Fail der Woche: Süße Freundinnen, bittere Schwiegermütter und Sexismus zum Kotzen

"Zipfer" greift mit seiner aktuellen Werbung für die alkoholfreie Hopfenlimonade "Hops" extrem tief in die Sexismus-Kiste. Das kann nur ein Fail der Woche sein.

"Zipfer" macht sexistische Werbung für Hopfenlimonade "Hops".

Was wollen Männer eigentlich wirklich? Nach 4.000 Jahren Patriarchat ist das eine brennende Frage, die besonders die Werbeabteilungen zu beschäftigen scheint. Beim österreichischen Bierbrauer "Zipfer" hat man eine vorläufige Antwort gefunden: Männer wollen alkoholfreie Bierlimonade mit einem sexistischen Spruch drauf. Was Frauen wollen, ist übrigens wurscht. Die Kundinnen werden von Zipfer geflissentlich ignoriert. Der Kunde bekommt Aufmerksamkeit dafür gleich in dreifacher Ausführung: als Mann, als Junge und als Wikinger. Frauen trinken wohl kein Bier, nicht mal als alkoholfreie Limo-Variante. Für die Werbung dürfen sie aber trotzdem herhalten - als sexistische Stereotype.

In der Bier-Werbung können Frauen nur Beiwerk sein

„Nicht so süss wie deine Freundin“, tönt es vom Werbesujet zur Hopfenlimonade "Hops" aus dem Hause Zipfer. „Weniger bitter als deine Schwiegermutter“. Höhöhö, da klopfen wir uns mal heftig auf die Schenkel. Weil die Schwiegermütter, die sind immer frustriert und machen einem redlichen Mann das Leben schwer. Und die braven Freundinnen, die sind lieb und süß und beschweren sich nie über Bierkonsum oder frauenfeindliche Werbung. Lustig, oder?

Frauen sind keine Ware, die Männer konsumieren können

Das sind „Witze“, die nur in einer Welt der stereotypen und sexistischen Darstellung von Frauen funktionieren können. Die „hopfige“ Limonade von Zipfer mag süß und ein bisserl bitter sein, mit vermeintlich weiblichen Attributen und realen Frauen hat sie aber nichts zu tun. Zipfer macht Frauen so zu Objekten – zu einer Ware, die von Männern konsumiert werden kann. Das ist problematisch, weil es mit einem Frauenbild spielt, das ganz real zur fortwährenden Benachteiligung führt und letztlich Gewalt gegen Frauen fördert. Wer Objekt ist, ist nämlich ein bisschen weniger menschlich – und muss auch nicht so behandelt werden.

Auf Instagram sammeln sich inzwischen negative Kommentare unter dem Posting. Die Journalistin Alexandra Stanić kritisiert das Sujet auf ihrem Instagram-Account, sie erwartet eine Entschuldigung und die Entfernung des Postings. Vergebens: Eine öffentliche Reaktion jeglicher Art ist Zipfer bislang schuldig geblieben. (Die WIENERIN hat um ein Statement gebeten. Bei Einlangen wird es an dieser Stelle veröffentlicht werden.)

Mit Sexismus Bierlimonade verkaufen

In der Werbebotschaft bleibt sich Zipfer mit "Hops" zumindest treu. Auch der 20-Sekunden lange Spot auf der Webseite kommt nicht ohne sexistischen Unterton aus. Offen soll man laut Werbebotschaft nämlich sein. Der männliche Protagonist des Spots, der beim Einkaufen mit einer jungen Frau zusammenstößt, zum Beispiel „für... *anzügliche, bedeutungsschwangere Pause*… PRICKELNDES!“ Zipfer möchte, dass wir offen für Neues sind. Nur: Neu ist an sexistischer Werbung leider gar nichts.

Nachtrag: Späte Einsicht, trotzdem Schweigen

Am Dienstagnachmittag, mehr als drei Tage nach Veröffentlichung, löscht Zipfer schließlich das Posting mit dem sexistischen Sujet und postet ein neues Bild. "Ui! Da ist was schief gelaufen ...", entschuldigt man sich. Eine Wortwahl, die eher zu einem Serverausfall als zur Einsicht nach einer sexistischen Werbung passt. Aber gut: Das Sujet ist weg, im neuen Posting ist zwar die Freundin noch süß, aber zumindest die Schwiegermutter nicht mehr bitter, und neben den bei Sexismus üblichen Ausflüchten, die sich gern auf die Befindlichkeit der KritikerInnen beziehen (... "kann man auch anders verstehen"), gelobt man in den Hashtags Besserung: Neben #sorry, #entschuldigung und #nichtlustig steht da auch #neuanfang.

Okay: #schaumamal.

Zur Serie: Der Fail der Woche "zeichnet" regelmäßig besonders sexistische, frauenfeindliche und/oder rassistische Sager oder Internet-Fundstücke aus.

 

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