Rabatt!" (sic!) Ein Wahnsinns-Angebot also! Kann man quasi nicht ablehnen. Lesbische Kundinnen sollen dem Verkäufer einfach sagen "was (oder wer)" sie sind, schön können sie ihren Rabatt genießen. Da können sich Datenkraken-Konzerne glatt noch was abschauen! Ehrlichkeit zahle sich eben aus, meint die Website.

Die fragwürdige Geschäftsidee stammt von jenem Wiener Craftbeer-Laden, dessen Besitzer die Grünen-Politikerin Sigi Maurer verklagt hat, nachdem sie sexistische Privatnachrichten veröffentlicht hatte. (Die Gerichtsverhandlung geht im September in die nächste Runde. Das Wiener Oberlandesgericht hat das erstinstanzliche Urteil gegen Maurer aufgehoben.) Mehr dazu hier:

Hey Craftbeer-Shop, die Sexualität anderer Menschen geht dich nichts an!

Mangelnde Ehrlichkeit soll es also sein, die homosexuelle Frauen dazu bewegt, ihre Sexualität zu verbergen. Nicht etwa eine LGBTIQ-feindliche Gesellschaft, in der queere Menschen sehr realen Gefahren, Gewalterfahrungen, Hass und Diskriminierung ausgesetzt sind. Nicht etwa das ganz persönliche Recht, mit seiner Sexualität so umgehen zu dürfen, wie es einem beliebt. Und auch nicht übergriffige Dudes, die sich an der Sexualität fremder Frauen* ergötzen wollen. Nein, es ist die mangelnde Ehrlichkeit! Und die lässt sich mit 10%-Rabatt auf Bier natürlich heilen, meint der Craftbeer-Shop.

Aufgepasst, jetzt es wird bahnbrechend: "Ehrlichkeit" ist und war hier nie das Problem. Die Sexualisierung von Frauen, die doppelte Diskriminierung, denen queere Frauen in unserer Gesellschaft ausgesetzt sind und das zu oft nicht akzeptierte Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, das sind reale Probleme. Bis jetzt hat das Patriarchat ihre Lösung brav verhindert. Und das Leid, das sie in den vergangenen Jahrhunderten verursacht haben, ließe sich wohl auch nicht mit einem läppischen Rabatt auf Craftbeer aufwiegen. Aber bleiben wir gedanklich kurz beim Konzept der "Ehrlichkeit".

Wer hat hier nur schon wieder sexistische Inhalte verbreitet?

Der Besitzer des Craftbeer-Ladens ist sich erneut keiner Schuld bewusst. Vom "Lesbenbonus" habe er nichts gewusst, gibt er gegenüber der Wiener Zeitungan.* Die Seite werde vom Vorbesitzer betreut. Normalerweise schreibe der Besitzer selbst neue Inhalte auf einem Zettel vor, nur dann würde der Website-Betreuer diese online stellen. Die Aktion war allerdings seit Juni auf der Website, wie Der Standardberichtet. Der Besitzer kündigte an, die Rabattaktionen zu entfernen, was auch binnen Minuten geschah – obwohl er die Website nach eigenen Angaben nicht selbst betreut.

Wiener Craftbeerladen setzt Kopfgeld auf vermeintliche Vandalen aus

Rechtlich relevant könnte ein weiteres "Gewinnspiel" auf der Website sein. In einer Rubrik mit dem Titel "Gewinnspiel 100€-Verbrecher gesucht!" (sic!) wurden Standbilder einer Überwachungskamera veröffentlicht. Ein Bild zeigt ein Paar, das am Geschäft vorbeigeht. Der Mann scheint dabei in Richtung Auslage zu spucken. Datiert ist der "Vorfall" mit dem 30. Mai, der abgebildeten und nicht anonymisierten Person wird "Vandalismus-Sachbeschädigung" unterstellt. Auf weiteren Aufnahmen ist ein Mann im Geschäft zu sehen, der Waren gestohlen haben soll. Der Fall soll "samt Beweisvideo" bei der Polizei aufliegen.

Das sei tatsächlich datenschutzrechtlich problematisch, erklärt der Rechtsanwalt Lukas Feiler von der Anwaltskanzlei Baker McKenzie dem Standard: "Ein Foto eines Verdächtigen zu veröffentlichen, wie es sonst eigentlich nur die Polizei im Rahmen einer Fahndung darf, ist nicht von einem überwiegenden, berechtigten Interesse gedeckt." Theoretisch kann eine Verletzung der Datenschutzgrundverordnung DSGVO mit vier Prozent des weltweiten Umsatzes eines Unternehmens oder 20 Millionen Euro sanktioniert werden.

***Anmerkung: Die WIENERIN hat den Besitzer des Craftbeer-Ladens am 31.7.2019 schriftlich um eine Stellungnahme bis 1.8.2019, 10 Uhr, gebeten. Bis dato ist keine Rückmeldung eingetroffen, wir reichen sie gegebenenfalls an dieser Stelle umgehend nach.

Zur Serie: Der Fail der Woche "zeichnet" regelmäßig besonders sexistische, frauenfeindliche und/oder rassistische Sager oder Internet-Fundstücke aus.

 

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