Fail der Woche: "True Fruits" ist wieder sexistisch und diesmal reicht es dem Internet

Ein neues Sujet sorgt für Aufregung in den sozialen Medien. Wer kritisiert, wird von True Fruits mit pornografischen Kommentaren abgewatscht. Unser verdienter "Fail der Woche".

Man könnte Seiten nur mit Kritik füllen, die der Smoothie-Hersteller True Fruits in den letzten Jahren für seine Kampagnen bekommen hat. Ein bisschen Rassismus ("Noch mehr Flaschen aus dem Ausland") hier, ein bisschen Sexismus da - unter dem Deckmantel "Humor" und "das wird man ja noch sagen dürfen" macht die Getränkefirma gerne am Rücken marginalisierter Gruppen Werbung.

Ritter der Politisch-Unkorrekten

Dass man es eben nicht mehr sagen sollte, weiß "True Fruits" eigentlich mittlerweile - wie die neueste Werbelinie zeigt haben sie trotzdem nicht daraus gelernt. Eher im Gegenteil. Auf Instagram inszenieren sie sich als Ritter für die Politisch-Unkorrekten.

Damit ja keine blöden Kommentare kommen, hat man mittlerweile jedes Sujet mit dem Satz "Achtung! Diese Werbung könnte von dummen Menschen missverstanden werden" versehen, nur um sicher zu gehen, dass die eh ihre Klappe halten.

Den "Dummen" ist beim neuen Sujet, einem Smoothie, der aussieht wie eine Sonnencremeflasche, aber der Kragen geplatzt. Das liegt nicht an der kreativen Verpackung des Getränks, sondern am Bild, mit dem der Smoothie beworben wird: Am Foto ist der Rücken einer Frau zu sehen, der mit der "Sonnencreme" ein kleiner, spritzender Penis aufgemalt wurde. Passend dazu wird mit den Worten "Sommer, wann feierst du endlich dein Cumback?" getitelt (Cum, engl. "Sperma").

Höhö, eine Frau mit Penis auf der Schulter - das schafft Aufmerksamkeit und ist deswegen eine tolle Plattform, um sein Produkt zu bewerben. Äh, nein.

Was ist sexistische Werbung?

Noch einmal zur Erinnerung: Sexistische Werbung ist, wenn Personen mit geschlechterbezogenen Vorurteilen und Verhaltensweisen dargestellt werden. "Menschenrechtlich betrachtet sind Abwertungen oder Stereotypisierungen von Frauen in Medien und Werbung eine ausdrückliche Diskriminierung aufgrund des Geschlechts", fasst die Werbewatchgroup Wien etwa zusammen. Wenn also ein (nackter) Frauenkörper nur deswegen für die Bewerbung eines Produkts verwendet wird, um damit (wegen ihrer Sexualität) Aufmerksamkeit zu generieren, fällt das in ebendiese Kategorie. Werbe-Fehltritte können bei dem österreichischen Werberat auch von Privatpersonen gemeldet werden.

Das sollte verantwortungsvollen Werbenden klar sein, in einigen Städten (etwa Berlin) und Ländern (zum Beispiel Großbritannien) ist derartige Werbung mittlerweile sogar - aus Gründen - verboten.

"Hast du ein Penis-Trauma?"

True Fruits steht damit erneut in der Kritik. Und weiß mittlerweile, wie man, ganz markentreu, auf kritische Kommentare antwortet. Unter dem Kommentar von Christian Berger, Mitinitiator des Frauenvolksbegehrens und feministischer Aktivist, das auf die sexistische und problematische Darstellung hinweist, kommentiert man bei True Fruits mit "warum liegt hier Stroh", einer bekannten Porno-Referenz. Andere Nutzerinnen müssen sich unter ihren kritischen Kommentaren sogar Beleidigungen gefallen lassen, die noch tiefer unter die Gürtellinie gehen: "Hast du ein Penis-Trauma?" fragt das Social-Media-Team eine Nutzerin und fühlt sich dabei offenbar besonders lustig. "Spritzt da ein Penis auf eine Frau? Ur lustig, warum nicht gleich in ihr Gesicht, das ist degradierender und lustiger!", schreibt eine andere Nutzerin und darf sich prompt über das Kommentar "Sein Gesicht sollte man sich auch immer eincremen" freuen.

Mittlerweile ärgern sich auf Instagram immer mehr NutzerInnen öffentlich über True Fruits und seine fragwürdige Werbestrategie. Influencerinnen wieDariaDariaund Anna Laura Kummer teilten Screenshots der sexistischen Kommentare und weisen auf alte Kampagnen und Aussagen der Marke hin, die in der Vergangenheit für Aufregung sorgten. Einige NutzerInnen fordern große Lebensmittelhändler nun erneut auf, die Smoothie-Marke aus dem Sortiment zu nehmen. Auf Kritik von Christian Berger reagierte man bei Spar schnell, verwies aber darauf, dass man sich als KonsumentIn direkt an True Fruits wenden solle. Dort stößt man mit Kritik bekanntermaßen aber seit Jahren auf taube Ohren.

Alles Absicht..?

Bei True Fruits war man sich wohl vorher über die erneute Aufregung über das Sujet bewusst. Die umstrittenen Werbungen der Marke dürften Kalkül sein und darauf abzielen, möglichst viele Menschen zu erreichen. Dass man dabei ein paar "Politisch-Überkorrekte" verliert, scheint egal zu sein - offenbar läuft das Geschäft trotzdem (oder gerade deswegen) für den Smoothie-Hersteller gut, die Produkte sind im Einzelhandel österreichweit zu finden.

Dabei haben in der Vergangenheit schon einige Getränkehersteller bewiesen, dass man mit Witz gut Werbung machen kann - ganz ohne dabei sexistisch zu sein. Und wenn du nur mit Sexismus lustig sein kannst, dann bist du es vielleicht einfach nicht.

Anm. der Redaktion: Die WIENERIN hat True Fruits um ein Statement zu der aktuellen Kampagne und der Kritik gebeten. Dieses wird bei Beantwortung nachgereicht.

Zur Serie: Der Fail der Woche "zeichnet" regelmäßig besonders sexistische, frauenfeindliche und/oder rassistische Sager oder Internet-Fundstücke aus.

 

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