Fail der Woche: Was zur Hölle soll weibliches Eis sein?

ESKIMO bringt eine "weibliche Version" seines Klassikers "Twinni" auf den Markt. Mit "Twinna" will man alle Frauen "feiern". Tja: Wenn ein konsumorientieres Unternehmen sich aufmacht, um das Problem mit der fehlenden Gleichstellung zu lösen, kann das nur ein Fail der Woche sein.

Fail der Woche: Twinna, das "weibliche Eis" von ESKIMO

Im Grunde reden wir heute über was Lustiges: österreichische Grammatik. Obskuren Regeln folgend unterscheidet sie sich überregional (oder manchmal sogar Dorfgrenzen folgend) und sorgt bei Ortsfremden immer wieder für Verwunderung und Belustigung. Bei den bestimmten Artikeln ist das mitunter besonders sympathisch, weil hier seit Jahrzehnten genderfluide gesprochen wird. Da bewegen sich Teller, Swimmingpools und Joghurts stabil zwischen "der" und "das", ganz ohne Schwierigkeiten. Sogar der Duden findet das völlig okay. Soviel Offenheit und Toleranz vermisst man gesellschaftspolitisch in Österreich leider (noch).

Rein sprachlich betrachtet bleibt das generische Maskulinum auch im Dialekt ein großes Problem, weil es Frauen unsichtbar macht. Das hat ganz reale Auswirkungen auf das Leben von Frauen – wer das immer noch nicht glauben mag, kann hier, hier und hier Studien dazu nachlesen. Gendergerechte Sprache hilft, sie schafft Bewusstsein. Peinlich wird es aber, wenn ein Unternehmen versucht, mit Kunstgriffen aus dem Gender Marketing anzusetzen - wie es ESKIMO gerade tut.

Der österreichische Eishersteller zog nun aus, um die Rechte der Frau zu retten. Oder so. 2020 soll es jedenfalls "mehr Weiblichkeit in der Eistruhe geben", heißt es in einer Presseaussendung. "Der Twinni, das Cornetto, das Brickerl, der Jolly, das Erdbeer Combino, der Twister - da fehlt doch was", findet ESKIMO und meint ein Eis mit dem Artikel "DIE". Deswegen kommt ab Anfang Februar die "Schwester" vom Eskimo-Klassiker Twinni auf den Markt: "Twinna". Der Doppeleislutscher schmeckt nach Orangen-Passionsfrucht auf der einen und Erdbeere auf der anderen Seite. Damit "feiert" man dann "alle Frauen". So einfach ist das in der Welt des plumpen Gender Marketings!

Was ist denn ein weibliches Eis?

Billiger und gelangweilter war das wohl noch nie. Andere Unternehmen bemühen sich in ihrer marktorientierten Form des Feminismus wenigstens noch ein bisschen um eine Storyline. Mit FeminismusTM lässt sich immerhin super Geld verdienen. Beim Eis-Giganten reicht es aber nicht mal für eine konstruierte Body Positivity Kampagne oder etwas, das zumindest "gut gemeint" sein könnte. Hier wird ein Konsumgegenstand ungeschickt zur Frau gemacht. Im Gegenzug dazu nimmt das Standardprodukt "Twinni" die Rolle des Mannes ein. Das hat nichts mit "Feiern von Frauen" zu tun, sondern zementiert weiter ein: Der Mann ist die Norm, die Frau ist die Abweichung. Beim Eis ist das besonders lächerlich, weil außerhalb des ESKIMO-Presseteams wohl noch nie jemand "der Twinni" gesagt hat. Wir haben hier bundesländerübergreifend ein bisserl nachrecherchiert 🙃. (Und bei ESKIMO nachgefragt, ob das Konzernsprech oder eine regionale Besonderheit wie "das Zettel" ist. Für Dialektinteressierte wird eine allfällige Antwort an dieser Stelle veröffentlicht.)

Lieber günstiger als pink

Teilweise erfüllt hat ESKIMO zumindest die Urformel des diskriminierenden Gender Marketing, das Produkte künstlich auf Frauen zuschneidet und sie im gleichen Aufwasch meist noch teurer macht. Sie lautet von jeher: Shrink it and pink it – also mach es kleiner und am besten rosa. (Warum das ein Problem ist, kann man hier nachlesen). Letzteres haut hin, das Erdbeereis ist pink. Kleiner ist der Eislutscher wenigstens nicht. Vielleicht sollte er aber günstiger sein, um den Gender Pay Gap auszugleichen. Das wäre zumindest ein bisserl lustig, aber halt nicht gewinnbringend. Nur "die Eislutscher" sagen wollen ist aber einfach nur unnötig.

Und wird auch noch zum Scheitern verurteilt sein. Im österreichischen Dialekt ist es ja so, dass eine Endung auf -a nicht unbedingt einen femininen Artikel bedingt. Außerhalb einiger niederösterreichischer Kleinregionen ist man sich etwa recht einig, dass es "der Billa" und "der BIPA" heißt. Und im typisch-prekären Beschäftigungsverhältnis des Einzelhandels kann man vom "Feiern aller Frauen" auch kein Lied singen. Dem schönen -A zum Trotz.

Zur Serie:

Der Fail der Woche "zeichnet" regelmäßig besonders sexistische, frauenfeindliche und/oder rassistische Sager oder Internet-Fundstücke aus.

 

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